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„Der Friedhof ist für die Lebenden“

Weltkulturerbe-Initiative „Der Friedhof ist für die Lebenden“

Friedhöfe wie der Eichhof-Friedhof in Kiel sind ein Stück Kulturgut. Mehr noch: Eine Kielerin wirbt nun bundesweit mit Mitstreitern, dass sie in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen werden.

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Nadia Reumann, hier auf dem Kieler Südfriedhof, gehört dem Vorstand des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur an und hat den Antrag bei der Unesco mit angestoßen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Große Parkanlagen wie der Eichhof-Friedhof, wertvolle Skulpturengräber und kunstvoll gemeißelte Grabsteine mit individuellen Inschriften wie auf dem Kieler Südfriedhof: Hierzulande sind Friedhöfe so vielfältig wie kaum sonst wo auf der Welt, unterstreicht Nadia Reumann. Sie ist Geschäftsführerin der schleswig-holsteinischen Treuhandstelle für Dauergrabpflege mit Sitz in Kiel und auch Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK). Und sie ist von der Einzigartigkeit deutscher Friedhöfe überzeugt: „Friedhöfe sind für die Lebenden. Sie sind Orte der Erinnerung, der Trauer, aber auch der Hoffnung und der Begegnung. Gerade in Deutschland sind sie aber auch Geschichtsbücher, Kulturraum und Spiegelbild der Gesellschaft.“ Deshalb hat die Initiative Kulturerbe Friedhof einen entsprechenden Antrag an die Unesco gestellt: Die deutsche Friedhofskultur solle immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden.

„Das Friedhofswesen ist nicht starr, sondern im steten Wandel“, sagt Nadia Reumann. So hätten beispielsweise die Zahl der Urnengräber besonders im Norden in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Außerdem seien die Friedhöfe multikultureller geworden und immer häufiger pflegten Friedhofsgärtner die Gräber, da die Kinder weiter weg wohnten. Laut Reumann werde die Bedeutsamkeit des Friedhofs den meisten Menschen erst nach dem Tod eines geliebten Menschen bewusst. Außerdem werde er als Kulturraum unterschätzt.

Bundesweit gibt es mittlerweile Konzerte, Lesungen oder Lichterspektakel auf Friedhöfen. In ihrem Antrag schreibt die Initiative Kulturerbe Friedhof: „Von dieser Bewerbung erhoffen wir uns, dass die deutsche Friedhofskultur wieder stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rückt. Vor allem Medien und Politik sollen sensibilisiert werden, welch elementaren Wert die Friedhofskultur für die Menschen und unser Gemeinwesen darstellt.“

Reumann ist viel auf den Friedhöfen in Schleswig-Holstein unterwegs: „Wir wollen alle einladen, verschiedene Friedhöfe zu besuchen und über sie ins Gespräch zu kommen: Was gefällt mir?“ Friedhöfe seien gerade in Großstädten auch Parkanlagen für die Öffentlichkeit. Grüne Oasen, in denen Besucher zur Ruhe kommen könnten. Leider höre sie aber viel zu oft: „Friedhof? Da komme ich noch früh genug hin!“

Von Sarah Jehle

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