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Immer mehr Obdachlose in Kiel

Vor dem Winter Immer mehr Obdachlose in Kiel

In Kiel hat sich die Zahl der Wohnungslosen von 360 im Jahr 2013 (257 Männer und 103 Frauen) bis auf 635 heute (488 Männer und 147 Frauen) fast verdoppelt. Diese Parallele zur Bundesentwicklung bestätigt Karin Helmer, Geschäftsführerin der Stadtmission.

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Diese Kinder haben einen Taler in der Weihnachtszeit übrig: Spenden ermöglichen Bettlern und Obdachlosen in Kiel zumindest kleine Besorgungen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Sie sagt: „Das hat verschiedene Ursachen.“ Von Armut und teurem Wohnraum über psychische Erkrankungen bis zu Alkohol- und anderen Drogenproblemen. In vielen Fällen muss der Weg auf die Straße aber nicht die Endstation sein, so Helmer. Die Sozialarbeiter der Stadtmission durchstreifen die Stadt und stellen Kontakt zu den Obdachlosen her, um langfristig andere Perspektiven zu eröffnen – doch die Herausforderungen sind groß.

„Man braucht eine Wohnung, um einen Job zu finden – und einen Job, um eine Wohnung zu finden“, fasst Heike Menrath das Dilemma zusammen. Ihre „Hilfsaktion für Kieler Obdachlose und ihre Vierbeiner“ ist als private lose Verbindung aus einer Facebook-Gruppe hervorgegangen. Mittlerweile sind sieben Personen regelmäßig in der Stadt unterwegs und versorgen Obdachlose. Außerdem gibt es zweiwöchentlich offene Küchen am Hauptbahnhof, jetzt im Winter sogar noch häufiger. „Wir sollten alle etwas weniger Arroganz an den Tag legen“, regt Menrath für den Umgang mit Obdachlosen an.

Im Winter werden die Plätze knapp

Gerade jetzt kämpfen die Wohnungslosen mit immer kälter werdenden Nächten. Die Plätze werden knapp: „Derzeit spitzt sich die Möglichkeit, obdachlose Menschen unterzubringen, wieder extrem zu“, sagt Helmer. „Die Hotels und Pensionen haben teilweise Schließungszeiten, oder sie sind ausgebucht.“ Und da sind auch Wohnungslose, „die jegliche Sozialkompatibilität verloren haben“. Sie haben eigentlich einen Schlafort, überdacht, versteckt, werden aber immer wieder vertrieben. „Für Personen, die die genannten Angebote nicht in Anspruch nehmen wollen, stehen die Erfrierungsschutzcontainer zur Verfügung“, erläutert Stadtsprecher Arne Ivers. „Der Standort wird den Betroffenen durch Anlaufstellen wie Stadtmission, Polizei und andere bekanntgegeben und zum Schutz nicht veröffentlicht.“

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Was ist bloß los in unserer Welt, in unserem Land? Die deutsche Wirtschaft prosperiert, an allen Ecken und Enden wird Geld verdient – Wirtschaftskrise und Eurokrise sind aus den Gedanken längst verschwunden – und doch geht es immer mehr Menschen immer dreckiger.

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