27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Vom Atelier zum Kulturzentrum

Traum GmbH Vom Atelier zum Kulturzentrum

Die ursprüngliche Eisengießerei am Grasweg ist vor 120 Jahren gebaut worden. Auch die Ursprünge der Traum GmbH in diesem Gebäude reichen mehr als 30 Jahre zurück. An einem großflächigen Bild, das von diesen Ursprüngen zeugt, ging diese Zeit nicht spurlos vorbei. Jetzt wird es restauriert.

Voriger Artikel
„Stena Scandinavica“ wieder mit Problemen
Nächster Artikel
Die Klappe ist ein Durchbruch

Josefine Günther von der Traum GmbH und Restaurator Peter von Gradolewski haben das Krollsche Bild abgehängt.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Irgendwie anders kommt es so manchem Gast in diesen Tagen vor, wenn er das Trauma-Restaurant betritt. Längst nicht alle können allerdings benennen, was genau denn anders ist. Dabei ist es zumindest dann ganz klar, wenn man drauf hingewiesen wird. „Ach ja, da war ja was“, heißt es sogleich. Gleich rechts vom Eingang, vor einem nur provisorisch abgedeckten Fenster, befindet sich eigentlich ein Bild, das schon wegen seiner beträchtlichen Dimension von zwei mal drei Metern ein echter Hingucker ist.

Verträumt, nachdenklich und zugleich optimistisch blicken darauf drei maritim gewandete junge Erwachsene vor sich hin und wohl auch ihrer Zukunft entgegen. „Das ganze Bild strahlt Ruhe aus“, findet Josefine Günther, die gemeinsam mit ihrer Schwester und Geschäftsführerin Johanna in die Fußstapfen von Vater und Trauma-Gründer Karl-Hermann Günther getreten ist.

Rauch legte einen Schleier auf das Bild

Arg nachgelassen hat freilich die Strahlkraft der Farben des Bildes. Drei Jahrzehnte über lange Zeit hinweg rauchgeschwängerte Kneipenluft haben ihm einen gründlichen Grauschleier auferlegt, auch der zugige Platz am ehemaligen Fenster tat dem Werk nicht gerade gut. „Erst einmal ist eine gründliche Reinigung nötig“, befindet Peter von Gradolewski, auf Bilder spezialisierter Restaurator im Restaurierungszentrum Kiel. Nötig sein könnte außerdem eine Rückenverstärkung und auch eine Nachjustierung der schwach gewordenen Spannung der Leinwand. Alles in allem ist das aus Sicht der Experten aus der Gaardener Kaiserstraße keine Tragödie. Nach der Restaurierung werde das Bild an seinem dann ordentlich zugemauerten Fensterplatz noch lange Zeit zur Verschönerung des Trauma-Restaurants beitragen, versichert er.

Was auch aus historischen Gründen wünschenswert ist. Schließlich erinnert das 1984 von Detlef Kroll gemalte Bild an die ganz frühe Zeit dieses soziokulturellen Zentrums. Karl-Hermann Günther hatte just in jenem Jahr die in den 1960er-Jahren zur Saatfabrik gewordene Gießerei entdeckt und sich auf Anhieb in das Haus verliebt. Livemusik, Disco, Theater, politische Diskussionen, Gastronomie – all das sollte in dem leerstehenden Gebäude einen Platz finden.

Kieler Nachrichten erfanden den Namen

Die Tragfähigkeit dieser Idee bewies sich zunächst auf Privatpartys, die riesigen Zulauf fanden und bald auch das Interesse der Kieler Nachrichten weckten. „Im Grasweg entsteht eine Traumfabrik“, titelte diese Zeitung. Und erfand damit den ersten Namen des Kulturzentrums, das sich nach einem langwierigen Rechtsstreit davon trennen musste und seither Traum GmbH heißt.

Langwierig gestaltete sich am Anfang überhaupt alles. 1,5 Millionen Mark hatte Günther in seinen Traum von der Traumfabrik bereits investiert, da blockierte ein um seine Ruhe fürchtender Anwohner das Vorhaben. Es folgten Jahre währende juristische Scharmützel, die zum Politikum wurden. Und es folgte Günthers Idee, die Traumfabrik in der Zwischenzeit zum Atelier für Künstler zu machen. Einer von ihnen war Detlef Kroll, der sein Großgemälde wohl 1984 und 1985 stiftete und dessen Spuren sich danach Richtung Berlin verlieren.

Gewiss ist aber, dass Krolls maritimes Trio bald wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren wird. Bereits im Januar soll es wieder die Traum GmbH zieren, die nach allerlei überstandenen Prozessen und politischen Abstimmungen im Jahr 1987 doch noch zum Kulturzentrum werden durfte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Musik-Kneipe Prinz Willy
Foto: Gemütlich hat er es hier: Jörg Wentorf ist Prinz Willy in seinem eigenen Musik-Café.

Prinz Willy – bei dem Namen denken die Menschen in Kiel nicht an irgendeinen Monarchen, sondern vor allem an Musik. Denn in dem kleinen Lokal in der Lutherstraße, das diesen Namen trägt, stehen pro Jahr mehr als 200 Musiker auf der Bühne. Dabei war es für seinen Inhaber zunächst eigentlich ein Kunstprojekt.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3