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Heraus aus der Defensive

TuS Holtenau Heraus aus der Defensive

Menschen mit und ohne Behinderung treiben gemeinsam Sport – das ist ein Grundgedanke der Inklusion im Sport. In einigen Kieler Vereinen klappt dieser Zusammenschluss bereits.

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Ein Bild für Inklusion im Sport: Daniel Muth, Andre Bendschneider und Johannes Howe (von links) gehen gemeinsam auf Korbjagd.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Doch häufig stehen Berührungsängste und das Gefühl der Überforderung den Verantwortlichen im Weg. Um diese Hürden zu nehmen, lud der TuS Holtenau am Freitag im RBZ Wirtschaft Vertreter von Stadt, Institutionen und Vereinen zur Fachveranstaltung „Perspektiven des inklusiven Sports für Kieler Sportvereine – Teilhabe stärken“ ein. Das Ziel: Strukturen und Kooperationen aufbauen.

Ob die inklusive Paddelgruppe beim Kieler Kanu-Klub oder ein erfolgreicher Judoka beim TSV Klausdorf: es gibt Kieler Beispiele für Inklusion im Sport. Doch die flächendeckende Entwicklung bezeichnet Klaus Rienecker, Inklusionsbeauftragter des Landessportverbandes Schleswig-Holstein (LSV), als „schleppend“. Häufig hänge das Engagement in Vereinen an Einzelpersonen. Zudem bestehe bei vielen Vereinen die Grundhaltung, „dass alle mitmachen können“, erläutert Rienecker. „Die Vereine warten dann, dass die angesprochenen Menschen kommen. Aber die haben häufig Ausgrenzung in ihrem Leben erfahren und machen diesen Schritt nicht. Wir müssen die Tür nicht nur aufmachen, sondern die Menschen auch aus ihrem sicheren Umfeld abholen“, erklärt Rienecker. „Kiel kann ein gutes Vorbild sein. Denn hier herrscht eine mehr als offene Haltung“, erzählt der Inklusionsbeauftragte. Ideal wäre zudem, wenn die bestehenden Sportangebote der Werkstätten für Menschen mit Behinderung in den Vereinen Platz fänden, sagt Rienecker.

Basketballmannschaft sucht Partner

Diesen Übergang auf dem Weg zur Inklusion möchte Jens Meier, Übungsleiter im Eiderheim, schaffen. „Das wäre ein logischer Schritt, um mal etwas weiter zu kommen“, sagt er. Seine Basketballmannschaft des Eiderheims ist amtierender Landesmeister und auf der Suche nach einem Partnerverein im Kieler Raum. „Wir wollen eine feste Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung etablieren, die zu einer festen Trainingszeit gemeinsam spielt“, erklärt Meier. Häufig wüssten die Vereine nicht, dass die Werkstätten über eine feste Struktur im Sportbereich und hauptamtliche Trainer verfügen, erläutert Meier. „Das Know-how ist vorhanden, und es gibt Ansprechpartner. Wir haben in den letzten Jahren viel miteinander gesprochen. Ich würde mir wünschen, dass wir im Kieler Raum mal ein paar konkrete Sachen anschieben“, sagt er.

Dieses Ziel hat auch Gerd Neuner, stellvertretender Vorsitzender des TuS Holtenau. Er initiierte vor knapp zwei Jahren das Projekt „InTuS – miteinander. sportlich.“ und möchte mit diesem den Inklusionsgedanken weiter vorantreiben. Vor zwei Jahren initiierte das Projektteam den ersten bundesweiten Inklusiv-Schau-Wettkampf mit Wettbewerben in Rollstuhlbasketball, Goalball oder Tischtennis. 2015 folgte ein Goalball-Turnier mit verschiedenen Vereinen aus dem Norden. Die Holtenauer kooperieren mittlerweile auch mit dem Malmöer Sportverein FIFH und profitieren von vielfältigen Praxiserfahrungen der Schweden. „Die Skandinavier sind besser davor, auch was das Finanzielle angeht“, sagt Neuner, dem es ein Anliegen ist, die möglichen Fördermittel für Inklusionsangebote besser auszunutzen. Mit Unterstützung der Stadt und des LSV baut der TuS Holtenau gerade eine alte Kegelbahn auf dem Vereinsgelände zu einer barrierefreien Turnhalle um. Dort soll dann unter anderem die vereinseigene Goalball-Gruppe trainieren, die der Verein aufbauen will. Neuner möchte in Zukunft vielfältige Angebote schaffen. „Wir müssen Inklusion breit verstehen und zum Beispiel auch Geflüchtete mit ins Boot holen. Wenn es gelingen soll, in zwanzig Jahren noch einen Breitensport wie heute anbieten zu können, müssen wir neue Bausteine entwickeln“, erläutert Neuner und setzt dabei vor allem auf die Kooperation der Vereine untereinander.

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