4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Quallenschwarm erobert die Hörn

"Völlig normal" Quallenschwarm erobert die Hörn

Wer dieser Tage an der Kieler Hörn ins Wasser blickt, schaut in einen Schwarm von Quallen. Tausende treiben derzeit hier im Hafenbecken und sorgen für Aufsehen unter den Besuchern. „Das ist total normal“, beruhigt Jamileh Javidpour vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Voriger Artikel
Eltern zahlen 1000 Euro pro Schuljahr und Kind
Nächster Artikel
Wie kam das Auto in die Förde?

Unzählige Quallen werden derzeit vom Wind in das Hafenbecken an der Hörn getrieben.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich mit dem Lebensraum von Quallen und ist von der derzeitigen Situation in der Förde keineswegs überrascht. „Wir hatten einen sehr milden Winter. Deshalb konnten sich die Quallen gut vermehren und im Laufe des Jahres wachsen“, erklärt sie auch mit Blick auf die bisher erhobenen Daten. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind dieses Jahr aber deutlich weniger Quallen da.“

Dass gerade an der Südspitze der Hörn so viele der Nesseltiere zu sehen sind, erklärt Javidpour mit dem Wind. „Quallen können nicht gegen die Strömung schwimmen, sie zählen zum Plankton und lassen sich von der Strömung treiben.“ Wenn der Wind aus Westen kommt, werden sie in die Förde hineingetrieben, so lange bis die Hafenwände sie stoppen. Wenn der Wind dreht, treiben die Quallen folglich wieder hinaus.

Keine große Aufregung

Ohrenquallen und Feuerquallen seien derzeit in der Förde, erzählt die Wissenschaftlerin. Während Ohrenquallen für den Menschen vollkommen ungefährlich sind, können die Tentakel der Feuerquallen Gift verspritzen, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt. Die Verletzungen ähneln Verbrennungen und werden medizinisch ebenso behandelt. Bis zu zwei Meter können die Tentakel von Feuerquallen in der Förde lang werden, sagt Javidpour. Der Schirm sei bei ihnen schwierig zu messen, er falle aber deutlich kleiner als der der Ohrenqualle aus. Dieser misst im Normalfall rund 15 Zentimeter. Jarvidpour und ihre Kollegen haben aber auch schon Exemplare mit einem Schirm-Durchmesser von 25 Zentimetern entdeckt. „Ich bin schon gespannt darauf zu sehen, wie die Quallen bis Ende des Sommers wachsen“, sagt die Geomar-Wissenschaftlerin. Eine Besonderheit gebe es in diesem Jahr aber doch, erzählt sie dann. „Die Feuerquallen sind etwa ein bis zwei Wochen zu früh da. Wahrscheinlich sind sie auch wegen des milden Winters früher geschlüpft.“ Diese Entwicklung habe nun Auswirkungen auf die Population der Ohrenquallen. Nach Berechnungen der Meeresforscher hätte die nämlich deutlich höher sein müssen. „Feuerquallen fressen Ohrenquallen. Wir nehmen an, dass das der Grund ist, warum wir bisher weniger Ohrenquallen gezählt haben.“

Bei der Landeshauptstadt sorgen die Ohren- und Feuerquallen an der Hörn kaum für großartige Aufregung. Ende Juli und Anfang August seien hier regelmäßig viele Quallen, die kein Problem für den Schiffsverkehr darstellten, heißt es von Seiten der Stadt. Wenn durch den Wind allerdings Abfall und Algen in den „Quallenteppich“ getrieben würden, würden städtische Mitarbeiter diesen abfischen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3