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„Inklusion ist, wenn es keiner mehr merkt“

Wassersportler „Inklusion ist, wenn es keiner mehr merkt“

Am Sonntag ist es endlich soweit: Mit dem traditionellen Anpaddeln leiten knapp 120 Wassersportler des Kieler Kanu-Klubs (KKK), der Kanu-Vereinigung Kiel sowie der Kanusparten des TuS Gaarden, TSV Klausdorf und der Ellerbeker TV ab 11 Uhr auf der Schwentine die Freiluftsaison ein.

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Letzte Trockenübungen, bevor es wieder aufs Wasser geht: Die Truppe vom Handwerkerhof Fecit trainiert fleißig.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Wie in jedem Jahr ist auch die zehnköpfige Paddelgruppe des Handwerkerhofes Fecit, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Mettenhof, mit dabei. Neu ist hingegen, dass sechs von ihnen für die Inklusionsgruppe des KKK an den Start gehen. Schließlich sind die Kanuten mit geistiger Behinderung seit Beginn diesen Jahres vollwertige Mitglieder des Vereins.

 „Dass die Paddelgruppe Fecit beim Anpaddeln teilnimmt, ist schon feste Tradition“, erklärt Astrid Becker, „schließlich besteht die Zusammenarbeit zwischen dem Kieler-Kanu Klub und dem Handwerkerhof bereits seit über 20 Jahren.“ Umso mehr freut sich die zweite Vorsitzende des KKK darüber, dass der Verein knapp ein Jahr nach dem Start des Inklusionsprojekts, welches bereits im Januar von der Peter-Petersen-Stiftung mit 500 Euro prämiert wurde, die ersten Mitglieder aus den Reihen der Fecit-Gruppe begrüßen konnte. Gemeinsam trainiert haben die Wassersportler des KKK mit den neuen Vereinsmitgliedern bisher noch nicht. „Unser Ziel ist es, unsere Übungsleiter für das Training mit Behinderten zu qualifizieren“, erklärt Becker. Für den Herbst ist bereits eine Inklusionsregatta mit Teilnehmern aus anderen Bundesländern geplant. Der Schwerpunkt liege allerdings eindeutig auf der Teilnahme am Breitensport samt gemeinsamen Wanderfahrten, ergänzt Holger Suhk.

 Suhk war es, der die Paddelgruppe im Jahr 1985 mit einer Fahrt ins dänische Gudena aus den Angeln hob. Als Mitglied des Kieler Kanu-Klubs konnte der mittlerweile 67-Jährige, der bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren im Handwerkerhof als Sozialtherapeut im Metallbereich arbeitete, auf die Materialien des Vereins zurückgreifen. Es entwickelte sich eine feste Kanugruppe, die seitdem in der Paddelsaison stets einmal pro Woche auf dem Eiderkanal und dem Westensee trainiert. 2008 schloss sich die Fecit-Gruppe dem Landesverband Special Olympics Schleswig-Holstein an, dessen Dachverband Special Olympics Deutschland (SOD) die deutsche Organisation der weltweit größten, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) offiziell anerkannten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung ist. Diese Mitgliedschaft gipfelte darin, dass im Sommer vergangenen Jahres Suhk als Nationaltrainer der deutschen Delegation und Fecit-Kanutin Ulrike Schleising als Teilnehmerin bei den Special Olympics in Los Angeles dabei waren. „Ein tolles Erlebnis“, sagt Schleising, die im Einer über 200 Meter Gold und über 500 Meter Silber holte, und präsentiert stolz ihr von den Sportlern anderer Nationen unterschriebenes Paddel.

 Die 49-Jährige gehört zu den sechs Kanuten des Handwerkerhofes, die sich Anfang des Jahres dem KKK anschlossen. Doch ebenso wie die anderen fecit-Paddler legte auch sie sich im Winter nicht auf die faule Haut.

 Denn obwohl Initiator Suhk vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, leitet er weiterhin in der Wintersaison ehrenamtlich das Trockentraining der Gruppe. Die Teilnehmer kennen den Ablauf: Nach zwei lockeren Laufrunden durch die Gänge und den Innenhof der Werkstätten absolvieren sie im großen Saal der Einrichtung verschiedene Übungen mit den Paddeln, um motorische Fähigkeiten, Konzentration und Ausdauer zu trainieren. Insgeheim hofft der Pensionär jedoch, sich in zwei bis drei Jahren von seiner Tätigkeit zurückziehen zu können. Das würde nämlich bedeuten, dass die Entwicklung der Inklusionsgruppe kontinuierlich voranschreitet, getreu Suhks Motto: „Inklusion ist, wenn es keiner mehr merkt.“

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