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Dritte Feuerwehrwache für Kiel?

Umstrukturierung Dritte Feuerwehrwache für Kiel?

Die Berufsfeuerwehr steht vor einer Umstrukturierung. Nach einem Gutachten könnte die Sicherheitslücke nördlich des Nord-Ostsee-Kanals mit einer zusätzlichen Einsatzwache geschlossen werden. Bisher gibt es dort nur die Freiwillige Feuerwehr Schilksee, die auch die Stadtteile Friedrichsort und Holtenau mit abdeckt.

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Einsatz auf der Lindenau-Werft in Friedrichsort – mehrfach kam es dort und bei anderen Gewerbebetrieben tagsüber zu Brandeinsätzen. Dabei mussten Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Schilksee und der Berufsfeuerwehr gemeinsam (Foto) anrücken.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der neue Standort könnte auf dem Gelände des ehemaligen Marinefliegergeschwaders 5 liegen.

Die Pläne befinden sie aber noch im Anfangsstadium: „Das Gutachten zur Wirtschaftlichkeit und zu den Organisationsstrukturen der Feuerwehren in Kiel und Lübeck wird derzeit vom Gutachter abschließend bearbeitet“, sagte Feuerwehrdezernent Wolfgang Röttgers. Die Beratung in den Ratsgremien sei für März vorgesehen. Danach solle die Feuerwehr den Auftrag erhalten, einen darauf fußenden Bedarfsplan aufzustellen. „Eines ist dabei ganz klar: Es hat höchste Priorität, die Feuerwehr auch weiterhin bedarfsgerecht auszustatten und bestmöglich zu organisieren. Das Gutachten ist eine wichtige Grundlage dafür“, so Röttgers. Er erwarte Ergebnisse, mit denen sich die Feuerwehr für die Zukunft gut aufstellen könne. Zu den Details der Expertise werde er im Rahmen der anstehenden Beratungen Stellung nehmen.

 Die Sicherheitslücke nördlich des Kanals ist zuletzt während der Brandserie auf dem Ostufer im vergangenen Frühjahr besonders sichtbar geworden. Die Zeit, die bei einem Wohnungsbrand oder einen Feuer mit Menschen in Gefahr als Hilfsfrist gesetzt ist, wird von der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren mit acht Minuten angesetzt. In der Zeit muss zumindest ein Teil eines Löschzuges mit zehn Mann am Einsatzort eintreffen. Bei Bränden im Kieler Norden ist das nur zu schaffen, wenn die Wache der Berufsfeuerwehr am Westring voll besetzt ist. Steht der Löschzug dort aber gerade nicht zur Verfügung, ist diese Hilfsfrist nicht einzuhalten. Knackpunkt sind die Personalstärken bei den Freiwilligen Feuerwehren zur Tageszeit. Da immer weniger ehrenamtliche Feuerwehrleute auch in der Nähe ihrer Wachen arbeiten, haben die freiwilligen Wehren auch in Kiel während der Kernarbeitszeit zwischen 9 und 16 Uhr immer öfter Probleme, die Löschfahrzeuge mit ausreichend Atemschutzgeräteträgern zu besetzen. Der Einsatz von Trupps unter Atemschutz ist aber Standard. Besonders prekär: Nördlich des Kanals gibt es nur in Schilksee eine freiwillige Feuerwehr auf Stadtgebiet. Die 50 Mitglieder der Wehr mussten im vergangenen Jahr 66-mal ausrücken – davon 42-mal zu Brandeinsätzen. Zuletzt gab es in der Nacht auf Silvester in Friedrichsort ein größeres Feuer.

 Bei der Wahl des möglichen Standorts für eine weitere Feuerwache nördlich des Kanals ist die ehemalige Flugplatzfeuerwehr der Bundeswehr ins Gespräch gekommen. Die Fahrzeughallen und Unterkünfte auf dem Gelände am Schusterkrug stehen seit 2012 leer. Damals wurde die Flugplatzfeuerwehr zur Marinefeuerwehr umfunktioniert und in die Wik zum Tirpitzhafen verlegt. Dort baut die Bundeswehr jetzt eine neue Feuerwache für den Fahrzeugpark der Marinefeuerwehr. Sie kam auch schon im Stadtgebiet zum Einsatz.

 Kiels Feuerwehr in Zahlen

 Die Kieler Feuerwehr zählt fast 900 Mitglieder, 500 davon sind ehrenamtlich in den zehn freiwilligen Feuerwehren. Die Berufsfeuerwehr verfügt über 391 Mitarbeiter für den feuerwehrtechnischen Dienst , den Rettungsdienst und das Amt für Brandschutz. Für die Besetzung der beiden Feuerwehrwachen West und Ost stehen 260 Beamte zur Verfügung. In zwei Wachabteilungen werden Löschzüge sowie eine Vielzahl Sonderaufgaben besetzt. Dazu gehören Leitstellen, Spezialfahrzeuge und die Schiffsbrandbekämpfung. 1300 Brand- und 1900 technische Einsätze werden pro Jahr abgearbeitet.

 Von Günter Schellhase und Frank Behling

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Die Sicherheitslücke in Friedrichsort ist lange bekannt. Immer wieder waren Forderungen laut geworden, den Brandschutz für den Bereich nördlich des Kanals zu verbessern. Der Rettungsdienst hat das Defizit längst ausgeglichen – vor mehr als 20 Jahren, als er einen Rettungswagen in Schilksee stationierte, der rund um die Uhr einsatzbereit ist.

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