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Nachwuchspflege über den Glocken

Turmfalken in St. Nikolai Nachwuchspflege über den Glocken

In der Kieler St. Nikolaikirche ist, wie schon die Jahre zuvor, wieder ein Turmfalkenpaar im Nistkasten zum Brüten eingezogen. Elvira und Felix, wie Pastor Matthias Wünsche sein Gäste getauft hat, dürfen sich zwar über flauschigen Nachwuchs freuen, doch diesmal wird es wohl bei einem Küken bleiben.

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Blick ins Nest: Neben Elvira sind auf dieser Aufnahme auch die Eier zu erkennen, um die sich der Vogel nicht mehr mit allzu viel Leidenschaft kümmert. Wahrscheinlich sind diese gar nicht befruchtet worden.

Quelle: Screenshot Webcam

Kiel. Zu beobachten ist das Treiben der Turmfalkenfamilie rund um die Uhr über eine Webcam. Insgesamt sechs Eier hat Elvira ins Nest gelegt. Von den zwei in der vergangenen Woche geschlüpften Küken, ist bereits eines gestorben. Sekretärin Angela Zühlke geht davon aus, dass die anderen Eier nicht befruchtet worden sind. „Sonst wären die Küken schon geschlüpft“, sagt sie. Außerdem hat sie beobachtet, dass Elvira die Eier nur noch hin und her schiebe, und sich nicht mehr richtig um sie bemühe.

Der Nistplatz im 74 Meter hohen Turm ist einer Kieler Pfadfindergruppe zu verdanken. Vor einigen Jahren zog es sie hoch hinaus. Nach der Turmbesichtigung meinte der Gruppenleiter zu Matthias Wünsche: „Wissen Sie eigentlich, dass Sie da oben einen Turmfalkenkasten stehen haben?“ Wusste er nicht. Nachforschungen ergaben, dass es sich lediglich um ein mit einem Stein verschlossenes Einflugloch handelte. Damit war bei den Pfadfindern aber die Idee zu einem Projekt Turmkastenbau geboren. Dieses wurde dann gegen eine kleine Aufwandsentschädigung umgesetzt. Kielmonitor stiftete eine Webcam, und seitdem kann man jedes Jahr die Turmfalken beim Brüten beobachten.

Die Namen kamen ihm einfach so in den Kopf

Im Jahr 2011 bekam Matthias Wünsche das erste Mal Besuch von dem Turmfalkenpaar. Seitdem steigen sie ihm jedes Jahr aufs Dach – bis auf 2014 auch immer mit Bruterfolg. Die Namen für das Turmfalkenpaar schossen ihm einfach so durch den Kopf. Auch wenn er davon ausgeht, dass es sich seit zwei Jahren um ein neues Paar handelt, heißen sie weiter Elvira und Felix. Beide haben offenbar kein Problem mit Lärm. Denn der Nistkasten befindet sich auf etwa 50 Metern Höhe direkt über den Glocken der Nikolaikirche. Auch die Turmführungen irritieren die Turmfalken-Familie nicht. „Felix sieht man allerdings selten“, sagt Angela Zühlke, die mit ihren Kollegen immer ein Auge auf die Vögel hat. „Ab und zu löst er Elvira beim Brüten ab, damit sie etwas trinken kann.“ Natürlich kümmert er sich auch ums Essen, das Elvira dann dem Küken vorkaut. Erst gestern brachte er eine Ratte mit ins Nest.

Auch der Rathausturm wäre interessant

Turmfalken bevorzugen hochgelegene Brutplätze. Auf diese Vorliebe lässt sich vermutlich der Name zurückzuführen. Folglich ist auch der Rathausturm als Nistplatz interessant. In den vergangenen Jahren ist dieser tatsächlich Heimstätte für Turmfalken gewesen, teilweise auch mit Bruterfolg. In diesem Jahr allerdings scheint ein Wanderfalke dies zu verhindern. Annette Wiese-Krukowska, Sprecherin der Stadt Kiel, bestätigte, dass es mehrere Hinweise auf einen Wanderfalken im Rathausturm gegeben hätte. „Wir gehen diesen nach.“ Der Landesartenschutzbeauftragte soll nun klären, ob es sich tatsächlich um einen Wanderfalken handelt.

Da diese Vogelart als besonders schützenswert gelte – in den 70er-Jahren stand der Wanderfalke in Deutschland durch das Insektizid DDT und andere Pestizide kurz vor dem Aussterben – müssten dann gegebenenfalls Maßnahmen erfolgen, hieß es aus dem Rathaus. Im schlimmsten Fall, könnte es dazu führen, dass die Turmfahrten zur Kieler Woche eingestellt werden müssten.

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