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Klaus Schlie: „Ich bin absolut beschämt“

Verletzter Polizist Klaus Schlie: „Ich bin absolut beschämt“

Am Mittwoch überreichte Landtagspräsident Klaus Schlie in seiner Funktion als Vorsitzender des Hilfs- und Unterstützungsfonds der Polizei dem im Juli in Kiel-Gaarden verletzten Polizisten einen Gutschein über einen Kur- und Betreuungsaufenthalt im Sauerland für die vierköpfige Familie.

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Landtagspräsident Klaus Schlie übergibt dem Polizisten, der im Juli brutal attackiert wurde, einen Kurgutschein. Der 37-jährige Beamte möchte weder genannt noch von vorn gezeigt werden.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Dreimal pro Tag werden Polizisten in Schleswig-Holstein im Schnitt Opfer von Widerstand und Gewalt. Laut Polizei ist die Tendenz 2016 steigend. Einen besonders schlimmen Fall erlebte ein 37-jähriger Polizist vor anderthalb Monaten in Gaarden. Hinterrücks und ohne Vorwarnung wurde der Beamte des 4. Polizeireviers beim Streifendienst brutal von einem 20-Jährigen attackiert, erlitt schwere Kopfverletzungen und Knochenbrücke (wir berichteten). Am Mittwoch überreichte ihm Landtagspräsident Klaus Schlie in seiner Funktion als Vorsitzender des Hilfs- und Unterstützungsfonds der Polizei einen Gutschein über einen Kur- und Betreuungsaufenthalt im Sauerland für die vierköpfige Familie.

 Dem muskulösen Polizeiobermeister mit freundlichem Gesicht und gestutztem Vollbart war bereits 2014 im Dienst das Handgelenk gebrochen worden. „Ich bin absolut beschämt, dass Sie und Ihre Familie zum zweiten Mal diese körperlichen und seelischen Schäden verarbeiten müssen“, sagte Schlie. Seit der jüngsten Attacke ist der Beamte dienstunfähig. „Mir geht es soweit ganz gut“, schätzte dieser seinen Gesundheitszustand selbst ein. Nur der Fuß mache ihm noch leichte Probleme. Aber er habe zuhause genügend Abstand von dem Vorfall gefunden und werde, sobald der Arzt zustimmt, den Dienst im 4. Revier wieder antreten.

 Bei dem Täter handelt es sich um einen polizeilich bekannten Intensivtäter. Er muss sich laut Polizei demnächst vor dem Jugendschöffengericht in Kiel verantworten. Zusammen mit anderen hatte er in der Nacht zum 31. Juli einen Streifenwagen mit einem Laserpointer geblendet. Als der 37-jährige Polizist die Personalien der Männer feststellen wollte, schlug ihn der 20-Jährige mit türkischer Abstammung dreimal ins Gesicht und trat auf ihn ein. Der Polizist ging zu Boden, erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma sowie Brüche an Nase, Augenhöhle und Jochbein und einen Bänderriss am Fuß. In der Polizeimeldung hieß es, der Beamte sei beim Sturz gegen einen Mauervorsprung geschlagen. „Ich bin aber auf keine Mauer gefallen“, stellte der Betroffene nun klar. „Das ist mir ganz wichtig. Es ist ein Unterschied, dass die Verletzungen allein durch den Schlag kamen.“

 Nach der Tat hatte die Staatsanwaltschaft wegen fehlender Haftgründe keinen Haftbefehl gegen den Schläger beantragt. Welche Strafe ihn im laufenden Verfahren erwarten, kann laut Frank Matthiesen, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Kiel, nicht prognostiziert werden. Der verletzte Polizist tritt als Nebenkläger auf und machte klar: „Das Strafmaß ist mir nicht unwichtig.“

 Die Regionalgruppe Kiel der Polizeigewerkschaft (GdP) nahm den Fall zum Anlass, sich für Bodycams starkzumachen. Der Einsatz der Kameras am Körper habe in Hessen gezeigt, dass der Widerstand gegen die Beamten um 40 Prozent zurückgegangen sei. „Wir fordern, dass Bodycams hierzulande nicht nur in Eutin, sondern auch bei Polizeieinsätzen in Gaarden und anderen Brennpunkten erprobt werden“, sagte Karl-Hermann Bruhn von der GdP.

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