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Transitflüchtlinge in Kiel Die Kurve zeigt nach unten

Die am vergangenen Donnerstag an schwedischen Grenzen eingeführten Einreiseverschärfungen für Flüchtlinge haben zu einer Verlagerung von Flüchtlingsströmen geführt. Während in Kiel und Rostock deutlich weniger Transitflüchtlinge auf dem Weg nach Schweden gezählt wurden, stieg ihre Zahl in Flensburg deutlich an.

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Familie Amini aus Afghanistan hat es geschafft: Sie konnte Fährtickets von Kiel nach Schweden ergattern. Doch immer mehr Flüchtlinge wählen jetzt die Landroute über Flensburg.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Der Grund ist: Die Menschen versuchen nun auf dem Landweg über Dänemark nach Schweden zu gelangen. Diese Verlagerung spiegelt sich vor allem in steigenden Zahlen von Transitflüchtlingen in Flensburg wider. Nach Angaben des Sprechers der Flensburger Stadtverwaltung, Clemens Teschendorf, übernachteten am vergangenen Wochenende bis zu 500 Flüchtlinge in den dafür bereitgestellten zwei Sporthallen. Vor der Einreiseverschärfung in Schweden waren es im Schnitt nur um die 100.

Wie berichtet, müssen Flüchtlinge seit Donnerstag vergangener Woche Ausweisdokumente vorweisen, um Fährtickets Richtung Schweden zu erhalten. „Jetzt versuchen sie mit Zügen oder Bussen über Dänemark nach Schweden zu kommen, weil die dänische Polizei an der Grenze nach wie vor nur stichprobenartig kontrolliert“, erklärt Teschendorf.

Polizei und Helfer stellen keine Verschärfung fest

Diese Praxis bestätigt auch die Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt. Zudem habe Schweden bislang noch keine Flüchtlinge wieder zurückgeschickt. Am Wochenende seien aus dem skandinavischen Land etwa 30 Flüchtlinge freiwillig nach Deutschland zurückgekommen.

„Nach den Terroranschlägen in Paris können wir keine schärferen Polizeikontrollen in Dänemark oder Deutschland feststellen“, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation „Refugees Welcome – Flensburg“, Nicolas Jähring. Damit müsse jedoch in Zukunft gerechnet werden. „Wir hoffen aber, dass die Durchreise nach Schweden dennoch weiter gewährleistet ist.“

"Starke Entspannung" in Rostock

Trotz der starken Zunahme an Transitflüchtlingen ist die Lage in Flensburg nach Einschätzung des Stadt-Sprechers aber „immer noch übersichtlich“. Von einer „starken Entspannung“ der Situation in Rostock seit Einführung der Grenzkontrollen in Schweden berichtet der Sprecher der Hansestadt, Ulrich Kunze. Dort seien am Wochenende im Schnitt weniger als 100 Transitflüchtlinge gezählt worden, in Spitzenzeiten vergangener Wochen seien es an manchen Tagen mehr als 2100 gewesen. Aufgrund des starken Rückgangs könnten Flüchtlinge mit Ausweisen nun in der Regel noch am selben Tag auf Fähren nach Schweden weiterreisen, weil die Kapazitäten der Schiffe dafür jetzt ausreichten.

Auch in Kiel ging die Zahl der Transitflüchtlinge noch weiter zurück: von 169 in der Nacht zum vergangenen Sonnabend auf 137 in der Nacht zum Montag. Zuvor übernachteten zeitweise mehr als 800 Flüchtlinge in der Markthalle und im ehemaligen C&A-Gebäude. „Trotz des Rückgangs halten wir aber beide Unterkünfte weiterhin als Notquartiere bereit“, betonte Stadt-Sprecherin Annette Wiese-Krukowska.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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