15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Flüchtlingskinder lieben die Schatzkiste

Vernetzungstreffen Flüchtlingskinder lieben die Schatzkiste

Die Kulturkiste kommt besonders gut an bei Flüchtlingskindern. Das Projekt, das für Fünf- bis Zwölfjährige in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes angeboten wird, wurde im November 2015 unter der Trägerschaft des Musiculums angeschoben. Nach einem Jahr war es nun an der Zeit für eine erste Manöverkritik.

Voriger Artikel
Brücken zu den Partnerstädten bauen
Nächster Artikel
Bürgerpreis für Faiza Tahir

Barbara Hielscher, Franny Petersen-Storck und Sabine Ebel-Urbanyi (von links) arbeiten und basteln mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen in der „Werkstatt für Exploralismus“ im Anscharpark.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Auch andere Kulturschaffende haben zu dieser Zeit Projekte für Flüchtlingskinder initiiert. Im Beisein von Kulturministerin Anke Spoorendonk wurden positive Entwicklungen und bestehende Problemfelder dieser Projekte erörtert. Diese mussten wie viele Hilfsprogramme mit der großen Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr schnell anlaufen.

 Auf die Kulturkiste stürzten sich die Kleinen mit großer Freude: „Die Kinder haben gleich begeistert gespielt“, erklärt Anne Hermans, Geschäftsführerin des Musiculums. Kulturvermittler Moses Merkle war mit der Schatzkiste voller Spiele in diversen Einrichtungen. „Das Problem war eher die Organisation, manchmal waren gar keine Kinder da.“ Er regte an, die Kiste um ein paar handwerkliche Elemente zu erweitern. „Viele Flüchtlingskinder häkeln oder stricken gern.“

 Insgesamt 21 dieser Kisten wurden zusammengestellt. „Jetzt wurden einige Erstaufnahmen wieder geschlossen, aber die Kisten kommen trotzdem zum Einsatz, weil wir sie anderen Projekten zur Verfügung gestellt haben“, sagt Hermans. Eines davon ist das Kulturmobil der Vorwerker Diakonie und der Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Schleswig-Holstein (LKJSH). Das Mobil besucht Flüchtlingseinrichtungen mit verschiedenen Kunst-, Musik- und Kulturangeboten. Während Alexander Luttmann, LKJSH-Geschäftsführer, auf die Mobilität setzt, lockt Künstler Franny Petersen-Storck die Flüchtlingsfamilien in sein Atelier, das in direkter Nachbarschaft zur Erstaufnahmeeinrichtung im Anscharpark liegt. „Wir wussten nicht, was passiert, als wir das Angebot starteten, Dolmetscher hatten wir auch nicht, es ging alles mit Händen und Füßen“, erinnert sich der Künstler. Das Vertrauen der Familien war schnell da, seitdem kommen regelmäßig Kinder vorbei, um zu malen, basteln, musizieren oder Schmuck zu kreieren. „Wir hätten düstere Bilder erwartet bei den teils schweren Traumata der Kinder, aber die Bilder sind durchweg eher bunt und fröhlich.“

 Spoorendonk unterstrich die Wichtigkeit der Projekte: „Wir brauchen neben Schulbildung auch außerschulische kulturelle Bildung.“

 Dennoch sahen die Kulturschaffenden in vielen Bereichen Verbesserungsbedarf: Das Problem der Finanzierung betreffe schulische wie außerschulische Projekte gleichermaßen. Ein weiteres Problem sei, dass die Kinder zu den Angeboten befördert werden müssen, gerade auf dem Lande. „Man muss zudem mehr Expertenwissen einfließen lassen. Viele geflohene Kinder kennen es zum Beispiel nicht, bei Liedern mitzusingen“, erklärt Jörg-Rüdiger Geschke, Daz-Lehrer aus Mölln.

 Generell wurde aus den Gesprächen der Beteiligten deutlich, dass ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch wichtig ist, damit sich die einzelnen Projekte gegenseitig vernetzen und unterstützen können.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3