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Mordversuch an der Schwiegermutter

Vier Jahre Haft Mordversuch an der Schwiegermutter

Er presste seiner Schwiegermutter (81) eine Plastiktüte auf das Gesicht, bis sie bewusstlos zusammenbrach. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Kieler Landgericht gestern einen 58-jährigen Familienvater zu vier Jahren Freiheitsstrafe.

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Der 58-jährige Angeklagte hat nach Überzeugung des Gerichts versucht, seine 81-jährige Schwiegermutter zu ersticken.

Quelle: Olaf Malzahn

Kiel. Die Schwurgerichtskammer sah zahlreiche Milderungsgründe. Der Angeklagte war hochgradig alkoholisiert, als er die rüstige Seniorin am Nachmittag des 11. März 2017 in ihrem Wohnheim am Südfriedhof besuchte. Grund seiner depressiven Verstimmung war laut Urteil der Gesundheitszustand seiner auf den Rollstuhl angewiesenen Ehefrau. Nach gerade überstandener Krebserkrankung hatte sie einen schweren Schlaganfall erlitten.

Mit der Versorgung der teilweise gelähmten Schwerbehinderten, die kaum mehr sprechen konnte, war der gelernte Bilanzbuchhalter seit Monaten überfordert. Schon am Vortag war er durch die Kneipen zwischen Cap und Ringstraße gezogen, um vor den Problemen zu Hause zu flüchten. Zur Tatzeit hatte er laut rechtsmedizinischem Gutachten zwischen 2,5 und 3,1 Promille Alkohol im Blut.

Der genervte Angeklagte will ihr „nur über den Mund gefahren“ sein, für das Gericht „ein Euphemismus, wie er im Buche steht“. Laut Urteil war er überzeugt, die 81-Jährige getötet zu haben. Doch als er das Zimmer verlassen hatte, kam sie wieder zu sich. Verwirrt, verängstigt, zerzaust und von rötlichen Druckstellen im Gesicht und an den Handgelenken gezeichnet, vertraute sich die Frau dem Pflegepersonal an. Im Prozess machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, umso mehr Bedeutung kam den Aussagen ihrer Betreuerinnen zu.

Im geringen Verfolgungsinteresse des Opfers sah die Kammer einen weiteren Milderungsgrund. Mit der Spontantat habe der nicht vorbestrafte Angeklagte seiner Familie schwer zugesetzt, führte der Vorsitzende Jörg Brommann aus. Nach seiner Inhaftierung musste die Ehefrau in ein Pflegeheim, der Sohn fiel durchs Abitur, die Geschädigte ist psychisch stark beeinträchtigt.

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