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Noch ein Platz für Flüchtlinge?

Unterkunft in Suchsdorf Noch ein Platz für Flüchtlinge?

Angesichts des ungebrochenen Zustroms von Flüchtlingen erwägt die Stadt die Aufstellung von Containern in Suchsdorf. Maximal sei dort Platz für 200 Container.

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Das Gelände, auf dem möglicherweise ein Containerdorf für Flüchtlinge entsteht, ist von Knicks eingefasst und liegt direkt gegenüber dem Neubaugebiet Suchsdorf an der Au.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Stadt plant, in unmittelbarer Nähe zum Neubaugebiet Suchsdorf an der Au eine Flüchtlingsunterkunft mit Containern einzurichten. Viele Anwohner sind der Idee gegenüber aufgeschlossen, andere sehen das Vorhaben eher skeptisch. Der Ortsbeirat hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet und lädt am 26. Januar zu einer Sondersitzung ein, in der Stadtrat Gerwin Stöcken weitere Details bekanntgeben will. Einen Zeitplan gibt es noch nicht.

Der Platz wird knapp

Der Zustrom von derzeit 200 Flüchtlingen pro Tag nach Schleswig-Holstein ist ungebrochen. Sollte diese Zahl über das Jahr konstant bleiben, kommen in diesem Jahr mehr als 70000 Menschen ins Land. Kiel hat seit Anfang des Monats bis zum 14. Januar schon 198 Flüchtlinge aufgenommen, bis Anfang Februar sollen es insgesamt 325 werden – der Platz in den bisherigen Unterkünfte wird auf absehbare Zeit knapp. Für den Fall, dass es im Sommer eine ähnlich starke Einreisewelle wie im vergangenen Jahr gibt, wollen Land und Stadt jetzt Pufferkapazitäten schaffen. „Ich habe die Bauverwaltung gebeten, städtische Flächen zu finden, die sich für Unterkünfte anbieten“, sagte Stöcken.

 Ein Gelände haben die Mitarbeiter jetzt lokalisiert: stadtauswärts auf der linken Seite des Steenbeker Wegs zwischen der Brücke über die Ottendorfer Au und der Straße Steinberg, die ins Neubaugebiet führt. Die Fläche ist von Knicks eingerahmt und leicht abschüssig. Es handelt sich nicht um ein deklariertes Schutzgebiet. „Im Landschaftsplan aus dem Jahr 2000 war angedacht, das Gelände als Schutzgebiet auszuweisen. Das ist allerdings nie festgesetzt worden“, sagte Joachim Kläschen vom städtischen Presseamt.

Gute Infrastruktur

 „Bei einem Ortstermin habe ich mir die Fläche mit den zuständigen Ortsbeiräten angeschaut“, sagte Stöcken. Maximal sei dort Platz für 200 Container. Falls hier Schutzsuchende untergebracht werden, wolle er „eher 100“ aufstellen lassen. Der Stadtrat hält den Standort für geeignet, weil es mit Kindergarten, Schule und Einkaufsmöglichkeiten eine gute Infrastruktur gibt. Auch eine ÖPNV-Anbindung ist vorhanden. „Auf der Sondersitzung möchte ich den Plan vorstellen, mit den Suchsdorfern diskutieren und mir Anregungen und Bedenken anhören“, so Stöcken. Ob nun tatsächlich an der Stelle eine Unterkunft gebaut wird, steht noch nicht abschließend fest. „Auch in Suchsdorf muss es möglich sein, Hilfe für Asylsuchende anzubieten“, sagte der Ortsbeiratsvorsitzende Reinhard Warnecke (SPD). Er betonte, dass sich das Gremium aber noch keine abschließende Meinung gebildet habe. Allerdings sehe er mit 100 Containern an der Stelle das Maximum erreicht.

 Viele Suchsdorfer im Neubaugebiet haben von den Plänen schon gehört und sind geteilter Meinung. „Warum nicht hier?“, fragte Cornelia Müller-Linhorst, die seit 13 Jahren an der Au lebt. „Viel hängt auch davon ab, wie die Stadt ihren Plan umsetzt“, sagte sie. Andreas Hammer hatte noch keinen Berührungspunkt mit Schutzsuchenden. „Mir würde das aber nicht gefallen, wenn hier eine Unterkunft entsteht“, sagte er. Viele junge Frauen gingen hier joggen. „Dann immer noch?“, fragte er vor dem Hintergrund der massiven Belästigungen in Köln zum Jahreswechsel. Eine andere Anwohnerin möchte nicht mit Namen genannt werden. „Heute sehe ich das eher negativ“, sagte sie und spielte ebenfalls auf Köln und steigende Einbruchszahlen an. Hier lebten viele Kinder, die alleine durch die Straßen liefen. „Da habe ich kein Verständnis, wenn Flüchtlinge in der Nachbarschaft leben“, sagte die Frau. Eine andere Nachbarin „findet die Aussicht nicht prickelnd“. Mehr wollte sie nicht sagen.

Nicht alle unter Generalverdacht stellen

 „Das überrascht mich. 200 Container finde ich zu viel. Wenn es aber nicht mehr als 100 Menschen in dem Dorf werden, ist das für mich in Ordnung“, sagte Yvonne Brömel. Auch Margarete Janzer reagierte ganz gelassen: „Ist mir egal, irgendwo müssen sie ja unterkommen. Wir können nach den unschönen Vorkommnissen in der Silvesternacht aber nicht alle Flüchtlinge unter Generalverdacht stelle“, so die Suchsdorferin. „Ist in Ordnung“, meinte eine andere Anwohnerin dazu.

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Günter Schellhase
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Pläne für Flüchtlingsunterkunft
Foto: Stadtauswärts auf der linken Seite des Steenbeker Wegs könnte eine neue Flüchtlingsunterkunft errichtet werden. Entschieden sei aber noch nichts, betont Stadtrat Gerwin Stöcken.

Gespannte Stimmung in Suchsdorf: Die Nachricht, dass die Stadt in unmittelbarer Nähe zum Neubaugebiet Suchsdorf an der Au die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft erwägt, hat die Anwohner in Aufregung versetzt. Der Ortsbeirat hat für Dienstagabend zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen.

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