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Nur wenige Demonstranten nach Kopftuch-Attacke

Vinetaplatz Gaarden Nur wenige Demonstranten nach Kopftuch-Attacke

Weitaus weniger Menschen als von den Veranstaltern erwartet haben an diesem Sonnabend auf dem Vinetaplatz im Stadtteil Gaarden für religiöse Toleranz und gegen Gewalt demonstriert. Angemeldet waren 2000 Teilnehmer, tatsächlich waren es dann allenfalls 150.

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Orhan Cerrah klagte bei der Kundgebung auf dem Vinetaplatz über zunehmende Islamfeindlichkeit in Deutschland.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Die mit großem Aufgebot angerückte Polizei hatte sich gar auf 3000 bis 4000 Demonstranten eingerichtet.

Anlass für den überschaubaren Aufmarsch war die Attacke auf eine türkischstämmige Frau, die genau eine Woche zuvor, wohl nur weil sie ein Kopftuch trug, auf offener Straße zusammengeschlagen worden war. 24 Jahre nach den tödlichen Brandanschlägen auf von türkischen Familien bewohnte Häuser in Mölln sei es „leider wieder soweit, dass wir auf die Straße gehen müssen“, sagte Orhan Cerrah, der sich in der Moschee „Ulu Camii“ in der Gaardener Elisabethstraße engagiert und zu der Demonstration aufgerufen hatte. Cerrah warnte davor, dass sich das politische und gesellschaftliche Klima in Deutschland „sehr besorgniserregend“ verändere und beklagte eine zunehmende Radikalisierung der Mitte. Islamfeindlichkeit breite sich bis weit in bürgerliche Kreise hinein aus.

Bei der kurzen Kundgebung auf dem Vinetaplatz blieb es dann auch. Auf den geplanten Demonstrationszug in die Innenstadt verzichteten die Veranstalter wegen der geringen Teilnehmerzahl. Der mäßige Zulauf erklärt sich auch damit, dass große Vereine wie die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein oder der Inter Türkspor Kiel nicht dabei waren beziehungsweise sich mehr oder weniger offen von der Demonstration distanziert hatten, weil sie einen polarisierenden Effekt fürchteten.

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Foto: Shazia Chaudhry (24) trägt bewusst ein Kopftuch und wünscht sich mehr Offenheit in der Gesellschaft.

Shazia Chaudhry ist eine selbstbewusste deutsche Frau. Die 24-Jährige wird Gymnasiallehrerin, schreibt gerade an ihrer Abschlussarbeit, engagiert sich für Frauenrechte, hält Vorträge über den Islam. Eine Persönlichkeit mit vielen Facetten. Doch allzu oft wird sie auf ein Kleidungsstück reduziert: das Kopftuch.

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