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Das letzte Notquartier ist aufgelöst

Transitflüchtlinge in Kiel Das letzte Notquartier ist aufgelöst

Monatelang wurde Transitflüchtlingen in Kiel eine kostenlose Notunterkunft angeboten. Damit ist jetzt Schluss. Weil durch die Schließung der Balkanroute nur noch vereinzelt Flüchtlinge von Kiel nach Schweden weiterreisen, ist auch die letzte Notunterkunft in der Jugendherberge gestrichen worden.

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Sherwan Beshir aus Syrien (links) und Sven Grube von der Berufsfeuerwehr warteten oft vergeblich in der Jugendherberge auf Transitflüchtlinge. Künftig stehen sie nur auf Zuruf bereit.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Transitflüchtlinge können dort aber wie alle andere Gäste auf eigene Kosten übernachten. Sherwan Beshir ist wochenlang zuverlässig Abend für Abend in die Jugendherberge gekommen. Der Kurde aus Syrien wollte im Auftrag der Stadt für die Transitflüchtlinge dolmetschen. Auch Sven Grube oder seine Kollegen von der Berufsfeuerwehr haben allabendlich in dem großen Ess- und Aufenthaltsraum gesessen, waren Ansprechpartner, um Flüchtlingen mit gesundheitlichen Problemen zu helfen. Meist bei Verletzungen an den Füßen nach langen Märschen, aber auch bei chronischen Krankheiten, Atemwegs- oder Schwangerschaftsproblemen.

„Hier haben die Flüchtlinge ein Bett und eine warme Suppe bekommen, wenn sie in Kiel angekommen sind und die Fähre nach Schweden nicht mehr erreicht haben“, erzählt Bashir, der seit Jahren in Kiel lebt. Doch schon seit Wochen ist sein Übersetzerdienst nicht mehr gefragt. „Die Grenzen sind dicht. Es kommen keine Transitflüchtlinge mehr durch“, bestätigt Helmut Behnke, Leiter der Kieler Jugendherberge.

Im April reisten bisher vier Flüchtlinge per Fähre aus

Das zeigen auch die Zahlen der Landespolizei. Danach haben im Januar 190 Flüchtlinge von Kiel aus die Fähre nach Schweden genommen, im Februar noch 88, im März gar keiner mehr und im April bislang vier. Kein Vergleich zum Oktober 2015, als sich die Stadt plötzlich mit 2557 Transitflüchtlingen konfrontiert sah, die oft tagelang auf ein Fährticket warten mussten.

Nachdem in einer Nacht viele Flüchtlinge im Bahnhof gestrandet und nur von Privatpersonen versorgt worden waren, stellte die Stadt in einer Adhoc-Aktion den Ostseekai als Notquartier bereit und mietete dann für einen symbolischen Euro die Markthalle am Bootshafen an. Eine freiwillige Leistung, die mit der Hilfe von Feuerwehr, und Hilfsorganisationen und vielen freiwilligen Helfern funktionierte – bis die Schlafplätze nach einer Woche auch dort nicht mehr ausreichten: 850 Menschen standen vor der Markthalle.

Oberbürgermeister bat um Privatquartier

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer rief die Kieler auf, für eine Nacht Flüchtlinge aufzunehmen und ließ dann das leerstehende C&A-Gebäude nutzen. Als Schweden im November Grenzkontrollen einführte, verebbte der Zug der Transitflüchtlinge. Beide Notquartiere wurden aufgelöst und stattdessen drei Räume in der Jugendherberge bereitgestellt. „Die wurden zunächst auch gerne von Familien genutzt, aber dann kamen immer weniger“, sagt Helmut Behnke, „als Gäste sind uns diese Menschen aber weiter willkommen.“

Bei der Stadt bestätigt Joachim Kläschen, dass die wenigen Transitflüchtlinge, die noch kommen, ihre Übernachtung in der Jugendherberge oder einem Hotel nun selbst zahlen müssen. „Wir haben die freiwilligen Aufwendungen zurückgefahren, auch damit es keine Besserstellung gegenüber anderen Empfängern von Transferleistungen gibt.“ Insgesamt hat die Stadt mehr als 4017 Transitflüchtlinge untergebracht.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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