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Fliegen auf Sicht bis nach Afrika

Von Holtenau Fliegen auf Sicht bis nach Afrika

Für das Kieler Paar Jola und Christian Weidner ist Fliegen einfach Freiheit. Allerdings unter den Wolken, denn sie fliegen nach Sicht. Mit ihrem zweisitzigen französischen Sportflugzeug starteten sie nach einem Jahr Planung am 18. Januar Richtung Afrika – 8000 Kilometer vor sich und das Ziel Serengeti immer im Blick.

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Viel Platz ist nicht in dem etwa 52 Jahre alten französischen Sportflieger, in dem Jola und Christian Weidner von Kiel aus bis nach Tansania flogen.

Quelle: Petra Krause

Kiel. Die Leidenschaft fürs Fliegen brachte die beiden 2007 beim Luftsportverein Kiel zusammen. Jola infizierte sich mit neun Jahren auf ihrem ersten Urlaubsflug mit dem Virus. Dieses Gefühl beim „Gas geben und abheben“ hatte sie gepackt. Als sie mit 14 endlich in die Lüfte durfte, belegte sie einen Segelflieger-Schnupperkursus. Nach dem Abi wusste sie: „Ich will Pilotin werden.“ 2007 bestand sie die Aufnahmetests und machte ihre Fluglizenzen. Auch Christian kam schon früh zum Segelfliegen und verpflichtete sich 2003 bei der Bundeswehr und flog bis 2013 von Hohn aus eine Transall. Noch während der Bundeswehrzeit machte er seine zivilen Lizenzen. Für ihre Reiselust bevorzugen die Piloten zweier großer deutscher Luftfahrtgesellschaften aber die kleinere Variante. Denn Christian fühlt sich in großen Urlaubsfliegern eingepfercht.

 So kauften sie im März 2013 die „Jodel DR 1050“, um unabhängig zu reisen. Gleich im Sommer ging es nach Schweden, im Herbst nach Korsika. Nach Sicht fliegen heißt aber: „Man fliegt, wenn das Wetter gut ist und da, wo das Wetter gut ist“, sagt die 28-Jährige. „Wer so fliegen will, muss Zeit haben“, ergänzt der 33-Jährige. Wenn das Wetter mitspielt, schaffen sie 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung. „Mein Vater sagte zwar immer, flieg nicht über den Flughafenzaun“, sagt Christian: Aber die Sorge, die Maschine stehen lassen zu müssen, kennen die beiden nicht. Dafür ist die himmlische Verlockung zu groß. Bei Christian ist es, „die Freiheit und das Abenteuer, an Orte zu kommen, wo andere nicht hinkommen“. Und Jola sagt: „Man nähert sich einem Land aus der Luft. Grenzen wie auf einer Karte sieht man hier oben nicht.“

 Über Italien, Griechenland, Ägypten, Sudan und Kenia landeten sie etwa zwölf Tagesetappen später am Kilimandscharo. Die Notausrüstung mit Schwimmwesten, Rettungsinsel, Signalmitteln, Überlebensanzügen, Wasser, warmen Klamotten, Taschenlampen, Zelt sowie Essen für fünf Tage, war immer dabei. „In Afrika verbringt man viel Zeit mit Bürokratie“, so Christian. Angst kennen die beiden kaum. Einzig vor Ägypten war ihnen etwas mulmig. „Der Luftraum gehört dem Militär, es kann jederzeit geschlossen werden“, sagt Christian. Dazu ein riesiger bürokratischer Akt und hohe Kosten – allein die Landung mit den Gebühren für alle Dokumente und Benzin kostete 700 US Dollar.

 Ab Kenia begann dann für beide der Urlaub. Viel Zeit hatten die beiden nicht auf der Erde, aber die stundenlangen Flüge über die sich ständig verändernde Wüste waren unvergesslich. Am beeindruckendsten fanden sie aber den Ngorongoro-Krater von 18 Kilometern Durchmesser unweit der Serengeti. „Das ist wie in einem Zoo ohne Zäune mit Seen, Flüssen, grünen Wiesen – einer riesige Artenvielfalt auf kleinstem Raum“, schwärmt Jola. „In so einem Moment fühlt man sich wirklich privilegiert, mit einem eigenen Flieger darüber zu schweben und selbst entscheiden zu können, wie viele Kurven man fliegt“, sagt Christian ehrfürchtig.

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