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Wenn die Frist für Frust sorgt

Uni Kiel Mittelbau Wenn die Frist für Frust sorgt

Die Qualität der Lehre an der Hochschule hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Nach wie vor sorgen jedoch vielfach befristete Verträge für Frust – sowohl beim Lehrpersonal als auch unter den Studierenden.

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Sowohl das Lehrpersonal als auch Studenten stehen vor dem Problem, dass oft keine Planungssicherheit besteht. An der CAU gibt es die Hoffnung, dass zumindest Monatsverträge bald die absolute Ausnahme werden.

Quelle: Fabian Stratenschulte

Kiel. Motiviertes Personal ist gewiss ein entscheidender – das hat auch der Thementag zur guten Lehre an der Christian-Albrechts-Universität Mitte April noch einmal deutlich gemacht. „Der Mittelbau ist alles andere als ein nettes Arbeitsumfeld“, sagt daher Sophia Schiebe (26) aus dem Vorstand des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (Asta).

 Gut anderthalb Jahre ist es her, dass 2500 Studenten und Hochschulkräfte aus Kiel, Lübeck und Flensburg lautstark vor dem Landeshaus gegen das Finanzloch in den Etats der Bildungseinrichtungen demonstrierten. Mit Trillerpfeifen und Plakaten forderten sie eine Ausfinanzierung der Hochschulen und dezidiert eine bessere Personalausstattung für den Mittelbau. Der Protest war im Zusammenspiel mit dem Werben der Uni-Verwaltung durchaus erfolgreich. „In den Verhandlungen im vergangenen Jahr wurde schließlich für die folgenden Jahre ein Aufwuchs der Grundmittel der Universität um etwa zehn Millionen Euro erreicht“, sagt Boris Pawlowski, Sprecher der Uni. „Mit diesem Geld sollen unter anderem bessere Perspektiven für Beschäftigte im Mittelbau und eine bessere Lehrqualität geschaffen werden.“ 100 neue Stellen seien gerade ausgeschrieben worden, demnächst würden weitere folgen.

 Und auch an anderer Stelle tut sich etwas: So ist zum 17. März diesen Jahres eine Reform des Gesetzes über befristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft (kurz Wissenschaftszeitvertragsgesetz) in Kraft getreten, die zumindest an einigen Stellen klarere Regeln mit sich bringt. Dennoch liegt nach Ansicht der Studierendenvertretung nach wie vor viel im Argen: Noch immer bekämen manche Beschäftige ihre Verträge im Monatsrhythmus. „Wir hoffen, dass solche Monatsverträge nun nicht mehr nötig sein werden“, entgegnet Pawlowski. „Das Gesetz ist noch taufrisch. Genaue Erkenntnisse über Effekte liegen noch nicht vor.“

Didaktische Fähigkeiten wichtig

 Asta-Vorstand Paulina Spiess (24) wirbt daher für eine simple Formel: Für Daueraufgaben soll es auch Dauerverträge geben. Nach Einschätzung des Asta wird an der CAU im Schnitt drei Viertel der Lehre vom Mittelbau getragen. Und das, obwohl diese Jobbeschreibung in vielen Arbeitsverträgen gar nicht enthalten ist: Bei über Drittmittel finanzierten Stellen, die es etwa in den naturwissenschaftlichen Fächern vielfach gibt, ist ein Einsatz in der Lehre sogar explizit ausgeschlossen. Dennoch übernehmen wissenschaftliche Mitarbeiter oder Post-Docs Lehrveranstaltungen. „Aus Kulanz“, sagt Anke Boockmeyer (29), die in der Promotionsberatung des Asta tätig ist. „Sie springen ihren Kollegen zur Seite, die genau so viel zu tun haben.“ Pawlowski sagt, dass sie im Gegenzug auch etwas bekämen: Erfahrung in der Lehre. „Dass Drittmittel-Beschäftige freiwillig Lehrtätigkeiten übernehmen, liegt wegen der damit verbundenen Qualifizierung durchaus auch in ihrem Interesse.“ Denn neben einer inhaltlichen Qualifikation würden auch didaktische Fähigkeiten für eine wissenschaftliche Karriere wichtiger.

 Wie ein Schlüsselbegriff zieht sich das Wort Betreuungsschlüssel durch die Debatte: Wären alle Stellen im Mittelbau über das Land finanziert (und stünde die Lehre damit im Arbeitsvertrag), müssten entsprechend der Kapazitätsverordnung weitere Studierende zugelassen werden. „Freiwillig“ Lehrende, die über Drittmittel bezahlt werden, sorgen also auch für etwas Entlastung in einem auf Kante genähten System, deutet Pawlowski an. Ohnehin steigt die Zahl der Studierenden von Jahr zu Jahr – und damit auch die Anzahl der zu korrigierenden Hausarbeiten und Klausuren. Und Lehrende müssen ihre Übungen oder Seminare teilweise mehrfach anbieten, was abermals zu einer Mehrbelastung führt.

 Zu jedem Semesterstart erlebt das Asta-Team aufs Neue, wie wieder einmal mehr Studierende darüber klagen, keinen Platz in einer wichtigen Lehrveranstaltung bekommen zu haben und daher mit dem Studium nicht so voran kommen, wie sie gerne möchten. Pauline Spiess erläutert, dass dann die individuelle Suche nach Lösungen beginne und gezielt einzelne Lehrende angesprochen würden, noch zusätzliche Teilnehmer aufzunehmen. Eine echte Lösung ist das aber nicht, denn: „Überfüllte Seminare machen einfach keinen Spaß.“ Daher will der Asta der CAU den Themenkomplex aus Lehre, befristeten Verträgen, wachsenden Studierendenzahlen und deren Auswirkungen auch weiterhin auf die politische Agenda bringen. Derzeit tauschten sich auch die Landes-Asten dazu aus, um aufzuzeigen, wie wichtig das Thema sei. „Gute Lehre ist einfach nicht zu machen, wenn der Mittelbau noch zu viel anderes nebenher machen muss“, sagt Schiebe und fordert, dass der Bund in die Breitenfinanzierung der Hochschulen einsteigt.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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