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Klitschko zwischen Demonstranten

Vom Boxring zur Politik Klitschko zwischen Demonstranten

Es sind Bilder, die um die Welt gehen: Auf dem Maidan in Kiew prallen zwei Fronten voller Wut aufeinander. Auf der einen Seite die Demonstranten. Sie fordern eine gerechtere Ukraine ohne Korruption und vor allem ohne den derzeitigen Präsidenten Viktor Janukowitsch an der Staatsspitze.

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Kämpfen ja, aber ohne Gewalt: Vitali Klitschko versucht, die wütenden Demonstranten zum friedlichem Protest zu bewegen.

Quelle: imago

Kiel. Ihnen gegenüber reiht sich die Polizei als ein Heer aus Schwarz auf – schwarze Helme, schwarze Schutzmontur, schwarze Schlagstöcke.

Mitten zwischen diesen Fronten steht Vitali Klitschko. Lautstark versucht er, sich  Gehör zu verschaffen, der rechte Arm ist warnend in Richtung der Demonstranten ausgestreckt. Bleibt zurück, will Klitschko sagen, lasst die Situation nicht eskalieren.  Es ist der 19. Januar 2014. Seit knapp zwei Monaten wachsen die Proteste vor allem in Kiew zu einer Massenbewegung an, Tausende versammeln sich auf dem dem Maidan.

Vitali Klitschko ist zu einem der bekanntesten Gesichter der Aufstandes geworden, vorbei sind die Zeiten, in denen die internationale Presse ihn als nur Kämpfer im Boxring zeigt. Nun ist er Kämpfer der Opposition. Immer wieder spricht er als Parteivorsitzender der Ukrainischen demokratischen Allianz für Reformen, kurz Udar, was übersetzt soviel wie „Schlag“ bedeutet, zu den Demonstranten. Er spricht von einer dem Westen zugewandten Ukraine, die einmal Teil der Europäischen Union sein könnte und in der sichere Arbeitsplätzen geschaffen werden.

Von diesen Zielen spricht Vitali Klitschko aber nicht erst, seitdem die Ukraine zum Schauplatz für einen regelrechten Volksaufstand geworden ist. Von dieser Zukunft für seine Heimat redet er bereits seit Jahren. 2010 gründet der zu diesem Zeitpunkt bereits Box-Weltmeister die Udar, die zwei Jahre später drittstärkste Fraktion des Parlaments wird. Und Klitschko strebt nach höheren Zielen – im Februar 2014 kündigt der damals 42-Jährige an, bei der im Mai bevorstehenden Wahl als Präsidentschaftskandidat ins Rennen zu gehen.

Nur knapp vier Wochen später rudert Klitschko wieder zurück. Es solle derjenige um das Amt des Staatsoberhauptes kämpfen, der „die größten Chancen auf den Sieg“ habe. Und das ist in Klitschkos Augen Petro Poroschenko. Der Box-Profi stellt sich hinter den heutigen Staatspräsidenten und schlägt für ihn mit die Wahlkampf-Werbetrommel.

Bereits vor Poroschenko macht sich 2004 ein Anwärter auf das Präsidentenamt den Namen Klitschko zunutze. Damals kämpft Viktor Juschtschenko um die politische Spitzenposition. Unterstützt wird er von beiden Klitschko-Brüdern: sowohl Vitali als auch Vladimir geben ihm in der Öffentlichkeit Rückendeckung.

Keiner der beiden Brüder kann damals erahnen, welche Parallelen dieser Wahlkampf mit der Zukunft aufweisen wird. Der politische Gegner heißt schon 2004 Viktor Janukowitsch. Rasch kommt gegen ihn der Vorwurf des Wahlbetrugs auf. Dieser gipfelt in der sogenannten Orangen Revolution, namentlich beeinflusst von der Wahlfarbe Juschtschenkos. Wochenlang wird protestiert. Auf dem Maidan. Unter den Demonstranten: Vitali Klitschko.

Doch die Bilder der beiden Revolutionen könnten unterschiedlicher nicht sein. Verläuft 2004 alles friedlich, gipfelt der Euromaidan-Aufstand am 18. Februar 2014 im „blutigen Dienstag“. Tagelange Straßenschlachten entfachen, die mehr als 100 Todesopfer fordern.

Auch Vitali Klitschko zeigt sich schwer erschüttert. Ja, er hatte einen Kampf gefordert. Denn „ohne Kampf gibt es keinen Sieg“. Aber stets habe er betont, dass es ein friedlicher Kampf bleiben müsse. Mit der Regierung Janukowitschs versucht er, einen Kompromiss auszuhandeln. Am 21. Februar schließlich besiegeln der Staatspräsident und der Oppositionsführer per Handschlag einen Waffenstillstand. Eine Geste, die viele Demonstranten als Verrat auffassen. Für Janukowitsch wird es eine der letzten Amtshandlungen sein. Am nächsten Tag übernehmen seine Gegner die Macht.

Nur knapp drei Monate später finden in der Ukraine am 25. Mai 2014 neue Wahlen statt. Sie werden zum Sieg für Poroschenko als neuen Staatspräsidenten. Und auch für Klitschko: nachdem er bereits 2006 sowie 2008 kandidiert hatte, wird er zum Bürgermeister Kiews gewählt. Nur wenige Monate später bezeichnet er den Chefsessel im Rathaus als „elektrischen Stuhl“. Politik ist ein mühsamer Kampf, in kleinen Schritten. Doch seine Ziele sind für Vitali Klitschko immer noch dieselben: eine offenere, eine demokratischere Ukraine. So wie er sie bereits seit Jahren beschreibt.

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Ein Artikel von
Susann Burwitz
Nachrichten- Redaktion

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Hermann Ehlers Preis
Foto: Verleihung des Hermann Ehlers Preises an Vitali Klitschko im Kieler Schloss. Hier mit Frau Natalia.

Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko hat bei seinem Besuch in Kiel mehr Unterstützung der Europäischen Union in der Ukraine-Krise gefordert. Das Land befinde sich „in einer tiefen finanziellen Krise“ und im Krieg, sagte Klitschko, der im vergangenen Mai zum Bürgermeister Kiews gewählt worden war.

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