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Noch sind einige Fragen ungeklärt

Zweiter Weihnachtsmarkt Noch sind einige Fragen ungeklärt

In Kiel ist eine Debatte über den Weihnachtsmarkt 2016 entbrannt. Anlass ist das Konzept zweier privater Veranstalter, die bis 2021 weitere 60 Buden auf dem Rathausplatz aufstellen wollen. Während Politik und Verwaltung eher die Chancen einer Aufwertung sehen, stößt der Plan bei den Marktbeschickern auf große Skepsis.

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Buntes Treiben auf dem Rathausplatz von Kiel: Mit einer Projektskizze und Visualisierungen werben zwei Privatveranstalter darum, auf eigenes Risiko einen zusätzlichen Weihnachtsmarkt ab diesem Jahr auf die Beine zu stellen.

Quelle: Grandezza Entertainment und Epa Events Promotion

Kiel. Man erinnere sich: Vor einem Jahr gab es bereits einen Streit darum, ob die Standbetreiber auf den Rathausplatz umziehen sollten. Dafür hatte Kiel-Marketing geworben in der Hoffnung, durch die Illumination der umliegenden Gebäude mit Projektionen bewegter Bilder Kiel als Weihnachtsstandort aufzupeppen. Er könne, hieß es damals, zum Magneten für Touristen werden. Bisher bummeln fast ausschließlich Besucher aus Kiel und der Region über den Weihnachtsmarkt. Das aber sahen die Betreiber ganz anders: Der Rathausplatz sei für den Weihnachtsmarkt ungeeignet, zu zugig, nicht barrierefrei und abseits der Laufwege.

  Jetzt aber wollen Grandezza Entertainment und Epa Events Promotion genau an dieser Stelle schon in diesem Jahr einen weiteren Weihnachtsmarkt aufziehen – auf eigene Kosten und „im Zeichen der Wichtel“: Die Fantasiegeschöpfe aus der nordischen Sagenwelt sollen Markenzeichen für das „Weihnachtsdorf“ mit historischen Pavillons und zwei Schankhäusern sein. Eine Kooperation mit dem Theater Kiel, so die Idee der Veranstalter, könne zu Kindertheaterstücken auf dem Plateau Richtung Kleiner Kiel oder Lesungen führen: „Das Kieler Weihnachtsdorf soll für frischen Wind im vorweihnachtlichen Eventgeschehen der Stadt sorgen“, heißt es in der Projektskizze, die dem Wirtschaftsausschuss jetzt zur Beratung vorlag.

Ratsversammlung entscheidet über zweiten Weihnachtsmarkt

 Da noch viele Fragen ungeklärt sind, vertagten die Politiker die Verwaltungsvorlage. Doch spätestens die Ratsversammlung am 17. März muss entscheiden: Die Veranstalter brauchten zeitlich Vorlauf, um die Stände gestalten und bauen lassen zu können, begründete Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) den Zeitdruck. Auch Bürgermeister Peter Todeskino erhofft sich eine Belebung und Attraktivierung der „guten Stube“ durch einen nordisch geprägten weiteren Weihnachtsmarkt, der in eine Gesamtstrategie eingebunden werden soll. Man habe bereits mit den Stadtwerken gesprochen, die bereit wären, eventuell das „Eisfestival“ zu verschieben oder an einen anderen Standort zu verlagern. Laut Todeskino kämen Kiellinie oder Ostseekai in Frage.

 Die Politiker signalisierten grundsätzlich Zustimmung, wenn strittige Punkte wie die befristete Gebührenfreiheit für die privaten Veranstalter, die Einbindung der Schausteller und des Ortsbeirates und der Einfluss der Stadt gelöst werden. Sigrid Schröter (CDU) sprach von einer guten Idee, Özlem Ünsal (SPD) hofft auf eine Belebung der Innenstadt im Winter. Auch Dirk Scheelje (Grüne) zeigte sich positiv überrascht: „Kiel ist im Winter nicht die allererste Adresse.“ Hans-Peter Nissen und Manfred Jipp, Vize vom Landesverband der Schausteller und der Marktkaufleute, hatten bereits im Vorfeld der Sitzung als Mitglieder des Weihnachtsmarkt-Beirates ihre Bedenken formuliert, vor allem wegen der Größe: „Eine Konkurrenz – gut gemacht – kann die Innenstadt und das Geschäft beleben.“ Aber Kiel habe bereits vier Weihnachtsmärkte, zähle man die im Sophienhof und Citti-Park mit.

Skepsis herrscht zudem wegen der Vergabe des Marktes an Privatveranstalter, die wegen ihrer Investitionen im Vorfeld für zwei Jahre keine Gebühren zahlen sollen. „Die Spielregeln müssen gleich sein“, fordern Nissen und Jipp. Kämpfer signalisierte bereits Entgegenkommen, sollten die Marktkaufleute ebenfalls viel Geld in die Aufwertung des traditionellen Weihnachtsmarktes stecken.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Die „gute Stube“ nennt Kiels Bürgermeister Peter Todeskino den Rathausplatz. Zu recht: Leider aber verirren sich außerhalb der Kieler Woche, der Flohmärkte und Open-Air-Aufführungen der Oper nur wenige Besucher in die gute Stube.

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