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Wie Nähen und Kochen cool wird

Vinetazentrum Gaarden Wie Nähen und Kochen cool wird

Projekte im Vinetazentrum in Kiel-Gaarden vermitteln Fähigkeiten für den Alltag und für den Beruf. Und sie sind bei jungen Frauen überraschend beliebt.

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Schick mit Selbstgenähtem: Diwa-Mitarbeiterin Britta Kypet mit Jana Wolf, Medine Gündogan, Helena Wawerla, Aylin Sahin und Özlem Will (v. li.).

Quelle: Martin Geist

Kiel. Aida, Diwa, Uschi: Das hört sich cool bis ganz lustig an, enthält aber Sachen, die erst einmal reichlich uncool wirken: Kochen, Nähen, Mathe lernen und Berufsfindung. Umgesetzt werden diese langweilig anmutenden Tätigkeiten im Vinetazentrum aber wiederum ziemlich cool. „Kochen? Kann ich nicht.“ „Nähen? Ich hab zwei linke Hände.“ Solche Sätze waren oft zu hören, als es losging mit dem Projekt Diwa, erzählt Petra Tudor vom Vorstand des Vinetazentrums. Diwa, das bedeutet „Der innovative Wiedereinstieg Arbeit“ und enthält viel von der guten alten Hauswirtschaftsschule. Nähen, Häkeln, Stricken, Kleidung flicken und ähnliche Dinge stehen auf dem Programm. Dazu vegetarisches Kochen, preisbewusstes Einkaufen, Wäschewaschen und Putzen.

Zwölf arbeitslose, junge Frauen sind dennoch mit bemerkenswertem Elan dabei. „Aus ganz vielen Nationen kommen sie“, sagt Ulrike Porwitz, die zweite Hälfte des Vorstands im Vinetazentrum. Und allesamt kommen die Frauen auf den Geschmack, wenn sie erst einmal merken, dass es höchst individuell hergeht. Was gekocht oder genäht wird, gibt niemand vor, sondern wird von den Teilnehmerinnen selbst bestimmt. Auf diese Weise entstanden vom Kimono bis zum kompletten Kleid jede Menge Textilien, die schicker sind als vieles, das man kaufen kann – und vor allem wesentlich billiger. Ähnlich ist es mit dem Kochen. Schnell hat sich bei den jungen Frauen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Essen auch ohne Fleisch schmeckt und man durch bewusstes Kochen viel Geld spart.

Aida arbeitet an den Traumberufen

Aida bedeutet „Alleinerziehende in die Arbeit“ und rückt das Thema Traumberufe in den Mittelpunkt. Mögen die Vorstellungen noch so kühn anmuten, sie werden ernst genommen, um auf den jeweiligen Stärken der Frauen aufbauend diesen Träumen näherzukommen. Ob Floristin, Fotografin, Journalistin oder Beamtin, die Wünsche sind vielfältig, die Talente aber eben auch. Etwa im Fall von Britta Hartwig, die wunderbare Kurzgeschichten verfassen kann und dafür so viel Anerkennung erfährt, dass es sie bestärkt, egal welchen Weg sie letztlich einschlägt.

Schließlich gibt es im Mehrgenerationenhaus noch den Klassiker Uschi, „Unsere Schule im Stadtteil“. Schon im sechsten Jahr büffeln junge alleinerziehende Mütter Deutsch, Mathe und Co., um ihren Haupt- oder Realschulabschluss nachzuholen. Und teils auch, um am Ende noch höhere Ziele zu erreichen. Dajana Dunker (22) hat schon den Hauptschulabschluss, bereitet sich jetzt auf den mittleren Abschluss vor und will dann Abitur machen. „Die Unterrichtszeiten sind super, die Kinder werden betreut, besser geht’s nicht“, schwärmt sie von den Bedingungen, die diese Stadtteilschule bietet. Und Uschi Kalb, die sich erst einmal auf den Hauptschulabschluss vorbereitet, fügt hinzu: „Die Lehrer hier sind super.“

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