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Motor der Integration an zentraler Stelle

Türkische Gemeinde Motor der Integration an zentraler Stelle

Neun Monate braucht gewöhnlich jedes Baby bis zum ersten Erdenschrei. Und ziemlich genau neun Monate brauchte auch die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein, ehe ihr neues „Baby“ am Vinetaplatz weit genug für eine offizielle Einweihung war.

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So ist das in diesen Zeiten. Die SPD-Landtagsabgeordnete Serpil Midyatli ist seit Jahren Mitglied der Türkischen Gemeinde und inzwischen auch stellvertretende Vorsitzende des Heimatbunds Schleswig-Holstein.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. Das hat allerdings nicht allein mit den üblichen Begleiterscheinungen eines Umzugs zu tun. Aus beengten Räumen in der alten Fröbelschule ging es auf den Vinetaplatz ins 900 Quadratmeter große Haus, das bis zum Frühsommer 2015 die AOK genutzt hatte: Das bedeutete zu Jahresbeginn für den Verein fast einen Quantensprung – und die Aufgabe, den zusätzlichen Platz mit Leben zu füllen. Etliche neue Projekte in der Berufsförderung, der Sprachbildung und im kulturellen Bereich sind seither tatsächlich dazugekommen. Die Zahl der Beschäftigten hat sich nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Cebel Kücükkaraca in dieser Zeit von zehn auf 30 verdreifacht.

„Das zeigt zum einen die hohe Nachfrage nach unseren Angeboten, zum anderen auch, wie groß die Bedarfe sind“, so Kücükkaraca, aus dessen Sicht der Umzug auf den Vinetaplatz zusätzlich befruchtend wirkt. Man sei „dichter an den Herausforderungen dran“, könne zugleich besser „Sprachrohr für die Menschen sein“.

Gratuliert haben am Mittwochnachmittag zur Eröffnungsfeier viele Prominente. Landtags-Vizepräsident und Ostufer-Abgeordneter Bernd Heinemann (SPD) bezeichnete es als mustergültig, wie offen die Türkische Gemeinde für Zusammenarbeit und Dialog ist. Und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) würdigte den Verein, der dieses Jahr auch sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hatte, als „ganz, ganz wichtigen Garanten“ für gelingende Integrationsarbeit.

Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler beschrieb die Türkische Gemeinde als „geschätzte Partnerin der Landesregierung in allen Fragen der Zuwanderung und Integration“. Was sich unter anderem daran zeigt, dass die Organisation neuerdings in die vom Land finanzierte Migrationsberatung eingestiegen ist. Eine halbe Stelle dafür gibt es in Kiel, eine ganze in Lübeck. Für den Stadtteil Gaarden ist die Präsenz der Türkischen Gemeinde insgesamt von einiger Bedeutung. Groß waren die Sorgen, dass das traditionsreiche ehemalige Kaufhaus Stahl & Stiller nach dem Rückzug der Krankenkasse einen langen Leerstand erleben würde. Dank der Vermittlungsdienste des Wirtschaftsbüros Gaarden gelang es dann aber, das Haus fast nahtlos weiter in Betrieb zu halten.

Wobei der Betrieb sogar auf deutlich höheren Touren läuft als früher. Vom Bauchtanz- über den Saz-Kursus bis zur Trommelgruppe reicht die Palette der kulturellen Betätigungen. Spezielle Projekte richten sich an Langzeitarbeitslose oder Mütter mit Migrationsgeschichte, und immer wieder ist das Gebäude in der Elisabethstraße 59 Treffpunkt für Initiativen wie den Kultur- und Kreativrat Gaarden. Längst, so freut sich OB Kämpfer, versteht sich der Verein dabei nicht mehr allein als Interessenvertretung der türkischstämmigen Kieler. Er habe sich zur authentischen Stimme für vielleicht nicht alle, aber viele Einwohner mit Wurzeln in anderen Ländern gewandelt.

Durchaus beherzt steht die Türkische Gemeinde übrigens auch für den eigenen Stadtteil ein. Dieses Jahr ist sie zum zweiten Mal für die Gaardener Winterbeleuchtung in der Elisabethstraße verantwortlich. Und das Wort Winterbeleuchtung hat dabei nichts mit dem Streben nach politischer Korrektheit zu tun, sondern mit dem schlichten Fakt, dass der helle Schein bis in den Februar hinein den Stadtteil erfüllt.

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