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Walexperte: Delfin in Kiel ist "abgebrühter Bursche"

Mit neuen Videos Walexperte: Delfin in Kiel ist "abgebrühter Bursche"

Unser Delfin mischt diesen wunderbaren Spätsommer kräftig auf. Sobald er auftaucht, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Der Meeresbiologe Prof. Boris Culik bewertet sein Verhalten als freundlich.

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Walexperte Prof. Boris Culik macht sich für die Rettung von Schweinswalen stark. Immer wieder verenden die Tiere in Fischernetzen.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. KN-online bildet die Sichtungen auf einer Karte ab und veröffentlicht immer aktuellere Fotos in der Bildergalerie. Am Mittwoch wurde der Delfin schon vor dem Geomar gesichtet. Wie kommt es, dass dieser so zutraulich ist? „Delfine haben verschiedene Persönlichkeiten“, sagt der Meeresbiologe Prof. Boris Culik (57). „Es gibt scheue, aggressive und eben freundliche wie unseren hier.“ Der Experte beschäftigt sich seit Jahren mit Zahnwalen, zu denen die Delfine gehören. Zur Rettung der Schweinswale, den kleineren Verwandten des Delfins, hat er sich eine sensationelle Erfindung patentieren lassen.

Doch dazu später. Denn auch Boris Culik ist ziemlich beeindruckt von unserem Förde-Delfin. „Das scheint ein ziemlich abgebrühter Bursche zu sein“, sagt er mit Hochachtung in der Stimme. „Mal so locker durch die Holtenauer Schleuse zu schwimmen, ist kein Pappenstiel. Unter Wasser muss dort ein enormer Krach herrschen. Die Pumpen laufen, die Schiffsmotoren dröhnen und dann noch das rumpelnde Schleusentor...“ Am Montag schwamm der Delfin im Nord-Ostsee-Kanal bis nach Suchsdorf und Neuwittenbek. Was wäre, wenn er die längste künstliche Wasserstraße der Welt komplett durchschwimmen würde? „Das dürfte für ihn kein Problem sein“, sagt Culik. „Im Kanal gibt es genug Heringe, und die Schleuse in Brunsbüttel ist für ihn auch kein Thema.“ Nur das Wasser könnte kritisch werden, denn im Kanal fließt Süßwasser. „Da könnten sich Hautparasiten ansiedeln.“ Doch bisher war der Delfin gegen Abend immer wieder in der Förde.

Begeisterung bei Schwimmern in Kiel-Holtenau...

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Eigentlich leben Delfine in der Nordsee. Schwimmen sie im Bereich Skagerak/Kategatt, dann gibt es drei schmale Eingänge in die Ostsee. „So landeten auch Selfie und Delfie im April bei uns“, erzählt Boris Culik. „Auch unser Delfin ist so ein Irrgast oder Scout. Das kann schon noch ein paar Wochen dauern, bis er zurückschwimmt. Aber eine Dauerpopulation von Delfinen gibt es in der Ostsee bisher nicht.“ Normalerweise sind Delfine in einer Gruppe unterwegs. „Sie berühren sich viel“, so Culik, „sie brauchen Kuscheleinheiten.“ Ob er deshalb aktiv den Schwimmern in der Förde entgegenkommt, um zu kuscheln? „Vielleicht“, so der Experte.

Ganz besonders ist auch die Sprache der Delfine. „Sie ist sehr, sehr komplex und völlig anders als die von Schweinswalen“, sagt der Meeresbiologe und erzählt von seinem aktuellen Projekt. Zusammen mit Wissenschaftlern aus Dänemark hat er die Klicklaute der Schweinswale analysiert und mit Situationen in Verbindung gebracht. Die Klickfolge in Angriffssituationen hat Boris Culik zusammen mit Matthias Conrad nun akustisch kopiert und in eine Art handgroßen Schwimmer eingebaut und das ganze Schweinswal-Alarm (PAL) genannt. Conrad ist Ingenieur bei der Kieler Firma Elac Nautic, die einst das Echolot erfunden hat. Bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie bei einigen Stiftungen wie der Loro-Park-Stiftung auf Teneriffa haben die beiden für rund fünf Jahre knapp eine Million Euro Fördermittel eingeworben.

Ihre Erfindung, die sich Culik 2013 patentieren ließ, schwimmt nun in den Netzen einiger Fischer von Strande, Eckernförde, Fehmarn sowie vor Kopenhagen. Das Ziel: Durch das akustische Signal des PAL, das in Schweinswal-Sprache so viel heißt wie „Hau ab!“ oder „Achtung“ soll verhindert werden, dass Schweinswale in Stellnetze schwimmen. „Die Fischer, die bisher unser System getestet haben, haben 90 Prozent weniger Beifang“, erzählt Culik. Noch bekommen sie zwar eine Aufwandsentschädigung bezahlt. Aber der Meeresbiologe hofft, dass seine Erfindung bald auch freiwillig genutzt wird. Denn damit werden nicht nur unzählige Schweinswale gerettet, die Fischer haben auch keinen Ärger mehr mit gerissenen Netzen. Und vielleicht, so Culik, könne man eines Tages ein spezifisches Warnsystem auch für Delfine entwickeln.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Fast wie im Delfinarium in Florida: Am Sonntag schwamm der Delfin wieder mit Badenden im Eingang zum Alten Schleusenkanal in Holtenau und zeigte überhaupt keine Berührungsängste.

Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht verbreitet, dass ein Delfin die Kieler Förde besucht. Gefühlt ist ganz Kiel auf den Beinen, um zumindest noch nach Feierabend einen Blick auf den verspielten Großen Tümmler zu werfen.

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