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Flaschenpost kam an

Trauernde Kinder Flaschenpost kam an

Am 20. September fuhr eine Gruppe des Vereins Trauernde Kinder einen halben Tag mit dem Segelschiff „Thor Heyerdahl“ über die Ostsee. Ihre Wünsche, Sorgen, auch Bedrückendes, das sie loswerden wollten, schrieben die jungen Leute während des Törns auf kleine Zettel, steckten sie in eine Flaschenpost und übergaben ihre Botschaften dem Meer. Und siehe da, die Aktion war nicht vergeblich: Die Flaschenpost gelangte genau in die richtigen Hände.

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Knapp 30 Kinder und Jugendliche, die einen schweren Verlust erlitten haben, machten im September einen Törn mit der „Thor Heyerdahl“ – und verschickten eine Flaschenpost.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Hauptmann Lars-Oliver Johannsen vom Munitionsdepot Laboe entdeckte die Flasche der Kinder und Jugendlichen wenige Wochen später bei einem Kontrollgang am Strand, ärgerte sich zunächst, dass mal wieder achtlos weggeworfener Müll herumlag. Dann bückte er sich doch und erkannte, welch kleinen Schatz er gefunden hatte. Sofort dachte er an seine Mutter Ingrid, die nach dem Tod ihres Mannes in Pahlen im Kreis Dithmarschen ein Trauercafé gegründet hatte.

So gelangten die Botschaften aus Kiel schließlich Richtung Westen, wo sie ein bewegendes Echo auslösten. „Es war wirklich anrührend“, beschreibt Ingrid Johannsen die Reaktion der 14 Café-Mitglieder, als sie die Flasche öffneten. „Papa, wir vermissen Dich“, stand auf einem der 19 Zettel. „Du bist bei uns, ich spüre das“, auf einem anderen. Und auf einem weiteren Stück Papier war in aller Barschheit zu lesen: „Das ganze Leben ist scheiße.“

Gegenseitiger Besuch ist bereits geplant

Für die überwiegend erwachsenen und älteren Frauen und Männer aus Pahlen war es sofort klar: Sie wollten die jungen Leute aus Kiel mit ihren Gefühlen nicht allein lassen. Also schickten sie ihrerseits eine mit Zetteln gefüllte Flaschenpost nach Kiel; sicherheitshalber allerdings nicht über das Meer, sondern auf dem Postweg. „Liebe Weihnachtsgrüße und lange, lange Gesundheit“ wünschte eine Frau. Eine andere Trauernde schrieb in Anlehnung an einen Text Hermann van Veens: „Für meinen Sohn dauerte die Musik nur elf Jahre.“ Und sie beschrieb, wie ihre unendliche Trauer im Lauf der Zeit der Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag dieser kurzen gemeinsamen Zeit gewichen ist.

Dass das Trauercafé zudem spontan Geld sammelte und eine Spende von 280 Euro nach Kiel schickte, machte die Herzensaktion noch ein bisschen herzlicher. Und trug mit dazu bei, dass beide Seiten entschlossen sind, es nicht bei diesem Zufallskontakt zu belassen. Im kommenden Frühjahr will man sich besuchen – und dabei dann in aller Ruhe über weitere Formen eines dauerhaften Austausches nachdenken.

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