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Eine Party für das Klimpergeld

Weltspartag in Kiel Eine Party für das Klimpergeld

Der Weltspartag zahlt sich noch immer aus: Mit kiloweise Klimpergeld aus Taschen, Dosen, Socken und natürlich Sparschweinen fütterten Kinder, Eltern, Omas und Opas am Freitag die Zählmaschinen, um anschließend beachtliche Beträge aufs Sparbuch einzuzahlen.

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Lotta (9) hat einen ganzen Beutel Kleingeld mitgebracht, so schwer, dass sie ihn kaum heben konnte.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Warum noch sparen, wenn es für das zurückgelegte Geld kaum noch Zinsen gibt? Ist der Weltspartag nicht längst ein Auslaufmodell? Wer das glaubt, hätte am Freitag der Hauptstelle der Förde Sparkasse in Kiel einen Besuch abstatten müssen.

Es ist die Stimmung eines organisierten Kindergeburtstages: Schminkaktion, Bunte Luftballons, ein Tisch mit Geschenken – von der Kuscheleule bis zum Soundsplitter für MP3-Player – und ein Bank-Azubi, der als Fliegenpilz „Winni“ in schweißtreibender Verkleidung mit den Kindern schäkert. Auch Finn ist mit seiner Mutter dabei. Trotz seiner zehn Jahre ist er schon ein echter Sparfuchs. Stolz schüttet Finn in die Maschine, was sich in einem Jahr im Bauch seines Sparschweins an Münzgeld angesammelt hat. Es rasselt, klimpert und klickert, dann ist das Geld weg: 159 Euro handfestes Hartgeld verwandeln sich in eine Quittung, die man nicht mehr gegen Eis eintauschen kann, gegen Comics oder Computerspiele.

Die coole Summe entscheidet

Finn nimmt den Zettel, geht zur Kasse und zahlt das Geld auf seinem Sparbuch ein. Wie viel Zinsen er dafür bekommt, das weiß er nicht, und es interessiert ihn auch nicht besonders. Viel wichtiger als die branchenübliche Mickerverzinsung von 0,01 Prozent ist doch die coole Summe, die da jetzt steht: 1514 Euro. Finn spart schon für den Führerschein, und damit hat der junge Kieler den Grundgedanken des Weltspartages sozusagen mustergültig verinnerlicht: „Hier geht es weniger um Rendite, sondern um den verantwortungsvollen Umgang mit Geld“, sagt Filialleiter Marco Meyer. Heute verzichten, um sich morgen etwas leisten zu können – dazu wollen die Banken ihre jungen Kunden auch mit modernen Angeboten ermuntern, so wie die Sparkassen mit dem „Klick-Sparen“. Dazu kann man sich eine App aufs Handy laden und immer dann, wenn man einer Konsumverlockung erfolgreich widerstanden hat, den gesparten Betrag online aufs Sparkonto überweisen.

Spargedanke hält sich

Auch die Kieler Volksbank und andere Institute zählen an diesem Tag Kinder-Klimpergeld und verteilen Geschenke, rühren dafür aber nicht die Werbetrommel. „Die Resonanz in den Filialen ist sehr rege“, sagt Volksbank-Chefin Caroline Toffel. Der Spargedanke sei nach wie vor bei Eltern und Kindern tief verwurzelt. Doch wie auch ihre Sparkassenkollegen macht sie keinen Hehl daraus, dass Banken aufgrund des allgemeinen Zinsumfeldes für kurzfristige Spareinlagen so gut wie nichts mehr zahlen. Wer langfristig ein Vermögen aufbauen wolle, so heißt es denn auch bei der Förde Sparkasse, sollte auf lukrativere Alternativen wie Fondssparpläne ausweichen, sich aber auf jeden Fall zuvor gründlich beraten lassen.

„Wenn ein Sechzehnjähriger in zwei Jahren Geld benötigt, macht es keinen Sinn, in Wertpapiere zu investieren“, sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Eventuell könne in diesem Fall statt eines Sparbuches ein Festgeldkonto abgeschlossen werden. „Hier sollte man aber gründlich die Konditionen vergleichen.“

Erwachsene sparen nicht gut

Was das Sparen angeht, da sind die Erwachsenen in Deutschland kein gutes Vorbild. Weniger als zehn Prozent des verfügbaren Einkommens legt ein Durchschnitts-Haushalt auf die hohe Kante. Zwar wird niemand von sich behaupten mit Geld sorglos umzugehen, die Realität sieht aber anders aus, berichtet Herte. „In meinen Beratungen treffe ich immer wieder auf Verbraucher, die vergessen haben, die Zulagen für den Riester-Vertrag, ihre Arbeitnehmersparzulage oder die Wohnungsbauprämie zu beantragen oder die Ereignisse wie die Geburt eines Kindes oder Änderungen des Einkommens nicht der Zulagenstelle mitteilen.“ Um einige hundert Euro pro Jahr zu sparen, genügt es also manchmal, den eigenen Papierkram in Ordnung zu bringen.

In der Hauptstelle der Förde Sparkasse wurden übrigens am Freitag rund 6000 Euro eingesammelt. Zu den aktuellen Konditionen würden die auf dem Sparbuch in einem Jahr 60 Cent Zinsen abwerfen. Voraussichtlich 100 Euro jedoch würde die Inflation wegknabbern.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Deutsche sparen wegen niedriger Zinsen weniger.

Als Reaktion auf den Mini-Zins legen die Menschen in Deutschland immer weniger Geld auf die hohe Kante. 2012 sei die Sparquote - also die Sparsumme als Teil des verfügbaren Einkommens - um 0,1 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent gesunken, in den ersten sechs Monaten 2013 auf nur noch 10,0 Prozent.

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