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Geschenke mitten in der Krise

Weltmilchtag in Kiel Geschenke mitten in der Krise

Deutschlands Milchbauern sollen wegen des Preisverfalls Nothilfen vom Bund erhalten. Viel zu wenig, sagen sie, getrieben von Existenzangst. Doch anlässlich des Weltmilchtages am 1. Juni spendeten sie den 60 Tafeln in Schleswig-Holstein und Hamburg Milch und Milchprodukte.

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Frank Hildebrandt von der Kieler Tafel freut sich, den Tafelkunden einmal Milch und andere Molkereiprodukte satt anbieten zu können.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. In Kiel stellten die Milcherzeugervereinigung (MEV) und der Verband LandBauTechnik Nord ihre Hilfsaktion für Bedürftige vor. Es ist schon Tradition, dass die Milchbauern am Tag der Milch Käse, Butter, Joghurt, Quark und Trinkmilch verteilen. Im vergangenen Jahr belieferten die 4300 Milcherzeuger zahlreiche Kindergärten im Land mit ihren Produkten. In diesem Jahr, mitten in der eigenen Krise, entschlossen sie sich zusammen mit den ebenfalls ins Trudeln geratenen Landbau-Technikern, ihre Waren an Notleidende zu verschenken: „Wir achten Lebensmittel und haben jetzt Milch im Überfluss“, begründete Peter Lüschow, Milchbauer aus dem Kreis Steinburg und MEV-Vorsitzender, die Initiative: Nicht jeder könne sich die gesunden Lebensmittel leisten, selbst in einer Zeit, in der die Milch wenig koste und die wirtschaftliche Lage schwierig sei, sagte er: „Jeder gibt, was er kann.“

Bedarf nach Milch steigt noch

Den Wert der Milch, das am besten untersuchte Lebensmittel mit hoher Qualität in Deutschland, auch als Beitrag für eine gesunde Ernährung wieder bewusster zu machen, nennt Lüschow aber als Hauptziel der Aktion: „Die aktuellen Probleme kann sie nicht lösen.“ Horst Albert von LandBauTechnik Nord, der sich mit den Erzeugern in der Krise in einem Boot sieht, spricht ebenfalls von einer „guten und vernünftigen Sache“.

Insgesamt 7880 Packungen Trinkmilch, 2204 Becher Joghurt, 3287 Packungen Quark, je 927 Stück Butter und Käse kamen so von allen 14 Meiereien zusammen, für einen Einkaufspreis von 11000 bis 12000 Euro. Einen Teil davon lieferten Kühlwagen von der Zentrale in Hohenweststedt an die Tafel in Kiel im Schwedendamm, die insgesamt etwa 3000 Bedürftige (2100 Haushalte in Kiel, Flintbek und Kronshagen) über sieben Ausgabestellen versorgt. Dort freute sich Frank Hildebrandt, Vorsitzender des Verbandes der Tafeln, die begehrte Ware in Empfang nehmen zu können: Der Bedarf nach Milch und Milchprodukten steige auch wegen vieler Flüchtlinge. Dabei kommen nach Schätzungen der Tafel nur etwa zehn Prozent der Bedürftigen regelmäßig, um in ihren Läden günstig Lebensmittel einzukaufen. Zu groß ist die Scham, dass der Nachbar sie sehen könnte, zu groß die Hürde, sich selbst einzugestehen, dass sie finanziell kaum noch über die Runden kommen. Für die Spender ist die ehrenamtlich betriebene Einrichtung daher der richtige Adressat für die Unterstützungsaktion. „Die Tafeln sind die Brücke zwischen Überfluss und Mangel – zugunsten aller Beteiligten“, meint Lüschow.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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