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Ein Fest für Taschendiebe

Weihnachtstrubel Ein Fest für Taschendiebe

Der Weihnachtsmarkt und die vielen Geschäfte lockten an den Wochenenden zahlreiche Besucher aus dem Umland zum Einkaufsbummel nach Kiel. Dort, wo sich viele Menschen sammeln, nutzen Taschendiebe jede Gelegenheit, um sich unrechtmäßig zu bereichern. Die Bundespolizei rät zur Wachsamkeit.

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Ein unachtsamer Moment und die Geldbörse ist weg, wie dieses gestellte Foto demonstriert. Die Bundespolizei informiert Reisende derzeit im Hauptbahnhof über die Maschen der Diebe.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Bundespolizei informiert in diesen Tagen Passanten im Hauptbahnhof über die gängigsten Tricks und mahnt zu erhöhter Wachsamkeit.

„Täglich kommen Reisende zu unserer Dienststelle und zeigen einen Taschendiebstahl an“, sagte Michael Hiebert, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kiel. Im Reisezentrum der Bahn beobachtet er oft, wie sorglos Menschen mit ihren geöffneten Taschen herumlaufen. Um das zu verdeutlichen, nähert er sich unauffällig einer Frau und zieht an ihrer Tasche. Er steckt einen Zettel hinein – sie merkt nichts. Kurze Zeit später geht er wieder an ihr vorbei und wirft einen Kugelschreiber in die Tasche – wieder zeigt sie keine Reaktion.

 „Sobald die Dame am Schalter fertig ist, halte ich sie auf und mache sie darauf aufmerksam, dass sie ein leichtes Opfer ist“, erklärte Hiebert. Denn er könnte genau so gut ja etwas herausnehmen. „Nein, wirklich! Ich habe was in der Tasche?“, fragte Dorothea Dührkoop erstaunt und befördert den Zettel und Kugelschreiber ans Licht. Bisher habe sie Glück gehabt, weil ihr noch nichts gestohlen wurde. „Ich finde die Aktion sehr gut und werde jetzt immer darauf achten, dass ich die Umhängetasche schließe“, sagte Dührkoop. Hiebert ist zufrieden.

 Besonders beliebt bei Taschendiebe ist derzeit die Blockiermasche: Ein Täter steigt langsam und kompliziert in einen Zug ein und provoziert so eine Warteschlange. „Sein Komplize nutzt die Gelegenheit, greift in Tasche oder Rucksack der Wartenden und stiehlt Geldbörse oder Smartphone, was er an einen dritten Täter weitergibt“, erklärte der Pressesprecher. Dazu hat er seine Jacke präpariert und in die Tasche ein Loch geschnitten, damit er seine Hand unbemerkt bewegen kann. Wenn ein Opfer den Diebstahl bemerkt, kann der Verdächtige sagen: „Wieso, ich habe doch nichts.“

 Auch im Zug bieten sich für Langfinger zahlreiche Gelegenheiten. Reisende hängen ihre Jacken zwar neben ihrem Sitz auf. „Aber wenn sie lesen, einschlafen oder auf Toilette gehen, sind schnell die Wertsachen weg“, erklärte Hiebert. Jannik Hübner kennt die Masche: „Mir wurde bisher nichts gestohlen. Ich bin aber auch immer sehr vorsichtig“, sagte der Kieler, als er in den Zug einstieg.

 Auf den Weihnachtsmärkten hat gerade der Senftrick Hochkonjunktur. Ein Täter schmiert einen Klecks auf den Rücken des Opfers. Der Komplize macht den Besudelten darauf aufmerksam und bietet „selbstlos“ an, die Jacke schnell abzuwischen. „Meist bittet der Täter das Opfer, die Jacke auszuziehen. Während der Langfinger mit einer Hand die Jacke säubert, fingert er mit der anderen in den Taschen und zieht unbemerkt Geld oder Smartphone heraus, was er wiederum unbemerkt einem Dritten übergibt“, erklärte Hiebert.

 Ähnlich funktioniert die Spendensammler- oder Stadtplanmasche. Täter bedrängen Passanten mit Block oder Stadtplan auf Tuchfühlung, lenken sie mit Fragen ab und greifen in deren Taschen oder ziehen direkt Geld aus dem Portemonnaie. „Sehr gut, dass die Bundespolizisten die Menschen auf diese Tricks hinweisen“, sagte Gerlinde Krafft, die interessiert den Ausführungen der Beamten lauschte. „Glücklicherweise ist mir noch nichts abhanden gekommen“, sagte die Kielerin.

 Besonders dreist, so Hiebert, sind Diebe, die mit einer Rasierklinge Stofftaschen aufschneiden, um an die Beute zu kommen. Immer wieder kommt es auch vor, dass Täter die Riemen der Taschen ihrer Opfer mit einer Schere durchtrennen und damit dann einfach weglaufen. „Jeder sollte gerade in Menschenansammlungen aufpassen, seine Wertsachen am Körper tragen und Taschen schließen. Dann macht er es Langfingern schwer“, betonte der Sprecher.

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Günter Schellhase
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