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In Kiel wird es wieder eng

Transitflüchtlinge In Kiel wird es wieder eng

Stärkere Kontrollen an der dänische Grenze verunsichern offenbar immer mehr Transitflüchtlinge auf ihrem Weg Richtung Schweden. Weil viele von ihnen nun die Route über Dänemark meiden, könnte sich in Kiel die Situation am Wochenende zuspitzen.

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Stehen in der Schlange: Vor der Markthalle und dem C&A-Gebäude in Kiel warten Flüchtlinge auf eine Übernachtungsmöglichkeit.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Flensburg. Bereits am Freitagnachmittag warteten rund 450 Flüchtlinge auf eine Unterkunftsmöglichkeit – deutlich mehr als sonst. Bis zum späten Abend wuchs ihre Zahl auf deutlich über 800. Ob dies allein auf die dänischen Grenzkontrollen zurückzuführen ist, konnte Sozialdezernent Gerwin Stöcken zwar nicht sagen. „Aber es zeichnet sich eine Zunahme ab, aus welchem Grund auch immer.“ Die Stadt hat Vorsorge getroffen und nimmt erneut das ehemalige C&A-Gebäude bis kommenden Montag zur Flüchtlingsunterbringung in Anspruch. Die eigentlich dafür vorgesehene frühere Kieler Markthalle mit maximal 350 Plätzen war bereits am frühen Abend belegt.

Unterdessen sorgt die Situation an der dänischen Grenze für Verunsicherung der Flüchtlinge und für Ärger bei den Helfern. Nach Angaben des Helfer-Netzwerks „Refugees Welcome Flensburg“ wurden die Menschen bei den Kontrollen vor die Wahl gestellt, entweder in Dänemark Asyl zu beantragen oder zurück nach Deutschland zu fahren. Seit Mittwoch seien ein Bus und zwei Züge von dänischen Beamten kontrolliert und alle mitfahrenden Flüchtlinge „zwangsregistriert“ worden, erklärte der Organisator des Helfer-Netzwerkes Nicolas Jähring.

Transithilfe eingestellt – Dänen widersprechen

Die Folge: Verunsicherte Flüchtlinge wollen nicht mehr über die dänische Grenze. Am Freitagvormittag warteten rund 400 Flüchtlinge darauf, dass es für sie irgendwie weitergeht. Die Nacht zuvor hatten sie in Sporthallen verbracht. Wegen der Kontrollen hat auch Jährings Team seine Transithilfe bis auf Weiteres eingestellt. Guten Gewissens könne man keinem Flüchtling mehr dazu raten, sich für den Weg nach Schweden in einen Bus oder eine Bahn zu setzen, die durch Dänemark fährt.

Während die Flensburger Helfer von „Willkür“ und „Abschreckungsmaßnahmen“ der dänischen Polizei sprachen, bestritten dies die Behörden des Nachbarlandes. An der Praxis der seit langem üblichen Routinekontrollen habe sich nichts geändert. Die dänische Polizei halte sich an dänische Gesetze und die Regeln des Schengen-Raumes. Auf niemanden werde Druck ausgeübt, in Dänemark Asyl zu beantragen. Wer dies nicht wolle, werde nach Deutschland zurückgebracht.

Unterkünfte in Rostock belegt

Der Druck auf Kiel könnte auch aus einem anderen Grund zunehmen. In Rostock sind die Aufnahmekapazitäten in den Notunterkünften erschöpft. „Wir bekommen niemanden mehr unter“, sagte ein Sprecher der Hansestadt. Mit jedem Zug aus Hamburg kämen im Zwei-Stunden-Takt neue Flüchtlinge, die mit der Fähre weiter nach Schweden wollten. Doch seien die Überfahrten auf Tage hin ausgebucht, so dass sich immer längere Wartezeiten für die Weiterreise ergäben.

Unterdessen teilte Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld mit, dass die Erstaufnahme-Unterkunft größer wird als gedacht. Die Landesregierung habe ihm mitgeteilt, dass in einem Container-Dorf auf dem Gelände der früheren Lettow-Vorbeck-Kaserne an der A21 statt 800 bis zu 2000 Asylbewerber unterkommen sollen.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Bereits vor rund einer Woche nahm die Landeshauptstadt Kiel das C&A-Gebäude als Unterkunft in Beschlag.

Schlafplätze dringend benötigt: Die Landeshauptstadt Kiel öffnet das ehemalige C&A-Gebäude ab sofort bis Montag erneut zur Unterbringung von Transitflüchtlingen. Wie die Stadt am Donnerstagnachmittag mitteilte, beruft sie sich dabei auf das Landesverwaltungsgesetz, um Obdachlosigkeit kurzfristig zu verhindern.

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