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Wissen auf Papier bleibt gefragt

CAU Kiel Wissen auf Papier bleibt gefragt

In Zeiten zunehmender Digitalisierung scheint die Zukunft des gedruckten Buches ungewiss – gerade in wissenschaftlichen Bibliotheken, wo E-Books und elektronische Zeitschriften mehr als eine jederzeit verfügbare Ergänzung sind. Sind die Zeiten von Papier und langen Regalen also bald vorbei? „Auf keinen Fall“, glaubt Rainer Horrelt, stellvertretender Direktor der Kieler Universitätsbibliothek (UB).

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Die Kopie der Neuzeit: Rainer Horrelt demonstriert an einem Gerät im Lesesaal der Universitätsbibliothek, wie Studenten eigenhändig Bücher digitalisieren können.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Als zentrale Einrichtung der Christian-Albrechts-Universität (CAU) versorgt die Kieler UB mit drei Abteilungen und 44 Fachbibliotheken in den Instituten die Studierende und Mitarbeiter der Uni mit wissenschaftlicher Literatur. Von insgesamt rund 4,7 Millionen Bänden steht knapp die Hälfte in der Zentralbibliothek. Während die E-Books mit rund 21000 Titeln nach Angaben von Rainer Horrelt vor allem eine Ergänzung zur gedruckten Literatur darstellen, hat sich das Verhältnis bei den Zeitschriften schon deutlich umgekehrt: 6400 gedruckten Zeitschriften-Titeln stehen 33700 elektronische Zeitschriften gegenüber. „Bei einigen Titeln sind wir sogar schon ganz auf das elektronische Abo umgestiegen, das ist ja auch eine Kostenfrage“, sagt Horrelt.

 Nicht nur das: Auch in den Fachbereichen gibt es große Unterschiede, was die Nutzung der elektronischen Medien angeht. „Bei den Naturwissenschaftlern, die ständig neue Studien und Forschungsergebnisse publizieren, spielt das Buch keine große Rolle“, betont Horrelt. Für sie seien die Zeitschriften wichtiger. Die Buchbestände in den naturwissenschaftlichen Fachbibliotheken seien dementsprechend geschrumpft. Die Geisteswissenschaftler dagegen arbeiteten noch immer „sehr intensiv“ mit dem gedruckten Buch. „Die brauchen ja auch die Quellen.“ Auch die Lehramts- und Medizinstudenten bevorzugen nach Horrelts Erfahrung das Wissen auf Papier. „Wer vom Sterben der Bücher spricht, ist meistens ein Naturwissenschaftler.“

 Für die UB halten sich die Kosten für gedruckte oder digitalisierte Fachliteratur laut Horrelt die Waage. Allerdings kauft sie die E-Books in der Regel nicht einzeln, sondern im Paket. Und sie muss einen Lizenzvertrag mit dem jeweiligen Verlag abschließen – oft mit komplizierten individuellen Nutzungsrechten. „Das gedruckte Buch bietet einer Bibliothek dagegen den größtmöglichen Komfort: Man kauft es einfach und stellt es den Nutzern zur Verfügung.“ Dennoch plane man den Ausbau der Digitalisierung. Denn elektronische Medien seien nicht nur praktisch und ständig verfügbar, sondern auch Bestand schonend. Sind die Bücher zum Beispiel so stark durch Säure geschädigt, dass eine Restaurierung in der hauseigenen Werkstatt kaum noch lohnt, werden sie erst digitalisiert und anschließend im Magazin verwahrt. Aber auch das kostet Geld: „Wir haben allein in diesem Jahr 95000 Euro beim Land für die Massenentsäuerung und Digitalisierung beantragt, 2014 waren es 80000 Euro“, berichtet Horrelt.

 Für die weitere Digitalisierung und ihre Nutzung, auch von Dissertationen, sieht Horrelt die UB technisch gut aufgestellt. „Mit dem Bekenntnis der CAU zum Gedanken des Open Access sind wir voll im Trend“, betont Horrelt. Der Begriff Open Access steht für weltweit öffentlichen und kostenfreien Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Bis 2020 soll der auch für Kieler Universitätsmitglieder möglich sein. Außerdem wünscht sich Horrelt langfristig eine einheitliche Regelung für E-Books. Denn je nach Lizenzmodell haben Studenten und Studentinnen nur in der UB Zugriff darauf, aber nicht von zuhause aus. Einige Verlage erlauben das Herunterladen von Inhalten, andere nicht. Schon deshalb ist das gedruckte Buch in wissenschaftlichen Bibliotheken noch lange nicht vom Aussterben bedroht.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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