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Wer sind die digitalen Erben?

Vorsorge Wer sind die digitalen Erben?

Immer mehr Menschen sind im Internet aktiv. Facebook, Ebay, E-Mails: Im Todesfall treibt dieser digitale Nachlass Angehörige oft in die Verzweiflung. Datenschützer raten zur Vorsorge.

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Was wird aus den Spuren im Internet, wenn ein Mensch stirbt? In jedem Onlinekonto eines Verstorbenen können Rechte oder Verpflichtungen für die Hinterbliebenen schlummern.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Mitten im prallen Leben: Schnell postet Familienvater Max M. noch einmal auf Facebook die Einladung zu seiner Geburtstagsfeier am nächsten Freitag. Er schaut kurz bei Ebay rein, was seine sieben laufenden Auktionen machen. Und wenn er schon mal am Computer sitzt, schickt er auch gleich die Bestellung für die Partydeko an einen Online-Shop ab. Dann noch schnell ein paar schmachtende Sätze an die Geliebte geschickt. Die Anwaltspost im E-Mail-Postfach zu einer aktuellen Klage muss warten, antworten kann Max M. ja auch noch heute Abend. Doch das Leben ist nicht immer planbar. Max M. macht 30 Minuten später einen falschen Schritt im Straßenverkehr und stirbt. Sein digitaler Nachlass wird seine Angehörigen vermutlich in die Verzweiflung treiben.

 Wie bekommt man die Einladung auf Facebook gelöscht? Wer stoppt seine Auktionen? Was passiert mit der Partydeko? Und wer darf die E-Mails des Verstorbenen lesen? „Man kann nicht vorhersehen, wann man stirbt“, sagt die Datenschutzbeauftragte des Landes, Marit Hansen. „Deshalb sollte man sich schon jetzt kümmern.“ Die 46-Jährige weiß, wovon sie spricht. Gerade hat sie nach einem Todesfall im nahen Verwandtenkreis für Ordnung gesorgt. Sie war selbst überrascht, was da digital in einem Leben so alles zusammenkommen kann. „Manche haben nur zehn Kontakte zu Webanbietern, bei vielen sind es aber weit über 100. Und wenn dann die Erben keinen Überblick und schon gar nicht die Passwörter haben, kann das schnell zu einer langwierigen Geschichte werden.“ Immer mehr werde inzwischen digital abgewickelt. Und damit verbunden seien unglaublich viele Fragen.

 Beim Handy müsse man sich beispielsweise im Klaren sein, dass die abgemeldete Nummer nach einer gewissen Zeit neu vergeben wird. Nicht gelesene Whatsapp-Nachrichten des Toten werden dann womöglich an einen anderen Empfänger zugestellt. Und auch das Thema Diensthandy sei ein „heißes Eisen“, so die Datenschutzbeauftragte. „Für viele Firmen bedeuten die Kundenkontakte auf dem Handy bares Geld. Außerdem sind sie verantwortlich für den Schutz der Kundendaten. Aber oft wurde damit auch privat telefoniert, und die Erben würden das Telefon gerne behalten“, sagt Hansen. Eine Mischung privater und dienstlicher Nutzung sei immer problematisch. „Noch schwieriger für den Arbeitgeber wird es, wenn sich auf dem Privathandy Kundendaten befinden.“

 Praktische Probleme gebe es bei gekauften E-Books oder Musiktiteln, die digital heruntergeladen wurden: „Rechtlich ist klar: Das bekommt der Erbe“, sagt Marit Hansen. „Doch bevor der Account bei einigen Anbietern aufgelöst wird, kann man die Daten nicht auf den eigenen E-Reader oder Computer übertragen. Die Titel sind dann weg.“ Die Verbraucherschützer suchen noch nach einer Lösung. „Denn wenn der Verstorbene das Buch aus Papier oder die CD gekauft hätte, wäre das im normalen Nachlass.“

 Ein halbes Jahr brauchte Hansen, um bei ihrem verstorbenen Verwandten im digitalen Bereich aufzuräumen. „Und das, obwohl er für den Fall seines Todes schon vieles vorbereitet hatte“, ist sie selbst verwundert. Die Datenschutzbeauftragte rät: „Machen Sie sich bewusst, mit wem Sie digital überall Verträge eingegangen sind, und schreiben Sie das auf. Das geht vom Auktionshaus über den Buchshop bis zum Finanzamt, das die Steuererklärung online bekommt. Fügen Sie dann Informationen wie Kundennummern und Passwörter hinzu und packen Sie diese Liste in ein Bankschließfach oder verschlüsseln Sie sie auf einem USB-Stick.“ Und: „Legen Sie genau fest, wer Ihre Mails im Falle eines Todes lesen darf und wer sich kümmern soll.“ Gerade im Fall von Max M. und seiner Geliebten ein wichtiger Aspekt.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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