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Und plötzlich bist du ein Hehler

Vorsicht bei Schnäppchen Und plötzlich bist du ein Hehler

Die Flohmarktsaison ist vorbei. Schnäppchenjäger können hoffen, dass es ihnen nicht so geht wie Thomas Herdel. Der Kieler hatte ein Fahrrad auf dem Flohmarkt in der Innenstadt erworben. Als er es über Ebay verkaufen wollte, stand plötzlich die Polizei mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür.

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Mit diesem Fahrrad hat Thomas Herdel Glück. Ein anderes wurde von der Polizei sichergestellt. Der Kieler hatte es auf dem Flohmarkt gekauft, ohne zu wissen, dass es sich um Diebesgut handelte.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Fahrrad war gestohlen. Der Vorwurf: Hehlerei. Zum Glück hatte der ahnungslose Käufer weitsichtig gehandelt und konnte beweisen, wer ihm das Fahrrad verkauft hatte. Trotzdem hat er jetzt den Schaden: Das Fahrrad ist weg, das Geld auch.

 Dabei hatte Thomas Herdel alles richtig gemacht. Denn irgendwie kam ihm die Sache schon auf dem Flohmarkt komisch vor: „Der Verkäufer war ein älterer Mann, das Fahrrad aber ist ein sportliches Modell, ein Rennrad. Das passte nicht zusammen.“ Thomas Herdel war also stutzig, dennoch wollte er das Fahrrad gern für seine Kinder erwerben. Daher nannte er dem Verkäufer eine Bedingung: „Ich wollte das Fahrrad nur kaufen, wenn ich den Pass des Verkäufers fotografieren darf.“ Herdel ging davon aus, dass der alte Mann diesem Deal nur zustimmen würde, „wenn die Sache sauber ist“. Und so sah es ja auch aus. Der Verkäufer willigte ein, ließ seinen Personalausweis mit dem Smartphone abfotografieren. So wechselte das Rennrad für 150 Euro den Besitzer. Dennoch blieb Herdel skeptisch. Um sich abzusichern, fragte er Wochen darauf bei der Polizei an, ob das Rad als gestohlen registriert war. Doch die Rahmennummer tauchte im Register der Polizei nicht auf.

 Als seine Kinder Monate später kein Interesse mehr an dem Rad hatten, stellte der Familienvater Herdel das gebrauchte Stück auf der Online-Kleinanzeigen-Plattform wieder zum Verkauf ein. Es meldete sich ein Interessent. Was Herdel nicht wusste: Das war der ursprüngliche Besitzer des Fahrrads. Dieser hatte sein Eigentum entdeckt und war nun sicher, den Dieb erwischt zu haben. Er erstattete Anzeige und „informierte uns, dass er bereits Kontakt mit dem Verkäufer aufgenommen hatte“, berichtet Polizeisprecher Matthias Arends.

 Da sich Familie Herdel zwischenzeitlich entschieden hatte, das Fahrrad doch zu behalten, wurde die Polizei schnell aktiv. „Die Kripo stand mit drei Mann vor der Tür, und es kam zur Hausdurchsuchung“, erinnert sich Herdel. „Es hieß sogar, wären wir nicht zu Hause gewesen, hätten sie die Tür aufgebrochen. Das steht doch in keinem Verhältnis“, findet der Kieler. Aber für die Staatsanwaltschaft bestand der Verdacht der Hehlerei – kein Bagatelldelikt, sondern eine Straftat, die wie Diebstahl bestraft wird: mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe. Thomas Herdel rettete quasi das Handyfoto vom Pass des Verkäufers. Doch es bewahrte ihn nicht vor dem finanziellen Verlust: „Das Fahrrad wurde von der Polizei sichergestellt und an den ursprünglichen Besitzer übergeben“, berichtet Arends und klärt auch den Rest der Geschichte auf. „Wir haben den Flohmarktverkäufer befragt. Auch er konnte in der Vernehmung durch Zeugen glaubhaft machen, dass er das Fahrrad gekauft hatte.“ Der Verkäufer, wahrscheinlich derjenige, der das Fahrrad gestohlen hatte, konnte nicht ermittelt werden. Und so wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

 Thomas Herdel ist jetzt der Geschädigte. „Ihm bleibt noch der Weg der Zivilklage gegen den Flohmarktverkäufer“, so Arends. Doch Herdel winkt ab. Er befürchtet, am Ende auch noch auf den Anwaltskosten sitzen zu bleiben.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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