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Mit Plakaten gegen Plastiktüten

Umweltschutz Mit Plakaten gegen Plastiktüten

Geht es nach dem Willen der Kieler Ratsversammlung und einem Bündnis von Einzelhandel, Abfallwirtschaftsbetrieb (ABK), Interessengemeinschaften, Verbänden und Verbraucherzentrale, sind die Tage der Plastiktüten in der Landeshauptstadt gezählt.

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Plastiktüten raus aus Kiel: Grünen-Ratsfrau Martina Baum und Umweltdezernent Peter Todeskino legen schon mal vor, während Karstadt-Mitarbeiterinnen Sybille Buchholz (links) und Maike Gaede (rechts) das druckfrische Plakat im Schaufenster platzieren.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Zwar ist auch den Mitgliedern des Runden Tisches „Plastiktütenfreies Kiel“ bewusst, dass ihr Ziel nicht über Nacht zu erreichen ist. Doch mit einer Politik der kleinen Schritte wollen sie langfristig auch skeptische Kunden und Einzelhändler ins Boot holen. Am Mittwoch fiel der Startschuss für eine Plakat- und Postkartenaktion, die die Öffentlichkeit unter dem Motto „Plastiktütenfrei. Wir sind dabei“ weiter für das Thema sensibilisieren soll.

"Klassisches Kieler Motiv"

 Das Motiv, auf das sich beim dritten Runden Tisch im Februar alle Akteure einigen konnten, ist ein Postkartenidyll. Der weiße Strand von Falckenstein mit Ostsee und Himmel in leuchtenden Blautönen verdeutlicht, worum es geht: um eine schützenswerte Umwelt und eine deutliche Reduzierung des Plastikmülls rund um den Globus. Jeder kann dazu beitragen – auch in Kiel. „Wir haben uns überlegt, mit welchem Motiv wir Bürger motivieren können, auf Plastiktüten zu verzichten“, sagte Andreas von der Heydt, Leiter des Umweltschutzamtes Kiel, bei der Vorstellung der Kampagne im Sophienhof. Die Wahl sei auf ein „klassisches Kieler Motiv“ gefallen. Die Postkarten und Plakate in verschiedenen Größen stellt die Landeshauptstadt dem Kieler Handel ab sofort kostenlos zur Verfügung.

Pro Kopf 71 Plastiktüten

 „Wenn wir Vorbild sind, dann ziehen die anderen nach“, zeigte sich Silke Aumann von der Interessengemeinschaft „Die Holtenauer“ überzeugt. „In Kiel ist die Bereitschaft der Kunden, für Plastiktüten zu zahlen oder ganz darauf zu verzichten, schon sehr ausgeprägt“, lobte Karstadt-Filialleiter Christoph Kellenter. Die Gebühr von fünf Cent für eine kleine Tüte und 30 Cent für die größte Tüte habe bislang kaum Kundenbeschwerden nach sich gezogen. Viele Kunden brächten auch eigene Taschen mit. Wie drängend das Thema ist, verdeutlichte Umweltdezernent und Bürgermeister Peter Todeskino mit einigen Zahlen: Laut Umweltbundesamt werden in Deutschland pro Jahr und Kopf 71 Plastiktüten verbraucht. In Kiel sind das mehr als 17 Millionen Plastiktüten pro Jahr, also 32 Plastiktüten in der Minute.

 Solange eine politische Lösung nicht in Sicht ist, übt sich der Runde Tisch in Geduld und setzt auf Freiwilligkeit der Einzelhändler. „Wir können und wollen dem Handel keine Vorschriften machen“, betonte Todeskino. Der Verein „Küste gegen Plastik“ begrüßte den Vorstoß dennoch: „Wir bekommen das langfristig nur in den Griff, wenn alle mitmachen. Daher hoffen wir, dass das Vorbild des Kieler Handels landesweit Schule macht“, sagte Vorsitzende Jennifer Timrott. Auch Kathrin Jasper-Ahlers, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Schleswig-Holstein, freute sich über die Initiative. „Es ist schön zu sehen, was alles in Sachen Plastik passiert.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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