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Verfahren auf ganzer Linie

Irrfahrten mit Bus Verfahren auf ganzer Linie

Als Marianne Rump (61) bei uns in der Redaktion anrief, war der erste Gedanke: Das gibt’s doch gar nicht. Die Altenholzerin erzählte von ihren drei Irrfahrten mit einem normalen Linienbus innerhalb kürzester Zeit. Eine Nachfrage bei der Kieler Verkehrsgesellschaft ergab jedoch, dass die Busfahrer tatsächlich auf Abwege geraten waren.

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Eher ungewöhnlich, dass Fahrgäste eine Straßenkarte dabei haben: Marianne Rump geht nach ihren Erlebnissen auf Nummer sicher.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Altenholz. Seit Jahren schon fährt Marianne Rump morgens um 9.23 Uhr von Altenholz-Klausdorf/Bahnübergang mit dem Schnellbus der Linie 902 S. Sie arbeitet in der Kieler Innenstadt. Der Schnellbus fährt normalerweise ziemlich einfach – erst durch Altenholz, dann auf den Olof-Palme-Damm und von dort über den Kronshagener Weg zum Hauptbahnhof. „Vor einiger Zeit fuhr der Busfahrer aber auf die Autobahn, bog Richtung Mettenhof ab, dann den Hasseldieksdammer Weg weiter“, erzählt sie. „Und anstatt von dort wieder auf den Westring zum Kronshagener Weg zu fahren, bog er rechts zum Theodor-Heuss-Ring ab und merkte erst an der Müllverbrennungsanlage den Fehler.“ Einige Tage später habe ein anderer Fahrer ebenfalls die Route des Busses vergessen. „Er bog auf die Holtenauer Straße, merkte seinen Irrtum in der Wik und wendete mitten im Verkehr“, erinnert sich Marianne Rump kopfschüttelnd. Beim letzten Vorfall vor rund zwei Wochen nahm der Busfahrer eine falsche Abfahrt am Holsteinstadion, landete, weil die Ausfahrt nach Suchsdorf gesperrt ist, irgendwann in Blickstedt“, erzählt sie. „Dort wendete er seinen riesigen Bus mitten auf der kleinen Straße, fuhr über die Levensauer Hochbrücke zurück und kam dann mit 15 Minuten Verspätung beim Bahnhof an.“

 Die Fahrgäste hätten jedes Mal lauthals protestiert. „Einmal hat sich ein Fahrgast sogar zum Fahrer gestellt und ihn wieder auf die richtige Strecke gelotst“, so Marianne Rump. „Dreimal kam ich deswegen zu spät zur Arbeit. Lustig ist das nicht.“ Und die Altenholzerin wundert sich: „Auch wenn es Aushilfsbusfahrer gewesen wären – die müssen sich doch vor der Fahrt über die Strecke informieren.“ Die Kieler Verkehrsgesellschaft hat sich inzwischen offiziell entschuldigt. KVG-Betriebsleiter Thomas Mau: „Die Vorfälle sind leider sehr bedauerlich. Beim letzten Fall war beispielsweise ein Kollege involviert, der erst seit Kurzem bei uns beschäftigt ist.“ Aber eigentlich wisse der, dass man bei Unregelmäßigkeit die Funkleitstelle anrufen muss. „Das hat er leider nicht getan, aus unbegründeter Angst vor disziplinarischen Folgen.“

 Marianne Rump hat die Entschuldigung inzwischen angenommen. Sie steigt trotzdem jedes Mal mit einem unguten Gefühl in den Bus. „Ich bin sehr wachsam und beobachte inzwischen alles“, sagt sie. Die vergangenen Tage beruhigten sie da auch nicht. Denn nun kommt ihre Linie regelmäßig zu spät, und sie ist damit erneut unpünktlich an der Arbeitsstelle. „Zehn Minuten Verspätung sind inzwischen der Durchschnitt.“ Auch das kann die KVG bestätigen. „Anhand unserer GPS-Protokolle konnten wir feststellen, dass die Verspätung auf der Tour nach Strande entsteht“, so KVG-Pressesprecherin Andrea Kobarg. „Zum großen Teil ist dies einer Baustellensituation im Bereich Stormarnstraße/Alte Lübecker Chaussee geschuldet.“

 Dazu kämen die gerade aktuellen Sperrungen am Exerzierplatz durch die Baltic Horse Show, eine Baustelle im Bereich Knooper Weg und Asphaltierungsarbeiten auf der B503. „Da in Kiel kaum Busspuren vorhanden sind, ist ein Fortkommen unserer Fahrzeuge auch immer abhängig vom zügigen Vorankommen anderer Verkehrsteilnehmer, was zurzeit auf einigen Fahrten gerade im morgendlichen Berufsverkehr in der Innenstadt nicht der Fall ist“, so die Sprecherin. Und da muss Marianne Rump nicken. „Ja, die Baustellen in Kiel sind zurzeit wirklich furchtbar.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Dreimal hat Marianne Rump schon erlebt, dass sich der Bus der Linie 902 S auf dem Weg in die Kieler Innenstadt verfahren hat.

Nach unserer Berichterstattung über die Irrfahrten der KVG kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, dass Busfahrer viel zu schlecht in Streckenverläufe eingewiesen werden.

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