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Denkmäler fordern zum Nachdenken auf

Ausstellung im Flandernbunker Denkmäler fordern zum Nachdenken auf

Denkmäler stehen für eine bestimmte Zeit und wirken darum oft wie aus der Zeit gefallen. Manchmal stehen sie auch für Werte, die eigentlich von Anfang an fragwürdig waren. Oder für berechtigte Anliegen, die von den falschen Leuten vor den falschen Karren gespannt werden. Um das und manches mehr geht es im Kieler Flandernbunker.

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Jens Rönnau vom Verein Mahnmal Kilian erläutert, was dieser vom Künstler Ulrich Mattes sozusagen mit Gedenken gedeckte Tisch mit Hiroshima zu tun hat.

Quelle: Martin Geist

Kiel. „Unbequeme Denkmäler“ heißt die neue Ausstellung, die am 4. Mai eröffnet wird und ein Gemeinschaftswerk des Vereins Mahnmal Kilian, des Lauenburgischen Kunstvereins sowie des Heimatbundes und Geschichtsvereins Herzogtum Lauenburg darstellt. Die Wurzeln dieser Kooperation liegen denn auch im schleswig-holsteinischen Süden. Als im Januar 2013 Rechtsradikale in Ratzeburg üble Parolen und Drohungen verbreiteten, reagierte der Kunstverein mit der Plakataktion „Sich bekennen, sich benennen“. Was sehr spontan begann, entwickelte sich zu einem substanziellen Künstlerprojekt, aus dem bisher 72 politische Plakate hervorgegangen sind. Die Idee und auch die Praxis: An Denkmälern der Region sollen diese Plakate prononciert und gern provozierend Botschaften der Menschlichkeit und des Friedens vermitteln, Kontrapunkte zu den oft gar zu heldenverehrerischen oder einfach nur unverständlichen Monumenten der Erinnerung an Kriege und Schlachten setzen.

 „Man darf den Volkstrauertag und auch die Denkmäler dazu nicht den Rechten überlassen“, beschreibt Bill Boehart vom Heimatbund das Anliegen. Zugleich soll die Aktion ebenso wie die daraus hervorgegangene Ausstellung zur Diskussion darüber anregen: „Was sagen uns diese Dinge heute?“ Im Flandernbunker werden nun besonders gelungene Plakate ausgestellt und ebenso acht ausgezeichnete Entwürfe eines Wettbewerbs für ein Friedensmal im Herzogtum Lauenburg. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist einem Projekt der Künstlerin Eva Ammermann gewidmet. Sie arbeitete zusammen mit behinderten Menschen die Geschichte eines Mädchens aus Mölln auf, das von den Nazis zwangssterilisiert wurde.

 Die Aktiven des Flandernbunkers haben sich schließlich Mahnmale, Ehrenmale und Gedenkstätten im Kieler Raum vorgenommen, setzen sich mit Erinnerungskultur und Ritualen auseinander, thematisieren auch ermutigende Beispiele des Dialogs, beispielsweise über den Umgang mit dem Marine-Ehrenmal in Laboe.

 Dass die Schau „eine Ausstellung zum Denken und Diskutieren“ sein soll, zeigt sich am sehr umfangreichen Begleitprogramm. So geht es am Sonntag, 10. Mai, um 11.30 Uhr mit dem ehemaligen Starfighter-Piloten und Schriftsteller Jochen Missfeldt ums Thema „Deserteure der Wehrmacht – Feiglinge oder Helden?“. Am 1. Juni, 19 Uhr, wird die Rolle der Kirche im Ersten Weltkrieg beleuchtet, und am 4. Juni, 19 Uhr, bittet der Afghanistan-Veteran Johannes Clair zu einer politischen Lesung samt Diskussion ins Landeshaus.

 Eröffnet wird die Ausstellung „Unbequeme Denkmäler“ am Montag, 4. Mai, um 18.30 Uhr im Flandernbunker, Kiellinie 249. Es sprechen Schirmherrin und Kulturministerin Anke Spoorendonk, William Boehart und Jens Rönnau vom Verein Mahnmal Kilian. Anschließend ist bis zum 16. August montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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