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Ferahs Familie bittet Kieler um Hilfe

Typisierungsaktion Ferahs Familie bittet Kieler um Hilfe

Eine im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlose Hilfsaktion plant die Familie der kleinen Ferah. Das 18 Monate alte Mädchen lebt in der türkischen Metropole Istanbul und kämpft um sein Leben. Dass eine Typisierungsaktion Erfolg bringt zeigt die Geschichte des Kielers Felix Martey Seth.

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Quelle: DKMS

Kiel. Ferah hat Blutkrebs und braucht dringend eine passende Stammzellenspende. Und sie hat viele Verwandte und Freunde in Kiel, die am Sonntag, 14. Februar, zu einer Registrierungsaktion im Stadtteil Gaarden aufrufen. Organisatorin der Aktion ist Ferahs Tante, Sevtap Karakus, die darauf hofft, dass möglichst viele Kieler mitmachen. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Ulf Kämpfer übernommen. „Diese Krankheit kann jeden treffen“, sagte Kämpfer. Er appelliert an alle Kieler: „Lassen Sie sich als Stammzellenspender registrieren.“

Unterstützt wird die Aktion auch von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die dabei nicht nur an Ferahs Schicksal denkt, sondern auch an andere Patienten weltweit, deren Chance auf eine passende Stammzellenspende mit jeder Registrierung größer wird. „Die Suche ist deshalb so schwer, weil noch immer viel zu wenige Stammzellenspender zur Verfügung stehen“, betonte Demet Kaygusuz von der DKMS. Bisher war die weltweite Suche nach einem Spender für die kleine Ferah erfolglos. Die Mutter ist verzweifelt und bittet die Kieler um Hilfe. „Meine Tochter soll spielen, lachen und einfach nur glücklich sein.“ Wer sich registrieren lassen möchte, sollte gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt sein. Zur Bestimmung der Gewebemerkmale werden fünf Milliliter Blut abgenommen.

Felix aus Kiel hat die Spende geholfen

Dass Typisierung und Spende helfen können beweist Felix Martey Seth: Im Januar vor zwei Jahren erhielt der Kieler die Schreckensdiagnose Leukämie. Der damals 20-Jährige war gerade im ersten Semester, als der Blutkrebs sein Leben auf den Kopf stellte. Mit der Diagnose und den Chemotherapien begann die Suche nach einem passenden Blutspender. Die Bereitschaft der Kieler Bevölkerung, ihn dabei zu unterstützen, war riesig: Bei einer von der Familie, Freunden und Schule organisierten Aktion in Kiel ließen sich 3777 Menschen bei der DKMS registrieren. Auch bundesweit starteten Aktionen, sogar im Ausland wurde gesucht. Erfolgreich: In den USA wurde eine Frau gefunden, deren Gewebemerkmale zu 90 Prozent mit seinen übereinstimmten. Im August 2014 bekam er im Mildred-Scheel-Haus in Kiel, die Stammzellen transplantiert.

Felix Seth, Foto: Karina Dreyer

Felix Seth, Foto: Karina Dreyer

Quelle:

Und heute? Wie geht es Felix? „Gut, ich habe normalen Uni-Stress und muss einmal im Monat zur Untersuchung und Impfung“, berichtet der 22-Jährige. Er darf alles essen, die Haare sind wieder gewachsen, nur mit dem Sport darf er es nicht übertreiben. „Ich habe nie daran gezweifelt, es zu schaffen. Das alles gehört zu mir und meiner Geschichte, nur lebe ich jetzt bedachter“, sagt er. Damals hatte Felix den Wunsch, mit seiner Tante nach England zu fahren, das hat er 2015 realisiert. Anfangs war es ihm unangenehm, dass so viel über ihn berichtet wurde. Heute weiß er, wie wichtig das war und wie sehr es ihm geholfen hat. „Es gibt noch viele, die als Spender infrage kämen“, sagt er. Man solle die Ruhe bewahren und immer an sich glauben. „Denn die Medizin ist schon weit und die Klinik hier in Kiel echt gut.“ Der kleinen Ferah wünscht er alles Gute und den Verwandten viel Kraft.

So werden Sie Stammzellenspender

In Deutschland gibt es rund 30 verschiedene Spenderkarteien, in denen man sich als Stammzellenspender registrieren lassen kann. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist mit rund sechs Millionen registrierten Spendern die weltweit größte. Wer sich als Spender registrieren lassen möchte, kann das direkt bei den Organisationen oder bei einzelnen Aktionen tun. Auch online gibt es Formulare zum Herunterladen, mit denen man ein Registrierungsset beantragen oder auch direkt zum Hausarzt gehen kann. Dieser nimmt Blut ab und leitet es zur Typisierung an die DKMS weiter. Eine Typisierung kostet 40 Euro. Die Kosten werden von den Krankenkassen nur dann übernommen, wenn sie im Zusammenhang mit einer Behandlung entstehen. Nach Typisierung, Gesundheits-Check und Vorbereitung folgt die eigentliche Spende - entweder als periphere Spende, bei der Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert werden, oder als Knochenmarkspende, bei der die Zellen unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen entnommen werden.

Von Carola Jeschke und Karina Dreyer

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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