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Werte stehen im Mittelpunkt

Weltwirtschaftssymposium Werte stehen im Mittelpunkt

Fürsorge und Nächstenliebe ein Thema für Ökonomen? Durchaus: Beim Weltwirtschaftlichen Symposium in Kiel sind globale Werte das zentrale Thema. Es führt ganz verschiedene Probleme wie Finanzmarkt- Stabilität, Klimawandel und Flüchtlingskrise zusammen.

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Ohne die Beachtung universeller Werte kann nach Überzeugung des Ökonomen Dennis Snower auch die Wirtschaft nicht dauerhaft erfolgreich sein.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Ohne die Beachtung universeller Werte kann nach Überzeugung des Ökonomen Dennis Snower auch die Wirtschaft nicht dauerhaft erfolgreich sein. „Spätestens mit der Finanzkrise 2008 sollten wir verstanden haben, dass es nicht ausreicht, nur Geld zu verdienen und das zu tun, was legal ist“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der Deutschen Presse-Agentur. „Langfristig erfolgreiche Unternehmen streben natürlich nach Gewinn, aber die ethisch-moralischen und sozialen Grundlagen müssen da sein, damit man ihnen auch vertraut.“ Das zeige jetzt auch die VW-Krise.

Bei seinem diesjährigen Weltwirtschaftlichen Symposium vom Montag bis Mittwoch mit führenden Wissenschaftlern, Politikern, Unternehmern und auch Religionsvertretern rückt das IfW generell das Thema Werte ins Zentrum. „Wenn Wirtschaft gut läuft in öffentlichem Interesse, dann nicht, weil jeder nur Geld verdient und die Konsumenten nur ihren Nutzen maximieren wollen, sondern weil man sich an Werte hält und soziale Integration funktioniert“, sagte Snower.

Aus seiner Sicht existiert bereits zum Großteil ein universelles Wertesystem. „Werte wie Nächstenliebe, Fairness, Loyalität oder Fürsorge für benachteiligte Menschen haben alle Gesellschaften“, sagte Snower. Dass es dennoch so schwer ist, sich auf Klimaziele zu einigen, aus der Finanzkrise herauszukommen oder in Europa eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingsfrage zu finden, liege daran, dass die Werte nicht identisch angewendet werden. Zu diesen Fragen Lösungsvorschläge zu erarbeiten, ist zentrales Anliegen des Kieler Symposiums.

„Nächstenliebe gilt den sozialen Gruppen, denen man angehört und nicht denen, denen man nicht angehört“, erläuterte der IfW-Präsident. „Wenn sich zwei Länder bekriegen, bedeutet das nicht, dass sie keine Nächstenliebe haben: Alle Soldaten, die dort kämpfen, kümmern sich sehr um ihre eigene Familie — aber nicht um den Feind.“ Ziel müsse es sein, eine ähnliche Anwendung der gemeinsamen Werte anzustreben.

Für Snower sind die Menschen durchaus in der Lage, zur Lösung globaler Probleme eine globale Identität zu schaffen, um auf deren Grundlage auch für Menschen aus anderen Kulturen und Religionen Fürsorge zu zeigen. So sei die Sklaverei von einem akzeptierten Geschäft vor 300 Jahren zu einem geächteten Geschäft geworden, nachdem sich die Menschen Geschichten über das Schicksal der Sklaven erzählt hatten. Schließlich hätten sie Politiker gewählt, die dann die Sklaverei abschafften. „Mit der Globalisierung unserer gemeinsamen Probleme sind wir neu herausgefordert, gemeinsame Geschichten zu finden, um eine gute Zukunft zu ermöglichen.“

Das Flüchtlingsproblem in Europa sei eine fantastische Möglichkeit, Menschen einzubinden in eine gemeinsame Geschichte, sagte Snower. „Sehen wir die Flüchtlinge als Fremde, die uns schaden und unsere Gesellschaft zersetzen können oder als Teil unserer größeren Familiengemeinschaft?“ Hier brauche Europa auch eine Wertediskussion.

Alle Länder müssten klar sagen, wie sie zur Verpflichtung aus der UN-Flüchtlingskonvention stehen, Verfolgten Asyl zu geben. „Diese Frage muss in aller Schärfe gestellt werden“, sagte Snower. Bei Ländern, die sich weigern, müsse man fragen, ob sie wirklich Teil von Europa sein können. Nicht durchdacht sei die Überlegung, Flüchtlinge nach einer Quote auf die Länder zu verteilen. Die Menschen würden dann trotzdem dorthin gehen, wohin sie wollen. „Deshalb wäre es viel sinnvoller, die Kosten fair aufzuteilen: Länder, die viele Flüchtlinge aufnehmen, sollten von den anderen entschädigt werden.“

Die Wirtschaft sei wichtig im globalen Wertesystem, sagte Snower. Um erfolgreich miteinander zu handeln, müsse man die Perspektive des Anderen kennen. Dann seien Toleranz, Respekt vor dem Kunden und Fürsorge die nächsten Schritte. Wenn Vertrauen fehle, könnten auch nicht alle wirtschaftlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Finanzkrise habe offenbart, dass Banken in den USA die Unwissenheit armer Menschen ausnutzten, die Häuser kaufen wollten. „Dies zeigte, dass diese Institute die Werte menschlicher Fürsorge nicht auf ihre Kunden angewendet haben, und Respekt fehlte auch.“ Die Finanzkrise habe offenbart, dass die Werte nicht immer an erster Stelle stehen. „Sie müssen es aber, um langfristig Vertrauen zu bilden.“

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Deutsche Presse-Agentur dpa

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