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Trotz DNA-Test keine Krankenversicherung

Melika aus Kiel Trotz DNA-Test keine Krankenversicherung

Der Kampf der elfjährigen Melika um eine reguläre Krankenversicherung geht in die nächste Runde. Zwar hat ein DNA-Test inzwischen ihre Abstammung geklärt – geholfen hat das jedoch nichts.

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Anwältin Faegheh Alizadeh-Aghdam (Mitte) versteht nicht, wieso die AOK Melika (l.) nicht über Maryam Rezai mitversichert.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Der Krankenkasse genügt dieser Nachweis nicht. Die Schülerin wird weiter zwischen den beteiligten Parteien hin- und hergeschoben.

 Melika ist 2011 mit ihrer Mutter aus dem Iran geflüchtet, lebt seit 2012 in Kiel und wurde Ende 2014 als Flüchtling anerkannt. Seither kämpft sie darum, wie andere Kinder über die Familienversicherung bei ihrer Mutter krankenversichert zu werden. Doch die AOK Nordwest lehnte dies ab: Es sei nicht sicher, dass Melika die leibliche Tochter von Maryam Rezai sei. Schließlich könne keine Geburtsurkunde vorgelegt werden. Melika, so versichert ihre Mutter, hatte solch eine Urkunde aber nie: Als afghanische Staatsangehörige wurde sie im Iran geboren – und dieser Minderheit werden grundsätzlich keine amtlichen Urkunden ausgestellt. Dies bestätigt Rechtsanwältin Faegheh Alizadeh-Aghdam, die selbst aus dem Iran stammt. Die Folge: Seit sechs Monaten werden Mutter und Tochter zwischen der Krankenkasse und dem Jobcenter hin- und herschoben.

 Doch Melika benötigte dringend ärztliche Behandlung und eine neue Brille. Erst als die Anwältin sich ans Sozialgericht wendete, bekam sie eine vorläufige Pflichtversicherung. Nur damit konnte Melika kürzlich an einer Klassenfahrt teilnehmen. Als die Kieler Nachrichten Anfang Juli darüber berichteten, boten sofort zahlreiche Privatpersonen, Ärzte und Optiker Hilfe, Labore kostenlose DNA-Tests an. Melika und ihre Mutter ließen daraufhin umgehend einen Abstammungstest machen. Das Ergebnis ist positiv: Melika ist das leibliche Kind von Maryam Rezai.

 Doch der AOK Nordwest reicht auch dieser Abstammungsnachweis nicht. Die Mutter müsse mit dem Abstammungsgutachten zum Standesamt gehen und Melika in das Geburtsregister eintragen lassen. Erst dann sei nach den Statuten der AOK eine Krankenversicherung möglich. Doch beim Standesamt heißt es: Für den Eintrag ins Geburtsregister reicht der Abstammungsnachweis nicht, weil er nichts über Geburtstag und -ort aussagt. Gebe es dafür keine Nachweise, könne nur ein Gericht über eine solche Eintragung entscheiden. Der Ausgang sei dabei ungewiss.

 Beim Jobcenter versichert Gerald Weber, dass man gerne zu einer schnellen Lösung beitragen möchte. „Die Klärung der Frage, ob Melika über ihre Mutter familienversichert werden kann, obliegt jedoch ausschließlich der zuständigen Krankenkasse, der AOK.“ Damit ist Melika im Prinzip wieder da, wo das ganze Hin und Her vor sechs Monaten begonnen hat. Die Pflichtversicherung, die ihr zurzeit wenigstens ein paar Wochen lang Schutz bietet, läuft am 31. Juli aus. Danach steht die Elfjährige wohl wieder ohne jede Krankenversicherung da.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Verloren im Behörden-Dschungel fühlen sich Melika und Maryam Rezai, hier mit ihrer Rechtsanwältin Faeghen Alizadeh-Aghdame.

Die Geschichte der elfjährigen Melika, die seit fünf Monaten vergeblich um eine Krankenversicherung kämpft, hat Empörung, massive Kritik, aber auch eine ungeahnte Hilfsbereitschaft ausgelöst. Der Kinderschutzbund fordert eine Gesundheitskarte für alle Kinder: „Es kann nicht sein, dass Kinder wie Melika Opfer der Bürokratie werden“, kritisiert die Landesvorsitzende Irene Johns.

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