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Antisemitischer Druck war kein Hackerangriff

Uni Kiel Antisemitischer Druck war kein Hackerangriff

Die großen deutschen Universitäten wollen den ferngesteuerten Ausdruck antisemitischer und rassistischer Pamphlete aufklären: Drei bis vier Fälle habe es in Kiel gegeben. „Dabei handelte es sich aber nicht um einen Hackerangriff“ wie zunächst angenommen, so Uni-Sprecher Boris Pawlowski.

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Ursprung offenbar aus dem Ausland: Die antisemitischen und rassistischen Pamphlete, die an vielen Unis in Deutschland aus dem Drucker kamen, sorgen weiter für Aufregung.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Kiel. Völlig überraschend seien Geräte an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel in der Nacht zu Donnerstag aktiv geworden, erläuterte Uni-Sprecher Boris Pawlowski am Freitag. Die Initiatoren der Ausdrucke seien dabei allerdings nicht in das Uni-interne Netzwerk vorgedrungen. Sie hatten also auch keinen Zugriff auf sensible Daten oder Forschungen.

 Die älteren Drucker arbeiteten vielmehr in einem offenen System, erklärte der Sprecher. Dieses sei gerade für die Zusammenarbeit mit auswärtigen Wissenschaftlern und Studenten praktisch. Es lassen sich so Druckaufträge von Externen an die Uni-Drucker senden. Die Täter haben sich das offenbar zunutze gemacht. Sie veranlassten die Ausdrucke nach ersten Erkenntnissen aus dem Ausland. Ihre antisemitischen Plakate mit Hetzparolen flatterten an zahlreichen deutschen Universitäten aus den Geräten.

 Während in Tübingen bereits am Mittwoch 190 Ausdrucke gezählt wurden und die Uni Münster 50 Pamphlete einkassierte, sind in Kiel bisher nur drei bis vier Fälle bekannt geworden, sagte Pawlowski. Viele der Druckaufträge blieben jedoch wirkungslos: Sie seien nachts abgesandt worden, als die Geräte ausgeschaltet waren. Das Rechenzentrum der Universität meldete am Freitag, dass diese Verbindungen nun gekappt seien. Die Uni Kiel will nun am Montag Strafanzeige erstatten. Die Schreiben seien vernichtet.

 Für Pawlowski verdeutlicht der Fall ein wichtiges Thema in der Kooperation mit anderen Universitäten: Die Digitalisierung erleichtere den Austausch erheblich, müsse aber „vor Missbrauch geschützt werden“.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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