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Projekt "Viola" soll helfen

Hoffnung für Langzeitarbeitslose Projekt "Viola" soll helfen

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist ein hartnäckiges Problem in Kiel. Zurzeit sind 4 800 Betroffene vom Jobcenter abhängig. Am Dienstag startet das millionenschwere Projekt Viola: Es soll Langzeitarbeitslosen wieder einen Arbeitsplatz bringen – keinen Ein-Euro- oder Minijob, sondern eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle.

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Sie stehen hinter Viola (von links): Antje Burmeister (Coach) und Kerstin Witt (Koordinatorin der Coaches) von der DAA und die Betriebsakquisiteure Heiko Schuster und Thomas Bracker sowie Projektleiterin Doris Brügmann vom Jobcenter Kiel.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Das Geld für das Programm kommt vom Europäischen Sozialfonds und war heiß begehrt in den Jobcentern der Republik. In Norddeutschland hat Kiel mit 121 geförderten Plätzen den größten Anteil an Land gezogen. Hamburg hat 100 Plätze erhalten. Insgesamt stehen für Kiel damit 4,1 Millionen Euro bereit – für Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslosen eine Chance geben. Und für Langzeitarbeitslose, die für ihren Neustart tatkräftige Unterstützung bekommen.

 Die Mitarbeiter des Jobcenters haben 1500 Kieler herausgefiltert, die für Viola (Vermittlungs- und Integrationsoffensive für Langzeitarbeitslose) in Frage kommen könnten: Männer und Frauen ab 35 Jahre, die mindestens zwei Jahre lang arbeitslos sind und keine abgeschlossene oder verwertbare Ausbildung haben. Aber sie müssen auch wollen, denn die Teilnahme ist freiwillig. „Wir haben auch schon mit Etlichen gesprochen. Viele sind aber unsicher. Erstens haben viele einen kleinen Nebenjob – den müssen sie aufgeben. Vor allem ist ein Neustart oft mit Angst verbunden. Viele trauen sich das einfach nicht mehr zu“, sagt Projektleiterin Doris Brügmann.

 Eine Angst, die offenbar nicht unbegründet ist. Gerade am Anfang gebe es oft Stolpersteine, berichtet Arne Krasemann, Bereichsleiter für die sechs Kieler Jobcenter: Da weiß man nach jahrelanger Arbeitslosigkeit einfach nicht mehr, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer rechtzeitig zum Arbeitsplatz kommt. Oder man kann das Arbeitstempo der Kollegen nicht mithalten. Oder man hat einfach keinen Menschen mehr, der einem in der neuen Situation zur Seite steht.

 „Wir versuchen daher seit längerem, diesen Kunden jemanden an die Seite zu geben. Aber solch einen Coach aus Bordmitteln hinzukriegen, ist kaum machbar, wenn eine Integrationsfachkraft bis zu 300 Menschen betreuen muss“, sagt Karsten Böhmke, seit gut einem Jahr Geschäftsführer des Jobcenters Kiel. „Ich bin deshalb froh, dass wir einen guten Anteil an dem Programm nach Kiel holen konnten. So etwas haben wir immer gefordert. Ich hoffe sehr, dass es nun erfolgreich ist und dann zum Standard wird.“

 Bis dahin soll nun Viola helfen: Als Erstes werden die Stärken eines Langzeitarbeitslosen herausgefiltert. Dann versuchen Betriebsakquisiteure wie Thomas Bracker und Heiko Schuster einen Arbeitgeber zu finden, der diesen Arbeitnehmer gebrauchen könnte. „Wir sind die Lobbyisten für Langzeitarbeitslose“, sagt Bracker, „und Viola bietet den Arbeitgebern ja Einiges – nicht nur einen Lohnkostenzuschuss über 18 Monate.“

 Dazu werden notwendige Qualifizierungen vor und nach der Arbeitsaufnahme bezahlt. Die Deutsche Angestellten-Akademie sorgt für diese Qualifizierung. Vor allem aber stellt sie die Coaches wie Antje Burmeister. Bis zu 15 Neustarter und ihre Arbeitgeber wird die Pädagogin begleiten. Ihr Ziel: Stolpersteine zu erkennen, gemeinsam aus dem Weg zu räumen und so den Arbeitsplatz dauerhaft zu sichern.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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