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„Diese Wahl is very wichtig“

US-Amerikaner in Kiel „Diese Wahl is very wichtig“

Die Amerikaner sind nervös. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (MEZ) wählen sie ihren 45. Präsidenten. Wird es Hillary Clinton oder Donald Trump? Der Entscheidung fiebern auch die in Kiel lebenden US-Amerikaner entgegen. Zu den bekannten Amerikanern an der Förde gehört John Rapaglia (37).

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John Rapaglia, Meeresbiologe und Betreiber von John's Burgers in der Gutenbergstraße, veranstaltet in der kommenden Nacht eine Wahlparty. „Ich bin enttäuscht von beiden Kandidaten.“

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der Meereswissenschaftler stammt aus New York City, ist dort Universitäts-Professor, wohnt aber in Kiel und betreibt hier – zusätzlich zu seinem Lehrauftrag – seit 2015 das Restaurant John’s Burger in der Gutenbergstraße: „Diese Wahl ist super wichtig für mich, aber sie ist auch very wichtig für die Welt“, sagt er und blättert in der neuesten Ausgabe der New York Times. Auf der Titelseite wird über Clintons E-Mail-Affäre berichtet. John, wie er von allen genannt wird, legt die Stirn in Falten. „Ich bin enttäuscht von beiden Kandidaten. Ich hoffe dennoch, dass Hillary gewinnt“, gibt er mit rollendem Akzent freizügig sein Wahlgeheimnis preis.

"Man akzeptiert die Meinung anderer"

Nein, es sei bei weitem nicht so, dass alle Amerikaner in Kiel nur für die demokratische Kandidatin seien. Einige seien auch für Trump, aber das werde untereinander nicht ausdiskutiert, man akzeptiere die Meinung der anderen. „Es ist schwierig mit Gästen über Politik zu reden, man will seine Kunden ja nicht verlieren“, gibt er zu. Seine Stimme für Clinton hat der Amerikaner schon vor Tagen per E-Mail abgegeben. „Das war unkompliziert. Ich gehe aber davon aus, dass meine Stimme nicht zählt“, befürchtet er. „Denn in New York wird Hillary eindeutig siegen und nur, wenn ein Kandidat auf der Kippe steht, werden die Stimmen der im Ausland lebenden Amerikaner hinzugezogen. So spart man sich das Auszählen der Mail-Stimmen, weil diese das Ergebnis nicht verändern würden“, erklärt Rapaglia. Sein amerikanischer Freund Gordon Davis (45) aus Virginia, der ihn im Restaurant besucht und sonst in Augsburg wohnt, verrät hingegen nicht, mit welchem Kandidaten er sympathisiert. Nur so viel: „Ich habe gewählt, verfolge das Geschehen und bin sehr gespannt auf den Wahlausgang.“

Kara Dannenberg (24) hat ihre Stimme per Mail in ihren Heimatstaat Michigan geschickt und setzt darauf, dass ihr Votum zählt. „Ich war gerade in den USA und war wirklich schockiert, wie viele reiche Menschen Werbeschilder von Donald Trump in den Vorgärten ihrer großen Häuser hatten. Ich komme aus einem kleinen konservativen Ort, sogar meine Familie und viele Bekannte wählen dort Trump“, verrät sie. „Und das, obwohl sie ihn noch nicht mal mögen, sie stimmen eigentlich nur für ihn, weil er ein Abtreibungsverbot einführen will.“ Dafür hat Kara Dannenberg, die in Hamburg wohnt und in Kiel für die Deutsch-Amerikanisch-Gesellschaft Schleswig-Holsteins Englisch-Kurse leitet, kein Verständnis: „Ich selbst wähle Hillary Clinton. Sie ist das kleinere Übel.“ Sie hofft sehr, dass die Kandidatin gewinnt: „Die Wahlnacht werde sie so lange wie möglich vor dem Fernseher verfolgen. Wenn Trump gewinnt, wird es am Mittwoch schwer für mich, ich könnte gar nicht arbeiten und müsste nur weinen“, sagt sie scherzend, lässt aber keinen Zweifel daran, dass in ihren Worten auch ein Funken Wahrheit steckt. „Viele Deutsche sprechen mich an und fragen, wie es sein kann, dass jemand wie Trump im Wahlkampf so weit kommen konnte. Glauben Sie mir, es ist zurzeit sooo peinlich, Amerikaner zu sein.“

Personen- statt Themen-Wahlkampf

Der Headcoach der Baltic Hurricanes in Kiel, Marcus Herford (31) aus Dallas in Texas, ist gerade dabei, für die nächste Saison sein neues American-Football-Team zusammenzustellen. „Ich bin nicht sehr politikinteressiert“, sagt er auf Englisch. Der Sport, Familie und Freunde seien ihm wichtiger, außerdem glaube er auch nicht, dass die Politiker ehrlich sind: „Sie versprechen doch nur das, was sie ins Amt bringt und dort hält.“ Kurz: Er habe nicht gewählt und bereue es auch nicht. Noch nicht. Seine Familie habe traditionell die Demokraten unterstützt. „Obama ist ein super Präsident“, schwärmt er und betont, dass dies nicht nur an der gleichen Hautfarbe liege. Bei dieser Wahl jedoch traue er keinem der beiden Kandidaten. „Als ich hörte, dass Trump in seiner Partei das Rennen machte, dachte ich, das wäre ein Joke.“ Er sei absolut gegen ihn, nicht weil Trump sich rassistisch oder sexistisch geäußert habe, sondern weil er ihm niemals zutraue, ein Land zu führen: „I don’t see him leading a country.“

Diese Meinung teilt John Rapaglia. Er bedauert es daher sehr, dass sich dieser Wahlkampf vor allem um die Persönlichkeiten der Kandidaten gedreht hat, statt um wirklich wichtige Themen wie Wirtschaft, Umwelt und Bildung. Für ihn gibt es noch viel zu besprechen. Zusammen mit rund 20 amerikanischen Freunden veranstaltet er in der Nacht zu Mittwoch eine private Wahlparty in seinem Kieler Restaurant. Im amerikanischen TV wollen sie die Wahl verfolgen, und zwar bis etwa 5 Uhr morgens. So lange, also bis das Ergebnis endgültig feststeht.

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