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Kämpfer sieht Kiels Mitte auf Erfolgskurs

Wandel hin zur Erlebnisstadt Kämpfer sieht Kiels Mitte auf Erfolgskurs

Kiels Innenstadt war 2016 ein beherrschendes Thema für das Rathaus und wird es auch in diesem Jahr noch stärker sein. Trotz so manchen Leerstands und etlicher Baustellen glaubt Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Ulf Kämpfer fest an die Zukunftschance des Zentrums.

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Online-Handel und Konkurrenz am Stadtrand und im Umland machen dem Handel in der Holstenstraße zu schaffen. Mit mehr Fährtouristen, neuen Wohnungen und Hotels setze man diesem Trend viel Positives entgegen, meint Kiels OB Ulf Kämpfer.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Bis 2020 werde in der Mitte der Stadt sehr viel passieren; mehr als 400 Millionen Euro sollen in die Gestaltung investiert werden. Die Alte Feuerwache als Wohnquartier bezogen, das Schlossquartier in der Entstehung, Start der Baumaßnahmen für das Holsten-Fleet in der zweiten Jahreshälfte, der zentrale Omnibusbahnhof im Bau – Kiels Innenstadt steht vor einem solch gewaltigen Umbruch, dass man sie 2019/2020 kaum noch wiedererkennen wird. „Man kann uns viel vorwerfen, aber nicht, dass wir nicht alles für die Innenstadt tun“, verweist der Verwaltungschef auf neue Initiativen. So sind im neuen Haushalt weitere 150000 Euro für den Rahmenplan „Perspektiven für die Innenstadt“ eingestellt. 100000 Euro will die Stadt in die Hand nehmen, auch um mit Hilfe eines Leerstandsmanagers zu verhindern, dass während der Bauarbeiten Geschäfte dauerhaft leer stehen. Weitere Themen in einem neuen Kreis von Vertretern der Stadt, Eigentümern und Kaufleuten werden eine gemeinsame Informations- und Imagekampagne mit Parkplatzmanagement, Neugestaltung der Holstenstraße und Aktionen während der Bauphase sein. Das nächste Treffen ist für März geplant.

"Wir schwärmen für die Kieler Innenstadt"

Kämpfer erwartet, dass auch die Wirtschaft ähnlich viel Geld wie die Stadt beisteuert, um „die drei kritischen Jahre“ gemeinsam zu bewältigen. Ein Baustellenmanager kümmere sich bereits seit Wochen um die Sorgen der Kaufleute. Unter dem Motto „Wir schwärmen für die Kieler Innenstadt“ soll, wie berichtet, künftig ein Fischschwarm auf blauem Grund auf jede Baustelle aufmerksam machen. Das neue Konzept soll signalisieren, dass man an einem Strang ziehe und ein einheitliches Marketing-Instrument habe.

Neue Ideen für den Kieler Umschlag

Neue Ideen sollen auch her, um Veranstaltungen wie den Kieler Umschlag aufzufrischen. Vorbild ist laut Kämpfer der Erfolg des neuen Weihnachtsmarktes: „Das war ein tolles Beispiel dafür, wie es gelingen kann, die Innenstadt zu beleben.“ Die Chance der Stadtmitte sieht er vor allem in der Nähe zur Förde begründet und in einem gelungenen Mix aus Erlebnis jenseits des Einkaufens, in neuen Lokalen, Cafés und saniertem Konzertsaal. Dass sich Kiel immer stärker zur Tourismus- und Erlebnisstadt wandelt, macht er auch an den zahlreichen Hotel-Planungen fest, die der Stadt mehr als 900 zusätzliche Betten bescheren sollen. Alle bisher bekannten Projekte werden aus seiner Sicht kommen: „Ich gehe davon aus, dass auch die Planung für das Hampton by Hilton neben der Sparkassen-Arena bald in trockenen Tüchern ist.“ In den nächsten Monaten beginnen am südlichen Bootshafen die Abriss- und Neubauarbeiten für Wohnungen und dem Bau von zwei Drei-Sterne-Plus-Hotels Ibis Styles und Adagio Access mit insgesamt 239 Zimmer. Darüberhinaus entstehen ein Hotel der Lindner-Gruppe an der Kaistraße ebenso wie das Atlantic Budget. Im ehemaligen Karstadt-Sport-Haus an der Holstenstraße baut die Novum-Gruppe ein Drei-Sterne-Hotel. Die laut gewordene Befürchtung, dass der Hotelboom zu groß für Kiel ausfällt, teilt Kämpfer mit Blick auf den wachsenden Kreuzfahrt-Tourismus nicht: „Wer bin ich denn, dass ich Investoren verschrecke, die bereit sind, viele Millionen Euros zu investieren. Ich würde mir wünschen, dass mehr Kieler und Kielerinnen das Potenzial der Innenstadt ähnlich groß wie Auswärtige sehen.“ Konkurrenz belebe den Wettbewerb, ist er sicher: „Die bestehenden Hotels werden sich bewegen müssen.“

Effekte der Einkaufszentren

Einkaufszentren wie der Sophienhof oder Citti-Park sind aus Sicht der Kieler Einkaufsstraßen-Kritiker der Grund für die Probleme der Innenstadt. Doch sind sie für sich erfolgreich, bieten sie der Innenstadt auch Chancen, wie Marktforscher bestätigen: Es gebe etliche Synergien zwischen dem gebündelt-überdachten Shoppingerlebnis und dem breiten Treiben in der Fußgängerzone – egal aus welcher Architekturperiode. „Ein Einkaufszentrum kann die Innenstadtfunktion übernehmen. Aber wenn sie stark ist, muss sich das Zentrum andocken“, sagt Manuel Jahn von der Gesellschaft für Konsumforschung aus Hamburg. Kiel sei dafür groß genug, müsse aber seine „Extremitäten“ (Sophienhof und Alter Markt) besser verbinden – wie ein großes Einkaufszentrum.

Kiel, deine Innenstadt

Ein multimediales Dossier zur Entwicklung der Kieler Innenstadt finden Sie hier.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Martina Drexler zu Kiels Innenstadt

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Der Streit über die Zukunft der Kieler Innenstadt bewegt sich derzeit zwischen den Polen Aufbruch im neuen Glanz oder Warnung vor einem Niedergang. Wie so oft liegt es am jeweiligen Betrachter, ob dieser eher die Chancen oder vorrangig die Risiken sieht.

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