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UKSH bleibt dabei: Kein Bett für Michelangelo

Kinderintensivstation UKSH bleibt dabei: Kein Bett für Michelangelo

Die Bemühungen, den lebensbedrohlich erkrankten sechsjährigen Michelangelo, der auf der Kinderintensivstation der Berliner Charité im künstlichen Koma liegt, ins UKSH Kiel zu verlegen, gehen weiter.

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Vor seiner plötzlichen Erkrankung war Michelangelo ein lebhafter Junge. Am UKSH könnte dem Jungen nach Expertenmeinung am besten geholfen werden. Doch es ist kein Bett für ihn frei.

Quelle: hfr

Kiel/Berlin. Dass die Zeit drängt, verdeutlichte am Telefon die Reha-Beraterin von Michelangelos Mutter, Martina Kleinfeldt. „Je früher die Therapie beginnt, desto leichter wird Michelangelo aus dem Krampfstatus kommen. Jeder weitere Tag mit schweren Krämpfen im künstlichen Koma schädigt sein Gehirn.“ Kleinfeldts eigener Sohn war 2003 einer der ersten FIRES-Patienten. Seitdem befasst sie sich auch beruflich mit der seltenen Krankheit. Ihr Sohn starb 2011 nach über sieben Jahren Wachkoma. Keiner wisse, wie FIRES ausgehe.

 Michelangelo hatte nach einem fieberhaften Infekt unmittelbar vor den Sommerferien plötzlich epileptische Anfälle erlitten. Die Hoffnungen der Familie ruhen inzwischen ganz auf Kiel. Denn anerkannter Spezialist für diese seltene Erkrankung, die er im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit bereits 2008 als FIRES beschrieb (Febrile Infection-Related Epilepsy Syndrome), ist der an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II tätige Neuropädiater Priv.-Doz. Dr. Andreas van Baalen.

TK würde schnellen Transport gewährleisten

 Michelangelos Mutter, die Ärzte in Berlin und van Baalen befürworten eine Verlegung des Jungen nach Kiel. Die Techniker Krankenkasse würde den schnellen Transport gewährleisten. Aber die Kinderintensivstation des UKSH Kiel lehnt mit Hinweis auf Kapazitätsengpässe die Aufnahme bisher ab. Für die Angehörigen ist das unverständlich. „Es gibt die Zusage der Charité, Campus Virchow, wo der kleine Kämpfer derzeit liegt, auf die Rücknahme des Jungen, falls doch keine erfolgreiche Behandlung möglich ist. Wo also ist das Problem?“ fragte am Montag in einer Mail an die Redaktion der Großvater des Jungen.

 Die Antwort des UKSH bleibt dieselbe wie bisher: Es sei kein Bett in der interdisziplinären Kinderintensivstation frei, die seit 2004 der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie untersteht. Die Dauer der Belegung eines Kinderintensivbettes liege nach den Worten von UKSH-Sprecher Oliver Grieve „2016 zwischen einem halben Tag und 178 Tagen“. Werde ein Bett frei, könne es „sofort“ neu vergeben werden. Hoffnungen für Michelangelo macht Grieve nicht. Über die Belegung entscheiden „die ärztlichen Leitungen der pädiatrischen Intensivstation“. Kriterien seien „ausschließlich medizinische Gründe“.

 Wie eng die personelle Lage ist, zeigte sich erst vergangenen Woche, als sich die Kinderintensivstation von Donnerstag, 9 Uhr, bis Freitag, 9 Uhr, bei der Regionalleitstelle in Kiel abmeldete, die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I sogar von Donnerstag, 9 Uhr, bis Freitag, 12 Uhr. „Dies geschieht aufgrund der bundesweit knappen intensivpflegerischen Situation nicht selten“, erklärt Grieve.

Motivierte Kräfte gingen verloren

 „Dass kein Nachwuchs zu finden ist und vor allem qualifiziertes Pflegepersonal rar ist, stimmt so nicht“, schrieb dagegen die Angehörige einer ehemaligen Intensiv-Kinderkrankenschwester des UKSH in einer Mail. „Ich habe miterlebt, wie die DRK-Schwesternschaft am UKSH um ihre Jobs gekämpft und verloren hat.“ Nachdem das UKSH den DRK-Gestellungsvertrag gekündigt hatte, seien viele „hochqualifizierte, gut ausgebildete und hoch motivierte“ Kräfte verloren gegangen.

 Für ideal halten Pädiater einen Personalschlüssel von 1:1, also eine Intensivpflegekraft pro junger Patient. Um eine 24-Stunden-Behandlung zu sichern, wären dann fünf Intensivpflegekräfte pro Bett erforderlich, um Krankheit, Fortbildung, Urlaub zu kompensieren. „Es gibt keine gesetzlichen Personalschlüssel für die Kinder-Intensivpflege“, erklärt Grieve. „Am UKSH versorgt eine Intensivpflegekraft zwei Kinder, bei Engpässen drei. Am Campus Kiel stehen 35 besetzte Stellen für zwölf Intensivbetten zur Verfügung.“

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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Der Fall des Jungen, der in Kiel eine bestmögliche Therapie erhalten könnte, aber nicht nach Schleswig-Holstein geflogen werden darf, weil der Maximalversorger UKSH kein Bett für ihn frei hat, bringt die Malaise auf den Punkt.

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