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Jodel-Fieber auf dem Campus Kiel

Tratsch-App Jodel-Fieber auf dem Campus Kiel

Eine neue Tratsch-App fürs Smartphone erobert jetzt auch eine Uni-Stadt wie Kiel: Jodel nennt sich der kostenlose anonyme Messenger, der allerdings noch daran arbeitet, das Gesprächsniveau möglichst oberhalb der Gürtellinie zu halten.

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Ein beliebter Ort zum Jodeln: das Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Quelle: Martin Geist/Ulf Dahl

Kiel. „Seitdem ich freitags in die FH muss, finde ich Freitag scheiße“. Oder: „Wäre jetzt gerne in ’ner Vorlesung. Bei der Arbeit kann ich nicht aufs Handy schauen.“ Mit solchen Mitteilungen vertreiben sich Kieler Studenten seit einigen Monaten die Zeit. Sie jodeln. Nicht wortwörtlich, sondern über eine App mit dem Namen Jodel. Einen Messenger, der es möglich macht, sich anonym über Befindlichkeiten oder Neuigkeiten auszutauschen.

Die Idee zu der App hatte Alessio Avellan Borgmeyer. Inspiriert vom Erfolg anonymer Messenger wie Yik Yak in den USA und als Nachfolger der von ihm selbst programmierten App tellM platzierte Borgmeyer die App vor einem Jahr in den Appstores von Apple und Google. Mit Erfolg: Jodel verbreitet sich derzeit rasant an den Unis. Denn die Zielgruppe sind (noch) Studenten. Statt Liebeserklärungen oder studentische Weisheiten an Klowände zu schreiben, posten Studenten Sprüche und Fotos via Jodel. In einem Umkreis von zehn Kilometern – genutzt wird dazu der per GPS ermittelte Radius des Nutzersmartphones – können dann „Mitjodler“ die Inhalte lesen, bewerten und kommentieren.

Update soll bald kommen

„Unsere App soll vor allen Dingen Spaß machen und ist durch die Anonymität authentischer als andere Netzwerke“, sagt Alexander Linewitsch. Der 23-Jährige ist Produktmanager von des Berliner Start-ups und einer von sieben Festangestellten. Derzeit arbeitet Linewitsch an einem Update der bewusst einfach gehaltenen App. Viel über neue Inhalte will er nicht verraten: „Studenten sind eine homogene Zielgruppe. Da kann man aber noch tiefer graben, um spezielle Interessen maßgeschneidert sichtbar zu machen.“

Jodel in der Uni Kiel

Jodel in der Uni Kiel

Quelle: Ulf Dahl

Investoren, die an das Konzept von Jodel glauben, haben Risikokapital in die Berliner GmbH gesteckt. Langfristig muss damit Geld verdient werden. „Wir haben viele Ideen, lokale Werbung ist eine davon“, sagt Linewitsch. Momentan liege der Fokus aber ausschließlich auf der Weiterentwicklung von Jodel: „Wir probieren ganz viel aus.“ Sind beim Kurznachrichtendienst Twitter 140 Zeichen pro Nachricht möglich, können Jodels 100 Zeichen länger sein.

Die Anonymität hat auch Nachteile

Verbreitet ist der Messenger derzeit im deutschsprachigen Raum sowie in Dänemark, Schweden und Norwegen. „Überall dort, wo klassische Uni-Städte sind, wird Jodel schnell stärker. Das zeigt uns: Jodel ist ausbaufähig“, sagt Produktmanager Linewitsch. Negativer Effekt der anonymen Posts: An der Uni Göttingen wurde im Juli eine Dozentin sexuell belästigt: „Wer es schafft, die flachzulegen, bekommt den Bachelor geschenkt“, jodelte ein Nutzer. Die Uni stellte Strafanzeige.

„Daraus haben wir gelernt, Konsequenzen gezogen und unsere zehn Jodel-Gebote noch einmal verschärft“, sagt Linewitsch. Gehässige, fremdenfeindliche oder gewaltverherrlichende Posts würden nicht geduldet. Jodel sei kein Dark-Net, deshalb setze das Unternehmen zum einen stark auf die Community, die einen Beitrag abwerten („Downvotes“) und damit zum Verschwinden bringen kann. Zum anderen würden Moderatoren mit neuer Suchtechnik die Inhalte auf unerwünschte Inhalte hin überprüfen. „Die Stimmung auf Jodel soll gut sein, und nur guter Inhalt überlebt“, betont Linewitsch. Und das scheint zu funktionieren: Jodel ist augenscheinlich keine Hass-App. Die Zahl der originellen und zum Teil richtig lustigen Sprüche überwiegt. Fast wie damals an der Toilettenwand.

Die Jodel-App

Gegründet wurde die Jodel Venture GmbH mit Sitz in Berlin am 14. Oktober 2013. Seit dem 20. Oktober 2014 ist Jodel kostenlos im App Store und auf Google Play Store erhältlich. Über die erste Version der App konnte man Posts nur mit Telefonkontakten teilen. Ursprünglich sollte Jodel von Studenten vor allem zur Verbreitung von Veranstaltungen genutzt werden. Während ein Tweet bei Twitter nur 140 Zeichen umfasst, kann ein Jodel bis zu 240 Zeichen lang sein. In Deutschland gibt es etwa 900000 Nutzer.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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