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Plastiktüte: Geht’s auch ohne?

Umweltschutz Plastiktüte: Geht’s auch ohne?

Kiel soll „plastiktütenfreie“ Stadt werden. So ganz wird die Fördestadt wohl nicht von Plastik zu befreien sein, aber es sollen weniger Einweg-Plastiktüten in Umlauf kommen. Das ist erklärtes Ziel der Ratsversammlung. Am Dienstagabend ist das „Plastiktütenfreie Kiel“ auch Thema in der Sitzung des Innen- und Umweltausschusses.

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Marten Freund, Inhaber des „Schlemmermarkt Freund“ an der Holtenauer Straße. Thomas Eisenkrätzer

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Plastiktüten stehen in der Kritik, weil sie sich in der Natur praktisch nicht zersetzen, sie zur Verschmutzung der Meere beitragen und Kleinteile von Seetieren wie Fischen oder Vögeln gefressen werden. In Kiel geht es zunächst vornehmlich darum, Maßnahmen zu finden, um die Verbraucher in Sachen Umweltschutz zu sensibilisieren. Im September vergangenen Jahres hatte die Ratsversammlung den Beschluss gefasst, dass Kiel zum plastiktütenfreien Vorbild werden soll. Hierfür gründete sich ein Runder Tisch, und anderem aus Einzelhandelsverband, Abfallwirtschaftsbetrieb und Verbraucherzentrale, der die Möglichkeiten eines freiwilligen Verzichts auf Plastiktüten und den weitgehenden Verzicht auf Plastikverpackung erörtert.

 „In Sachen Plastiktütenreduzierung laufen noch die Gespräche auf Bundesebene“, sagte Hans-Martin Bohac, Umweltreferent in der Hauptgeschäftsstelle Kiel des Einzelhandelsverbandes Nord. Es gehe um eine „freiwillige Selbstverpflichtung“. Bedeutet im Konkreten: Die Einzelhändler geben keine Plastiktüten mehr gratis raus. „Wir unterstützen natürlich die Initiative unseres Dachverbandes“, sagte Bohac. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr noch zu einer Einigung kommen und ab 2016 der Einzelhandel Plastiktüten nur noch entgeltlich herausgibt.“ Bohac betonte auch: „Gleichwohl muss ich auch sagen, dass Plastiktüten jetzt nicht so das Riesenproblem in Deutschland sind. Es ist auch keine Sache, die der Einzelhandel alleine verantworten kann. Auch Gastronomie und Märkte müssten miteinbezogen werden.“ Vom Einzelhandel erwarte der Umweltreferent keinen Protest. „Wenn sie der freiwilligen Selbstverpflichtung nicht zustimmen, dann könnte der Gesetzgeber reagieren und Zwangsmaßnahmen auferlegen.“ Insofern habe der Handel „genug Motivation“. Nicht uninteressant ist auch, dass die Einzelhändler zukünftig dazu übergehen könnten, statt Gratis-Plastiktüten Gratis-Papiertüten zu vergeben. Aus Sicht des Umweltschutzes würde das die Initiative ad absurdum führen.

 Ruth König, Inhaberin des gleichnamigen Musikfachgeschäftes in der Dänischen Straße, bezweifelt, dass es durch ein preisliches Instrument zu einer Reduzierung der Plastiktüten kommen kann: „Ich habe die Herausgabe von Plastiktüten schon sehr stark reduziert. Wenn ein Kunde ausdrücklich eine Tüte wünscht, gebe ich eine heraus. Oft spreche ich den Kunden an, ob das denn nötig ist – zum Beispiel, wenn ein Kunde einen Rucksack trägt.“ Eine Zeitlang habe sie auch eine kleine Spende pro Tüte entgegengenommen: „Da musste ich mir von den Kunden allerlei Anfeindungen anhören.“ Es komme immer noch vor, dass Kunden mit Unverständnis reagieren, wenn sie nachfragt, ob eine Tüte denn wirklich sein müsse: „Eine Kundin habe ich dadurch vergrault. Aber das kann ich aushalten.“ Sie würde sich einer freiwilligen Selbstverpflichtung anschließen, den Weg des Gespräches jedoch trotzdem vorziehen. „Ich denke, dass die Unterhaltung mit dem Kunden wirkungsvoller ist“, sagte König. Im Schlemmer-Markt Freund gibt es Tüten bereits jetzt nur gegen ein Entgelt. „Das war schon immer so bei uns. Die Kunden haben die Wahl zwischen Papier-, Plastik- und Permanenttüten. Bisher hat sich auch nie ein Kunde beschwert, dass er zahlen muss“, sagte Geschäftsführerin Imke Freund.

 Nicht nur in Kiel, in ganz Europa hat man der Plastiktüte den Krieg erklärt. Im April dieses Jahres hatte das EU-Parlament eine Plastiktüten-Beschränkung beschlossen und nicht nur Begeisterung geweckt. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert unter anderem, dass sich die Richtlinie nur auf Plastiktüten mit einer geringeren Wandstärke als 0,05 Millimeter begrenzt und entsprechend viele Schlupflöcher bietet.

 Für Kiel geht es heute in die nächste Runde in Sachen Plastiktüten: Der Runde Tisch plant einen Entwurf für ein Plakat und einen Aufkleber mit dem Hinweis, dass die Landeshauptstadt die reduzierte Herausgabe von Plastiktüten durch den Kieler Einzelhandel befürwortet. Dieser Entwurf soll Anfang November beim zweiten Runden Tisch dem Handel vorgestellt werden.

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