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Kiel hält Kurs auf Olympia

Trotz Hamburger Zweifel Kiel hält Kurs auf Olympia

Die Gegner Olympischer Spiele an Elbe und Förde bekommen unerwarteten Rückenwind: Der Hamburger Rechnungshof warnt in einem internen Dokument vor Kostenrisiken und stellt den Zeitpunkt der geplanten Bürgerbefragung im November infrage.

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So könnte Hamburgs Olympiastadion 2024 aussehen.

Quelle: dpa; KCAP, Kunst + Herbert

Kiel/Hamburg. Die Stadt Kiel – wo im Fall einer erfolgreichen Hamburger Bewerbung 2024 die Segelregatten ausgetragen werden sollen – will am 17. September im Rathaus eine Machbarkeitsstudie vorstellen.

 Was kosten die Olympischen Spiele im Norden und ist das Sport-Spektakel diesen Einsatz wert? Die Gegner der deutschen Olympiabewerbung vermuten seit langem, dass die Rechnung nicht aufgeht. So fordert die Linke an der Spitze der Initiative „Nolympia“ eine „zeitnahe und realistische Auflistung aller Kosten für die Allgemeinheit“ und fürchtet ein „extremes Kostenrisiko“. Die Kritiker sehen sich jetzt bestätigt: Denn der Hamburger Rechnungshof sieht nach einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ in einem internen Prüfentwurf finanzielle Risiken und zieht an mehreren Stellen des Prüfberichts den Vergleich mit der Elbphilharmonie. Es bestünden „erhebliche Planungsrisiken und Kostensteigerungsrisiken“. Kritisiert wird zudem der frühe Termin des Hamburger Referendums am 29. November. Zu diesem Zeitpunkt gebe es „noch keine abgeschlossenen Bedarfsplanungen“ und keine „angemessene Kosten-Nutzen-Untersuchung“. Die Behörde wollte das 55-seitige Dokument nicht kommentieren. Der Bericht sei in einem sehr frühen Stadium und nicht in seiner endgültigen Fassung an die Öffentlichkeit gelangt, hieß es.

 Olympia-Gegner im Norden zeigten sich am Freitag überrascht und erfreut: „Die Einschätzung des Hamburger Rechnungshofes ist bemerkenswert und ein Indiz dafür, dass unsere Kritik nicht von ungefähr kommt“, sagte Marco Höne, Geschäftsführer der Linken in Schleswig-Holstein. Er verstehe die Begeisterung für Olympia. Doch die Erfahrung habe gezeigt, dass die Spiele meist mehr kosteten als geplant. „Olympia muss man sich auch leisten können.“ Und: Die Bürger sollten erst abstimmen, wenn sie die Zahlen kennen, fordert auch Höne. Auch in Kiel ist im November ein Bürgerentscheid geplant. Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel, die kräftig für die Segelwettbewerbe 2024 trommelt, verweist auf die positiven Effekte Olympischer Spiele. „Nichts auf der Welt ist umsonst. Jedoch gibt es gute Beispiele dafür, dass ein Standort langfristig von den Spielen profitieren kann. Hier sind London und Barcelona zu nennen“, betonte IHK-Sprecher Michael Legband. Zudem sei es „unseriös“, zum jetzigen Zeitpunkt mehr als eine Kostenschätzung abzugeben.

 Kiel arbeite derzeit an den Planungen, die bei der nächsten Ratsversammlung präsentiert werden sollen, sagte Stadtsprecher Arne Ivers. „Die Kosten und die Frage, wer welche übernimmt, wird zentral für die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger sein.“ Es sei der Stadt „ein großes Anliegen, so früh wie möglich fundiert zu berichten“, so Ivers.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Das Papier der Hamburger Rechnungsprüfer hat es in sich. Erstmals betrachtet eine Behörde darin nüchtern und ohne Euphorie das Thema Olympische Spiele und ihre Kosten. Und auch, wenn sich die Rechnungsprüfer am Freitag in einer Pressemitteilung zerknirscht zeigten, dass ihr Bericht zu früh öffentlich wurde: Sie haben den Finger zur richtigen Zeit in die Wunde gelegt.

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