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Versehen oder Vorsatz?

Totschlagsprozess Versehen oder Vorsatz?

Das blutige Ende eines Streits zwischen zwei Migranten aus Marokko steht seit gestern im Mittelpunkt eines Totschlagsprozesses vor dem Kieler Landgericht.

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 Schauplatz des Vorfalls war die Wohnung des Opfers in Gaarden.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Gaarden. Said S. (25, alle Namen geändert) soll in der Nacht zum 31. März seinen Landsmann Khalid K. (37) erstochen haben – bei einem Abendessen mit zwei deutschen Frauen, um die sich die Asylbewerber mit unterschiedlichem Erfolg bemühten.

Schauplatz des Vorfalls war die Wohnung des Opfers in Gaarden. Die Anklage wirft Said S. vor, den stark alkoholisierten Gastgeber, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, im Streit ein Messer in die linke Flanke gestoßen zu haben. Die vierzehn Zentimeter lange Klinge verletzte eine Hauptschlagader. Khalid K. starb nach einer Notoperation fünf Stunden später im Krankenhaus.

 Sein Tod sei ihm „zumindest gleichgültig gewesen“, wirft Staatsanwalt Achim Hackethal dem in U-Haft sitzenden Angeklagten vor. Dieser bringt dagegen seine tiefe Trauer um den Freund zum Ausdruck, den er ungeachtet mancher Streitigkeiten sehr gemocht habe. So steht es in einer schriftlichen Erklärung, die sein Verteidiger für ihn verliest.

 Darin stellt Said S. die tödliche Verletzung als „Versehen“ dar. Sein Landsmann sei unter Alkohol und Tabletten leicht ausgerastet. Khalid sei suizidgefährdet gewesen, habe bisweilen ein offenes Messer im Hosenbund getragen und sich schon häufiger selbst verletzt. Gleichzeitig räumt S. einen heftigen Streit mit dem 37-Jährigen am Esstisch ein.

Zwölf Jahre älter als die Mutter

 Der Angeklagte selbst hatte seine Verlobte (59) in die Dachwohnung in der Kaiserstraße gebracht. Die Frau, die zwölf Jahre älter ist als seine Mutter, wolle ihn auch heute noch heiraten, sagt er vor Gericht. Sie kochte an jenem Abend das Essen. Khalid K. war an einer kurzfristig eingeladenen Frau (40) aus Mettenhof interessiert, die gegen 22 Uhr mit dem Bus eintraf.

 „Er hat mich angefasst, wollte was von mir“, bestätigte am Donnerstag die Zeugin, die eigentlich bald wieder gehen wollte, aber zum Bleiben überredet wurde. Den zudringlichen Mann habe sie mühsam auf Distanz gehalten. Khalid K. habe sich völlig daneben benommen, sagt der Angeklagte. „Zeige Respekt!“ habe er ihm zugerufen.

 Man habe sich gegenseitig angeschrien und geschlagen, so der Angeklagte weiter. Dann habe er den Messergriff in Khalids Hosenbund gesehen und herausgezogen. Im Handgemenge beim gemeinsamen Hinfallen müsse es passiert sein: „Ich habe nicht bemerkt, dass das Messer in seinen Körper eindrang.“

 Für den Prozess hat die Schwurgerichtskammer vier Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird Mitte Oktober erwartet.

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