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Vorstellungsrunde ohne Polemik

SPD-Kandidatenkür Vorstellungsrunde ohne Polemik

Nach dem Testlauf vor dem Wiker SPD-Ortsverein ging es für die SPD-Kandidaten zur Oberbürgermeister-Direktwahl am Freitagabend ans Eingemachte. In der Mensa der Ricarda-Huch-Schule stellten sie sich der ersten öffentlichen Vorstellungsrunde – sachlich, ohne Seitenhiebe auf die Mitbewerber und mit einem Bekenntnis zu Kiel.

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Kiel. Die Kieler SPD hat die Qual der Wahl: Die „Zeit“-Redakteurin Susanne Gaschke (45) und Landeswahlleiterin Manuela Söller-Winkler (50) wollen Torsten Albigs Nachfolge ebenso antreten wie der parteilose Chef des Stabes der Einsatzflotille 1, Jan Christian Kaack (49) und der Leitende Beamte Thomas Engel aus dem Bildungsministerium (54).

Vor rund 230 Interessierten, meist SPD-Mitgliedern, warben die Kandidaten für sich und ihre Positionen. Nach mehr als zwei Stunden war klar: Es wird eine schwere Wahl für die SPD-Mitglieder, die bereits am 11. August ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten küren. „Wir wollen mit dem öffentlichen Verfahren das Interesse an der OB-Wahl erhöhen. Es wäre ein starkes Zeichen, wenn der oder die OB von einer großen Anzahl von Bürgern gewählt werden“, eröffnete SPD-Kreis-Chef Rolf Fischer die Runde.

Für die Kieler SPD steckt die Suche nach Oberbürgermeister-Kandidaten voller Überraschungen. Zum ersten Mal treten mit Susanne Gaschke und Manuela Söller-Winkler zwei Frauen gegeneinander an. Es wird spannend am 11. August, wenn die Partei ihre Kandidatin kürt.

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Engel, der sich als Kieler mit Leib und Seele bezeichnete, will an herausragender Stelle für die SPD seine Heimatstadt zusammen mit der Ratsfraktion nach vorn und zur wirtschaftlichen Blüte bringen. „Ich bewerbe mich, um zu bleiben“, spielte er auf die Kritik an Albigs frühzeitigem Ausscheiden aus dem Amt an. Trotz der schlechten Haushaltslage hält er den Stellenabbau in der Verwaltung mit 4400 Mitarbeitern für den falschen Weg. Die Finanzen spielten neben der Bildung, Stadtentwicklung, Verkehr, Ansiedlung von Unternehmen und sozialen Fragen auch bei den anderen Kandidaten eine wichtige Rolle.

Susanne Gaschke, die ihm in alphabetischer Reihenfolge folgte und gleich mit Applaus begrüßt wurde, trat als Kielerin und Sozialdemokratin durch und durch auf: Promotionsstudium an der Universität, verheiratet mit dem Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels und eine Tochter, die den Jusos angehört. Das Oberbürgermeisteramt begreift sie politisch: „Ich bewerbe mich nicht um eine Planstelle in einer Behörde“. Sie wolle Politik nicht mehr nur bewerten, sondern auch machen. Während Engel einen Masterplan für das Ostufer als Schwerpunktthema nennt, tritt sie für ein Konzept der wachsenden Stadt mit vielen jungen Leuten und einer verstärkten Zusammenarbeit der Stadt mit den Hochschulen ein.

Der Marine-Offizier Kaack – „seit vier Jahren im schönsten Job außer Oberbürgermeister“ – führte seine Führungserfahrung ins Feld, auch bei internationalen Einsätzen. Die Stadt müsse mit ihrer Top-Lage und hohen Lebensqualität mehr punkten als bisher, auch bei Forschung, Wirtschaft und Bundeswehr sei noch viel mehr drin.

Die Juristin und Verwaltungsexpertin Söller-Winkler, verheiratet mit dem Marine-Sprecher Achim Winkler, bekannte sich dazu, dass ihr Herz seit vielen Jahren für die Kommunalpolitik schlägt. Als ihr Konzept bezeichnete sie eine sparsame sozial verantwortungsvolle Haushaltspolitik, eine Bürgergesellschaft und ein gutes Stadtmanagement. Bildung vor Straßenbau, stellte sie sich hinter Albigs früheren Wahlspruch. Wie stellen sich die Kandidaten zum Ungleichgewicht zwischen Ost- und Westufer? Wo sehen sie den größten städtebaulichen Handlungsbedarf? Aber auch warum trat Söller-Winkler erst jetzt mit der Bewerbung in die SPD ein? Sie habe der SPD immer nahe gestanden und jetzt am Anfang des Prozesses Farbe bekennen wollen, antwortete sie und erhielt Applaus.

Den bekam aber auch Kaack, als er begründete, warum er sich als Parteiloser bewirbt: „Ich wollte authentisch bleiben. Das wäre mir sonst zu opportunistisch gewesen.“ Das Rennen ist zwar noch offen, doch die Jusos gaben bereits bekannt, Susanne Gaschke zu unterstützen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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