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Pastor provoziert Netz und Gemeinde

Unruhe in der Katholischen Kirche Pastor provoziert Netz und Gemeinde

Unruhe in der Katholischen Kirche Kiel: Ein seit Kurzem für die Jugendarbeit verantwortlicher Pastor hat über Monate im Internet Inhalte unter anderem der Zeitschrift „Junge Freiheit“ veröffentlicht, die dafür bekannt ist, rechtspopulistische Thesen zu verbreiten.

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Propst Leo Sunderdiek, der Leiter der neuen Kieler Großpfarrei Franz von Assisi, bestätigt, dass bereits Gespräche geführt wurden. Der Kieler Gemeinde sei von dem beschuldigten Pastor jedoch zugesichert worden, dass die Veröffentlichungen auf Facebook lediglich „Gesprächsanregungen“ gewesen seien.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Bistumsleitung in Hamburg ist darüber informiert. „Das verstößt gegen das Menschenbild des Christen“, heißt es dort. Trotzdem hält sie bisher an der Entscheidung fest, den 43-Jährigen in der Arbeit mit dem Nachwuchs einzusetzen.

 Obwohl die Facebook-Einträge des Pastors inzwischen gelöscht sind, liegen unserer Zeitung einige der bisher veröffentlichten Beiträge vor. Meist handelt es sich dabei um Artikel der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die inhaltlich der AfD und der Pegida-Bewegung nahesteht und als Zentralorgan der sogenannten Neuen Rechten gilt. Nach Ansicht von Politikwissenschaftlern bewegt sich das Blatt in einem Grenzbereich zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus. Dabei geht es um vermeintlichen Asylmissbrauch und Kritik an der „Lügenpresse“. Der Pastor teilte, wie es in der Facebook-Sprache heißt, auch Beiträge, die sich gegen die Gleichberechtigung der Homo-Ehe richten und verweist beispielsweise auf Artikel mit der Überschrift „Die Rosa Nostra schlägt wieder zu“. Die politischen Botschaften der Medien-Artikel sind eindeutig: „Berlin-Kreuzberg: Asylbewerber kosten 1,4 Millionen Euro.“ Oder: „Langsam geht es in Richtung Diktatur, wo nur Regierung und Medien sagen, was Wahrheit ist und was man denken darf“, „Wegen islamischen Asylbewerbern: Schule untersagt Miniröcke“.

 Die Kirchenleitung in Hamburg ist seit Anfang Juli über die Aktivitäten des Kieler Pastors informiert. Nach Informationen dieser Zeitung wurde er zu einem Gespräch nach Hamburg einbestellt. „Ja, es wurden Gespräche geführt“, bestätigt Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg. Doch darüber dürfe er keine Auskunft geben. Dennoch betont er, dass „ein Seelsorger integrieren muss und für alle Menschen Ansprechpartner ist, die sich an die Kirche wenden“. Deshalb müsse man sich mit den Vorwürfen sehr genau auseinandersetzen. „Ein Priester ist eine öffentliche Person“, so Nielen. „Er repräsentiert die Kirche.“ Nielen weiter: „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir zu einer guten Lösung kommen werden.“

 Auch Propst Leo Sunderdiek, der Leiter der neuen Kieler Großpfarrei Franz von Assisi, bestätigt, dass bereits Gespräche geführt wurden. „Wir haben eindeutig gesagt, dass solche rechtsfreundlichen Tendenzen nicht gehen. Das verstößt gegen Wesen und Inhalt unserer Kirche und des Christentums.“ Der Kieler Gemeinde sei von dem Pastor jedoch zugesichert worden, dass die Veröffentlichungen auf Facebook lediglich „Gesprächsanregungen“ gewesen seien. Als unsere Zeitung mit dem beschuldigten Pastor sprechen will, verweist er auf noch ausstehende Gespräche mit Generalvikar Ansgar Thim. „Darüber will und kann ich noch nichts sagen.“

 Der Pastor stammt aus Polen. 2006 erhielt er in Celle die Diakonieweihe, 2007 folgte die Priesterweihe. Seit Februar 2013 ist er in Kiel als Pastor tätig. Trotz der Internet-Aktivitäten betreut er nach wie vor die Gemeinde und die Jugendlichen in der Pfarrei Franz von Assisi. In Gottesdiensten habe er schon häufiger mit extrem konservativen Thesen provoziert, erzählten Katholiken unserer Zeitung. So habe er kritisiert, dass auch evangelische Partner das Abendmahl in der katholischen Kirche in Kiel bekommen würden. Auch eine Broschüre des Bildungsministeriums über verschiedene Lebensmodelle, die an Grundschüler verteilt wurde, kritisierte er in einer Predigt. Er vermisse die Wertigkeit, sprach er damals von der Kanzel. Ein Gemeindemitglied sagt: „Polnische Katholiken sind noch sehr konservativ. Die deutsche katholische Kirche ist dagegen viel fortschrittlicher. Der Mann gehört einfach nicht in diese Zeit und in diesen Ort.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Ein katholischer Jugendpastor stellt zweifelhafte Zeitungsartikel ins Internet, schimpft von der Kanzel, dass nur die „richtige“ Familie gut und dass das Abendmahl nicht für jeden gedacht ist. Da schlagen die Wellen im weltoffenen Schleswig-Holstein hoch. Unser Land ist ein multikulturelles und multireligiöses Land. Und das ist gut so.

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