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Mettenhof – der bunte Stadtteil

Weg mit den Vorurteilen Mettenhof – der bunte Stadtteil

Geht es darum, eine neue Wohnung in Kiel zu finden, herrschen in vielen Köpfen noch immer Vorurteile über den Stadtteil Mettenhof: Gesichtslose Hochhäuser, ein hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, sowie der ebenfalls hohe Anteil an Arbeitslosen und Hilfeempfängern. Doch das schlechte Image trügt.

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Die Silhouetten der Hochhäuser prägen das Image von Mettenhof.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Um es vorweg zu nehmen: Mettenhof ist in der Tat ein Stadtteil, der in vielerlei Hinsicht dringend Unterstützung bedarf. Das wissen nicht nur seine 19554 Einwohner, sondern das belegen auch die neusten Quartalszahlen (vom 31. März 2015) vom Amt für Wirtschaft der Landeshauptstadt: Verglichen mit anderen Stadtteilen leben im Kieler Westen die meisten Einwohner mit Migrationshintergrund (9003) sowie Ausländer (3013). Die Arbeitslosenzahl liegt mit 14,1 Prozent (bei den 15- bis 65-Jährigen) weit über dem Kieler Durchschnitt von 7,6 Prozent. Nur in Gaarden-Ost ist der Anteil mit 19,1 Prozent höher. Auch bei der Zahl der Familien und Einzelpersonen, die staatliche Leistungen wie Hartz IV und andere beziehen liegen Mettenhof (2527) und Gaarden-Ost (3716) Kiel weit an der Spitze.

 Von der Armut betroffen sind zum großen Teil die Kinder. „Mettenhof ist der kinder- und jugendreichste Stadtteil in Kiel“, erklärt Claudia Fröhlich, Leiterin des Stadtteilbüros Mettenhof. Das liege unter anderem auch daran, dass es im Stadtteil viele große, bezahlbare und oft barrierefreie Wohnungen gibt, die für Familien mit Kindern, Alleinerziehende und Menschen mit wenig Geld interessant sind.

 Das alles trägt dazu bei, dass Mettenhof als „sozialer Brennpunkt“ gilt. Doch den Begriff dürfe man deswegen nicht pauschal gleichsetzen mit kriminell und/oder bildungsfern. „Das stimmt so nicht. Die Lebensrealität in Mettenhof sieht definitiv anders aus“, so Fröhlich. Das bekräftigt auch Polizei-Dienststellenleiter Bernd Krüger: „Die Kriminalitätsstatistik des Stadtteils liege absolut im Kieler Schnitt – die Zahlen für Mettenhof sind seit zehn Jahren rückläufig.“

 Das war in den achtziger und neunziger Jahren noch anders, weiß Heinz-Bruno Wunsch, langjähriger Polizei-Stationsleiter und Vorsitzender des Mettenhofer Arbeitskreises für Kriminalitätsverhütung: Durch den Zuzug von vielen sozial benachteiligen Familien veränderten sich damals ganze Quartiere, was Probleme aufwarf. Dazu kamen aus den verschiedensten Nationen viele Familien mit älteren, entwurzelten Jugendlichen nach Mettenhof, die sich von einem Tag auf den andere mit einem völlig anderen Gesellschaftssystem und einer neuen Sprache auseinander setzen mussten. „Was sich für Problem daraus ergeben würden, hat man nicht rechtzeitig erkannt“, glaubt Wunsch. Es fehlten im Stadtteil Bildungs- und Freizeit-Angebote, die die Jugendlichen aufgefangen hätten. „Dadurch ist die Jugendkriminalität damals gestiegen – und das kam zu den bereits bestehenden Problemen noch hinzu.“ Heute jedoch habe sich die Lage deutlich entspannt.

 Ein wichtiger Grund dafür sei die „gute Zusammenarbeit und eine einzigartige Vernetzung aller Institutionen, Vereine und Einrichtungen im Stadtteil, die hat sich bezahlt gemacht“, sagt Susanne Wendt vom Jugendbüro Mettenhof (Träger: Christlicher Verein). „Gemeinsam lassen sich eben mehr Projekte für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene realisieren als einzeln.“ Dazu findet im Stadtteil ein außerordentliches soziales Engagement im ehrenamtlichen Bereich statt. Das sorgt für ein buntes Leben, für Vielfalt, gegenseitigen Respekt und ein gutes Miteinander. Und das wissen die Mettenhofer zu schätzen.

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