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Was geschah wirklich im Sophienhof?

Übergriffe Was geschah wirklich im Sophienhof?

Die Übergriffe auf drei junge Mädchen im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof am Donnerstag werfen Fragen über den konkreten Tathergang und die Anzahl der potenziellen Verdächtigen auf. Die Polizei hat eigene Angaben mittlerweile relativiert, nachdem Augenzeugen der bisherigen Darstellung der Behörden widersprochen hatten.

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Das Sicherheitspersonal sei schnell zur Stelle gewesen, habe fünf junge Männer in Höhe eines Elektronikmarkts festgehalten und die Polizei alarmiert.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Das war keine Massenbelästigung“, sagen Geschäftsleute, die den Vorfall beobachtet haben. Nach bisherigen Ermittlungen haben sich die Ereignisse laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler folgendermaßen abgespielt: „Die drei jungen Mädchen saßen im Gastrobereich einer Pizzeria, als sie bemerkten, dass sie von zwei Männern gemustert und gefilmt wurden.“ Die beiden 19 und 26 Jahre alten Asylbewerber aus Afghanistan hätten nach Aussagen der Mädchen ihre Mobiltelefone hochgehalten, um bessere Aufnahmen der drei machen zu können. Offenkundig seien die Fotos oder Videos weitergeschickt worden, denn plötzlich seien weitere junge Männer dazu gekommen. Wie viele wissen die Ermittler noch nicht. „Der Sophienhof ist für viele junge Menschen ein beliebter Treffpunkt, mutmaßlich haben sich die anderen in der Nähe aufgehalten“, sagt Matthias Arends von der Polizeidirektion Kiel. Neben den Geschäften ist vor allem der Brückenbereich zwischen Holstentörn und Sophienhof beliebt, in dem kostenloses W-Lan verfügbar ist.

 Laut Ermittlungsakten sei es zu verbalen Kontaktversuchen gekommen. „Zwei Mädchen liefen daraufhin weg in Richtung „Cap“, kehrten aber kurze Zeit später zurück, da sie sich um ihre Freundin sorgten, die in dem Gastrobereich zurückgeblieben war“, sagt Bieler. Kurze Zeit später, so gaben die betroffenen Mädchen an, seien die beiden 19- und 26-Jährigen gemeinsam mit drei weiteren Männern zu ihnen an den Tisch gekommen und hätten die 15, 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen angesprochen, hätten gepfiffen und gejohlt. „Die Mädchen zogen sich immer weiter zurück und Passanten riefen anschließend den Ordnungsdienst“, fasst der Oberstaatsanwalt zusammen.

 Das Sicherheitspersonal sei schnell zur Stelle gewesen, habe fünf junge Männer in Höhe eines Elektronikmarkts festgehalten und die Polizei alarmiert. „Als diese eintrifft und die Personalien kontrollieren will, kommt es zu erheblichen Beleidigungen“, sagt Bieler. „Zudem hatten sich zwischenzeitlich bis zu 30 Schaulustige eingefunden.“ Diese hätten um Polizisten und Security-Mitarbeiter herumgestanden und ebenfalls per Handy Videos oder Fotos gemacht, heißt es in den Ermittlungsakten.

 Polizei-Sprecher Arends spricht von einer „unübersichtlichen Situation“, betont aber, dass die Schaulustigen nicht eingegriffen oder die Streifenbeamten bei der Festnahme angegriffen hätten. Bieler: „Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, entschloss sich die Polizei, die weitere Personalienfeststellung von vier Personen auf der Wache vorzunehmen. Auf dem Weg und auf der Wache kam es zu Beleidigungen und Widerstandshandlungen.“

 Polizei und Staatsanwaltschaft wollen jetzt die Aufnahmen aus den Überwachungskameras auswerten, um nähere Informationen zu bekommen, wie viele Personen überhaupt an der Belästigung beteiligt waren. Von den 20 bis 30 Männern, die laut Polizeimitteilung vom Freitag die jungen Mädchen belästigt, beobachtet und verfolgt haben sollen, war am Montag keine Rede mehr.

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Eines vorweg: Die Polizeibeamten, die in Kiel tagtäglich im Einsatz sind, Überstunden ohne Ende anhäufen und im Zweifelsfall ihren Kopf hinhalten, verdienen unseren Respekt und unser Vertrauen. Daran ändert auch der Einsatz im Sophienhof nichts, der – schon wieder – diese eine Frage aufwirft: Was ist los mit unserer Polizei?

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