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83 und kein bisschen segel-müde

Eric Forsyth 83 und kein bisschen segel-müde

Zwei Mal schon hat Eric Forsyth mit seiner „Fiona“ die Welt umsegelt, auf insgesamt 300000 Seemeilen kann der 83-Jährige zurückblicken. Im Juli startete er in New York. Nun machte der Brite für drei Tage in Kiel fest.

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Besuch an Bord: Die Kieler Physikerin Christina Krywka hatte Forsyth in den USA kennengelernt, als beide am selben Forschungszentrum arbeiteten. Beide sind seitdem in Kontakt.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Sein halbes Leben hat Eric Forsyth auf seinen Segelschiffen verbracht, dabei begann die Karriere des gebürtigen Briten als Kampfpilot bei der Royal Airforce. Er studierte in Manchester Elektroingenieurwesen, lernte dort seine Frau kennen und ging mit ihr nach Kanada, wo er sein Studium fortsetzte. 1960 suchte die US-Regierung Mitarbeiter für ein nationales Forschungszentrum auf Long Island. Forsyth war dort verantwortlich für den Aufbau und das Design eines Teilchenbeschleunigers. Auf Long Island entdeckte Forsyth aber vor allem seine Leidenschaft für das Segeln, ein beliebtes Hobby dort.

Nach einem Segelurlaub 1964 in der Karibik begannen seine Touren und der Traum, auf einem Schiff zu leben. 1968 verkaufte das Paar sein Haus, kaufte das erste Schiff, die „Iona“ und lebte anderthalb Jahre auf dem Wasser. „Dann ging uns das Geld aus und es war schwierig, ohne feste Adresse und Telefon einen Job zu finden“, erinnert er. Doch Forsyth bekam das Angebot, im Forschungszentrum eine neue Abteilung aufzubauen und wurde Experte für die Anwendung der Supraleitung. Und so ging er zurück nach Long Island, doch seine Segelleidenschaft hielt an. Und die lebte bei dem zweifachen Vater 1975 so richtig auf, als er sich einen Schiffsrumpf kaufte und acht Jahre lang im Vorgarten seine „Fiona“ aufbaute, eine Westsail 42.

Als das Schiff 1983 fertig war, nahm er sich die Sommer über frei und begab sich mal mit Familie, mal mit Freunden oder Bekannten auf hohe See, meist nach Kanada oder in die Karibik. Nachdem seine Frau 1990 gestorben war, fand er Trost auf seinen langen Reisen. Die Trips wurden länger, Forsyth suchte sich immer neue Crewmitglieder – mit den meisten klappte es prima, mit anderen erlitt er auch mal einen „Schiffbruch“.

So ging ihm mal ein Russe acht Monate lang mächtig auf die Nerven. „Er hat andauernd Märchen erzählt, hatte keine Ahnung vom Segeln und war echt unzuverlässig“, erzählt der betagte Segler. Als mit ihm dann noch im Bermuda-Dreieick der Mast über den Jordan ging, war Forsyth nur noch froh, als der Russe von Bord ging. Bei ihm blieb aber die Erkenntnis: „Wenn man so einen Unfall übersteht, dann stärkt das nur und spornt an, denn ich liebe die Herausforderung.“

Viele Crewmitglieder kamen, segelten eine Teilstrecke mit und wurden zu Freunden, darunter auch viele Frauen. „Die Männer akzeptieren aber besser die Unannehmlichkeiten wie sieben Wochen ohne Dusche zu sein“, betont er. Auch die Kost aus der Konserve sei nicht unbedingt die weibliche Lieblingsspeise.

Im Juli nun folgte er der Einladung der Kielerin Christina Krywka, die als Physikerin einige Zeit am Forschungszentrum auf Long Island arbeitete. Dort lernten sich die beiden kennen und blieben in Kontakt. Das zweite Mal war er mit seiner „Fiona“ jetzt in Kiel und schaute sich vor allem viele Museen an. Mit dabei war auf diesem Törn, der ihn von New York nach Kanada über Schottland nach Kiel brachte, neben einem Fotografen auch ein Mohawk-Indianer. „Er verließ uns eines Morgens aber wortlos, er hat wohl seine Freundin sehr vermisst“, erzählt der Skipper. In Schottland kam Andy Brooks an Bord, der ihn bis nach Kiel begleitete und ihn in Brunsbüttel dieser Tage wieder verlässt. Dann kommen neue Gesichter und für den Captain geht es in Richtung Portugal. Ein Leben ohne Segeln, das mag er sich noch so gar nicht vorstellen, „aber ich weiß, dass dieser Tag kommen wird. Das Alter setzt Grenzen“, bedauert er.

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